| 00.00 Uhr

Kreis Kleve
Klever gründet Philippinen-Hilfsprojekt

Kreis Kleve: Klever gründet Philippinen-Hilfsprojekt
Die Einheimischen auf der philippinischen Insel Bucas Grande leben unter ärmlichsten Bedingungen. Das Hilfsprojekt soll Existenzchancen bieten. FOTO: privat
Kreis Kleve. Mit Moringa-Bäumen, Aquaponik-Anlagen und Terra-Petra-Erzeugung in einem geschlossenen Kreislauf will Georg Liebrand Menschen in Südostasien Hilfe zur Selbsthilfe geben. Deutsche Umwelthilfe fördert Projekt mit 5000 Euro. Von Dieter Dormann

In den vergangenen Jahren ist für Georg Liebrand (57) aus Kleve das philippinische Dorf Socorro auf der Insel Bucas Grande fast zu einer zweiten Heimat geworden. Der Klever hat die Philippinin Marlyn geheiratet, Menschen und Natur auf der fernen Insel schätzen gelernt. Stets war er bemüht, den Einheimischen (und auch sich selbst) den Lebensalltag in Socorro trotz der immer wieder über die Inseln hereinbrechenden Naturgewalten (Taifune), aller Armut und Korruption zu erleichtern. Der Klever baute gemeinsam mit den Einheimischen Häuser und Boote, er unterstützte sie, wenn Kinder krank wurden oder deren Eltern die Schulgebühren nicht bezahlen konnten.

Doch alles Bemühen schien vergebens. Dauerhaft gesicherte Existenzen konnte Georg Liebrand für die Dorfbewohner nicht schaffen. 2014 kehrte er mit Marlyn in seine niederrheinische Heimat zurück - ohne seinen großen Traum aufzugeben, für die Menschen auf den Philippinen Gutes zu schaffen.

Georg Liebrand und Marlyn beim Pflanzen eines Moringa-Baumes.

Und in Kleve entwickelte er die Idee von einem Hilfsprojekt, das gleichsam auf drei Beinen steht, einen geschlossenen Naturkreislauf bildet, ökologisch und sozialverträglich ist und die Selbstversorgung der Menschen in Socorro - aber auch in anderen Regionen auf diesen Breitengraden nahe des Äquators - sichern kann. Erstes Bein des Projektes ist der Anbau des Moringa-Baumes, der als eine der nährstoffreichsten Pflanzen dieser Erde gilt und dadurch große Bedeutung im Kampf gegen Mangelernährung haben kann. Aquaponik ist das zweite Bein der Hilfsmaßnahme. Dabei kann nach geringen Investitionen Fisch in einer nur zwölf Kubikmeter großen Teichanlage sowie Gemüse für eine zehnköpfige Familie erzeugt werden. Drittens sollen alle anfallenden biologischen Abfälle zu Dünger (Terra Preta) fermentiert werden.

Bei der Suche nach Unterstützern für sein Projekt stieß Georg Liebrand in Kleve auf Herbert Looschelders, der dort eine Sozial- und Ökologiestiftung leitet. Der Stiftungs-Chef war rasch von dem Hilfsprojekt überzeugt. "Es ist Hilfe zur Selbsthilfe", meint Herbert Looschelders. Klassische Abhängigkeiten könnten dadurch beseitigt werden und die Landflucht der Menschen verhindert werden. Doch auch wenn Herbert Looschelders von der Idee begeistert war, finanzieren - auch wenn für den Anfang nur 10.000 bis 15.000 nötig waren - konnte er das Projekt mit seiner Stiftung allein nicht.

Aber Georg Liebrand hatte die Idee, sich mit seinem Philippinen-Projekt über die Looschelders-Stiftung bei dem "Hand-in-Hand-Fonds" der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und Rapunzel-Naturkost um eine Förderung zu bewerben. Anfang dieses Jahres reichte Georg Liebrand die nötigen Unterlagen ein. Die Entscheidung, ob das Projekt eine Förderung bekommen würde, sollte im Früjahr fallen. Doch es dauerte letztlich bis zum Juni, ehe das Telefon bei Herbert Looschelders klingelt und es hieß: "Sie bekommen 5000 Euro für das Projekt."

Damit war der finanzielle Grundstein gelegt. Aus seiner Stiftung gab Herbert Looschelders noch 5000 Euro dazu. In seinem Bekanntenkreis suchte Georg Liebrand intensiv nach weiteren "Sponsoren". Auch wenn es manchmal schwer war, er fand noch andere Förderer. Insgesamt kamen so etwa 15.000 Euro zusammen. "Damit ist die Projekt-Aufbauphase erstmal für acht Monate gesichert", sagt der Klever.

Vor wenigen Tagen ist der 57-Jährige mit seiner philippinischen Frau wieder nach Socorro gereist, um das Projekt dort ehrenamtlich zu betreuen. Als Erstes will er zwei Anlagen bauen. Das Hilfsvorhaben wird mit einer schon bestehenden Kooperative von zehn Familien verwirklicht. Georg Liebrand ist zuversichtlich, dass in etwa zwei Jahren zehn Anlagen mit Moringa-Bäumen, Aquaponik-Anlagen und Terra-Petra-Erzeugung in Betrieb sein können und die Existenzgrundlage für etwa zehn Familien bilden werden. "Dann schreiben wir auch schwarze Zahlen", meint der Klever.

Bis dahin wird der Entwickler des Hilfsprojektes der DUH und Rapunzel regelmäßig Rechenschaftsberichte liefern müssen. "Das Projekt verbindet ökologische und soziale Zielsetzungen", sagt Michael Hadamczik von der DUH. "Deshalb fördern wir es." Der Finanzleiter der DUH ist zudem für die Zukunft des Vorhabens optimistisch. Er sagt: "Das Projekt könnte sich selbst tragen. Deshalb ist eine Anschlussfinanzierung durchaus denkbar, mit der unter anderem auch Hilfe bei der Vermarktung der erzeugten Produkte geleistet werden könnte."

Bis dahin hofft Georg Liebrand noch auf weitere Spenden, die steuerlich absetzbar sind. Herbert Looschelder hat dafür bei seiner Stiftung ein Spendenkonto eingerichtet: Kennwort: Philippinen-Projekt (unbedingt angeben!), IBAN DE 71 3245 0000 003020 5942 BIC/SWIFT WELADED1KLE. Georg Liebrand versichert, detaillierte Rechenschaft über die Verwendung der Spendengelder abzugeben. Dies soll unter anderem in Form von Videos und Berichten im Internet auf der Projekt-Seite geschehen: www.philippinen-projekt.de

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kreis Kleve: Klever gründet Philippinen-Hilfsprojekt


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.