| 00.00 Uhr

Analyse
Klever Schulsystem am Scheideweg

Analyse: Klever Schulsystem am Scheideweg
Die Sekundarschule soll ab dem kommenden Schuljahr keine neuen Schüler mehr aufnehmen. Sie ist im Gebäude des ehemaligen Johanna-Sebus-Gymnasium an der Ackerstraße untergebracht. Auch die neu einzurichtende Gesamtschule würde wohl dort zunächst ihren Betrieb aufnehmen. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Die Politik hat mehrheitlich beschlossen, die Sekundarschule auslaufen zu lassen und eine zweite Gesamtschule zu gründen. Wir erläutern die Argumente dafür und nennen die Kritikpunkte daran. Schon im Februar starten die Schulanmeldungen. Von Marc Cattelaens

Nach dem stark umstrittenen Ratsbeschluss zur Zukunft der Sekundarschule Kleve (wir berichteten) sind viele Eltern verunsichert.

So wurde beschlossen: Mit knapper Mehrheit von CDU und Grünen hat der Rat beschlossen, dass die Sekundarschule ausläuft und dass eine zweite Klever Gesamtschule errichtet wird. Das bedeutet, dass an der Sekundarschule ab dem 1. August 2017 keine neuen Schüler mehr angenommen werden. Parallel wird zum kommenden Schuljahr 2017/18 eine zweite Gesamtschule eingerichtet, die sechs Züge, also sechs parallel betriebene Klassen erhält, vier davon am Standort Kleve, zwei in Bedburg-Hau.

Das sind die Schulformen: Sowohl Gesamt- als auch Sekundarschule sind Schulen des längeren gemeinsamen Lernens. Leistungsstarke und leistungsschwache Kinder werden gemeinsam unterrichtet. An beiden Schulen werden auch Inhalte auf Gymnasialniveau unterrichtet. Die Gesamt- unterscheidet sich von der Sekundarschule hauptsächlich dadurch, dass die Gesamtschule eine Oberstufe besitzt.

Da liegen die Probleme: Die Sekundarschule Kleve hat - hauptsächlich am Standort Bedburg-Hau - geringe Anmeldezahlen. Laut Bezirksregierung ist das ein typisches Problem: Sekundarschulen funktionieren dort nicht, wo sie in Konkurrenz zu Gesamt- und/oder Realschulen stehen.

Das spricht für den Ratsbeschluss: Anders als eine umgewandelte Sekundarschule muss eine neu gegründete Gesamtschule nicht von Beginn an eine Oberstufe vorweisen, weil sie mit einem neuen Jahrgang fünf beginnt und die ersten Schüler erst zum Schuljahr 2024/25 in die Oberstufe eintreten. Die Bezirksregierung hätte bis dahin Zeit, genügend befähigte Lehrer einzustellen. Die jetzigen Schüler der Sekundarschule könnten dort einen Abschluss machen und eventuell anschließend eine der beiden Gesamtschulen, eines der beiden Gymnasien oder das Berufskolleg besuchen, um einen höher qualifizierten Abschluss zu erlangen.

Das sagen die Kritiker des Beschlusses: Der Sekundarschule wird keine Chance gegeben, sich zu entwickeln. Schulleitung und Lehrer, die gute pädagogische Arbeit machen, werden abgestraft. Lehrer werden sich jetzt wegbewerben. Die jetzigen Sekundarschüler werden aus einer Schulform entlassen, mit der Arbeitgeber wenig anfangen können. Ihre Abschlusszeugnisse sind quasi weniger Wert als Gesamtschulzeugnisse. Die Klever FDP sieht schlichtweg keinen Bedarf für eine weitere Gesamtschule.

So geht es weiter: Jetzt muss die Bezirksregierung entscheiden, ob sie den Klever Ratsbeschluss genehmigt. Im Februar ist die Anmeldung für die weiterführenden Schulen.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Analyse: Klever Schulsystem am Scheideweg


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.