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Mit Angelhaken verletzt
Wie eine Ersthelferin Max aus Kleve das Augenlicht rettete

Kleve: Wie eine Ersthelferin Max aus Kleve das Augenlicht rettete
Max Bollmann (11) zeigt den Drillingshaken, der ihm aus dem rechten Auge herausoperiert wurde. FOTO: Markus van Offern
Kleve. Beim Angeln hat sich ein Elfjähriger in Kleve versehentlich einen Dreifachhaken ins Auge gejagt. Eine Arzthelferin war zufällig vor Ort und leistete Erste Hilfe. Auch dadurch konnte Max' Augenlicht erhalten werden. Von Marc Cattelaens

Der Dreifachhaken eines sogenannten Wobblers, ein Kunstköder, mit dem der elfjährige Max an den Naturseen in Kellen auf Raubfischjagd gehen wollte, bohrte sich in sein rechtes Auge. Vor Schmerzen sank der Junge auf die Knie, wusste nicht, was er tun sollte. Doch Max hatte Glück. Großes Glück.

Der 15-jährige Leon, der ein paar Meter weiter angelte, hatte den Unfall mitangesehen und eilte Max sofort zu Hilfe. Genau wie seine Mutter Stefanie Böhmer, die in dem Moment eintraf, weil sie ihren Sohn abholen wollte.

"Das sah wirklich schlimm aus, der Wobbler baumelte an Max' Auge, der Haken war unmittelbar am Augapfel", erzählt die 31-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion. Doch in dem Moment wollte sich die junge Frau, die als Arzthelferin arbeitet, ihren Schrecken nicht anmerken lassen. Beruhigend sprach sie auf den Elfjährigen ein.

"Keine Panik, wir schaffen das"

"Keine Panik, wir schaffen das", sagte sie zu dem Kind. Gleichzeitig hob sie das Blei, das den Kunstköder beschwert, an, damit das Gewicht des Wobblers nicht an dem Haken in Max' Auge zerrt. Und sie verhinderte, dass sich der Junge in seinem Schockzustand den Haken selbst aus dem Auge zog. Das war zurückblickend entscheidend dafür, dass Max sein rechtes Auge behalten konnte.

Leon setzt einen Notruf ab, lotste den Notarzt zur Unfallstelle. Da traf auch Max' Vater Tommi, Chefredakteur beim Lokalsender Antenne Niederrhein, an, den Stefanie Böhmer mit dem Handy seines Sohnes angerufen hatte. "Weil ich so mit Max beschäftigt war, habe ich gar nicht zu seinem Vater hochgeschaut. Doch als ich seine Stimme hörte, war mir sofort klar, dass ich sie aus dem Radio kannte", sagt Stefanie Böhmer.

Notoperation im Klinikum

Dann ging alles ganz schnell. Max wurde ins Helios Klinikum Krefeld eingeliefert und dort sofort operiert. Stefanie Böhmer blieb mit schlotternden Knien zurück, voller Sorge um den kleinen Max. "Als alles vorbei war, bin ich erstmal zusammengesackt", sagt sie.

In der Eile hatte sich Tommi Bollmann nicht den Namen des Schutzengels, der sich so liebevoll um seinen Sohn gekümmert hat, aufgeschrieben. Also schrieb er am nächsten Tag einen Facebook-Aufruf. "In der ganzen Aufregung habe ich den Namen dieser wundervollen Frau nicht behalten. Wenn Ihr sie kennt, bitte eine Nachricht an mich", lautete der Eintrag. Damit hatte er Erfolg und gelangte an den Namen der Helferin, bei der sich vielfach für ihren tollen Einsatz bedankte.

"Man darf doch nicht weggucken, wenn so etwas passiert"

Die 31-Jährige ist schon ein wenig stolz darauf, dass sie helfen konnte, doch gleichzeitig hält sie das, was sie getan hat, für selbstverständlich. "Man darf doch nicht weggucken, wenn so etwas passiert", sagte sie. Genau das hätten nämlich zwei Erwachsene gemacht, die wenige Meter weiter gegrillt haben. "Ich bin mir sicher, dass sie mitbekommen haben, dass es sich um eine Notlage gehandelt hat", sagt sie.

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Max geht es inzwischen wieder gut, er geht zur Schule. Die Operation war erfolgreich, er wird wohl keine bleibenden Schäden behalten. "Zwei Millimeter weiter, dann wäre der Schaden wohl irreparabel gewesen", sagt sein Vater. Zurzeit ist das Auge zwar noch ziemlich gerötet, aber das wird bestimmt bald besser. Und Max hat jetzt einen neuen Freund gefunden: Leon Böhmer. Fürs nächste Wochenende haben sich die beiden verabredet - natürlich zum Angeln.

Quelle: RP
 
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