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Kleve
Koffer am Bahnhof - Vorplatz gesperrt, Züge gestoppt, Busse umgeleitet

Kleve. Eine 23 Jahre alte Vietnamesin, die an der Hochschule studiert, hat ihr schweres Gepäckstück zwei Stunden stehen lassen - die Folgen waren erheblich. Von Dieter Dormann

Vergangener Donnerstag, kurz nach 10 Uhr: Eine schmächtige, kleine Vietnamesin überquert eine Fahrbahn des neuen Busbahnhofes. Die 23-jährige Studentin der Klever Hochschule trägt eine Tasche und zieht einen sehr großen - und offenbar sehr schweren - Koffer hinter sich her. Kräfteraubend scheint das zu sein. Fast stolpert die kleine Asiatin. Wer sie sieht, könnte Mitleid empfinden.

Doch in den zwei Stunden zuvor hat die junge Frau - genauer gesagt ihr großer Koffer - für viel Aufregung gesorgt. Es war gegen 8.35 Uhr, als ein Niag-Busfahrer den Trolly - ohne seine Besitzerin - an der Haltestelle stehen sah. Nach den Terror-Anschlägen von Brüssel hegte der Mann bösen Verdacht. Über Funk fragte er alle seine Kollegen, ob ein Fahrgast sein Gepäck vermisse. Da dies nicht der Fall war, alarmierte er die Polizei.

"Herrenloser Koffer am Bahnhof" - die Meldung löste einen Standrad-Einsatzplan der Polizei für solche Fälle aus: Weiträumige Absperrung des Bahnhofes, Verlegung der Bushaltestellen an die van-denBergh-Straße, Stopp für alle Nordwestbahn-Züge nach Kleve schon in Bedburg-Hau, Organisation von Ersatzbussen für die Züge zwischen Kleve und Bedburg-Hau, Alarmierung der "Entschärfer" des Landeskriminalamtes. Alle Maßnahmen laufen an, der Bahnhof ist gegen 9 Uhr menschenleer.

Gegen 10 Uhr steht die Vietnamesin, die an diesem Tag eine neue Wohnung beziehen will und an der Hochschule einen Ausweis abgeholt hat, an der Polizei-Absperrung. Die Beamten lassen sie erstmal nicht passieren. Sie wolle aber zu ihrem Koffer, meint die Asiatin auf Englisch und zeigt auf den großen Trolly, der an der Haltestelle steht.

Dann ist alles rasch geklärt: Die Studentin gewährt den Beamten einen Blick in den Koffer. Nur private Sachen sind drin - kein Sprengstoff. Alle Vorsichtsmaßnahmen werden aufgehoben. Das Leben in Kleve geht seinen normalen Gang wie an jedem normalen Tag.

Ob Polizei, Niag und Nordwestbahn von der 23-Jährigen Schadenersatz verlangen werden, wollen sie prüfen - ergebnisoffen. Ob man dann wieder Mitleid mit der kleinen Frau haben kann, ist Ansichtssache.

Quelle: RP
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