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Harald Kunde
"Kommt her und seht es euch an"

Harald Kunde: "Kommt her und seht es euch an"
FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Der Klever Hauptausschuss hat beschlossen, einmal im Monat einen Sonntag bei freiem Eintritt in das Museum der Stadt zu bieten. Am Rande des Neujahrsempfangs der Grünen im Museum Kurhaus Kleve sprach RP-Redakteur Matthias Grass mit dem Direktor des Hauses, Harald Kunde.

Herr Kunde, in Ihrer Rede zum Neujahrsempfang der Grünen sprachen Sie von der Kunst und der Kultur, die nicht das Sahnehäubchen, sondern ideelle und historische Grundlage der Gesellschaft seien.

Harald Kunde Genau. Es sind Kunst und Kultur, die wir wahren und zugänglich machen müssen, mit der wir uns auseinandersetzen müssen. Wenn wir die nicht haben, woher sollen wir dann wissen, wo es hingehen soll? Deshalb habe ich an alle appelliert, das Haus gemeinsam nach vorne zu bringen.

Nach vorne bringen heißt ja auch, es mehr Menschen zugänglich zu machen. Da soll ein Tag freier Eintritt mehr Besucher ins Haus ziehen, hofft nicht nur die Klever Politik. Wie gehen Sie damit um?

Kunde Wir werden künftig jeden ersten Sonntag im Monat freien Eintritt haben, das erste Mal war schon am vergangenen Wochenende. Wir hatten knapp 100 Besucher, wenn man den Empfang der Grünen abzieht. Das ist ein guter Auftakt - auch wenn die meisten positiv überrascht waren, dass sie nichts zahlen mussten. Das werden wir noch besser kommunizieren.

Hoffen Sie tatsächlich auf mehr Besucher oder laufen sie nicht Gefahr, dass sich die Freunde von Kunst und Kultur nur anders verteilen?

Kunde Das ist eine Chance für alle, die den Eintritt von zehn Euro pro Person scheuen, in das Museum Kurhaus hineinzukommen und zu sehen, was wir hier machen. Wir als Museum können damit auch zeigen: Das Museum ist für alle da, kommt her, und seht es euch an, setzt euch mit den Bildern und den Skulpturen in der Ausstellung und in der ständigen Sammlung auseinander. Das ist jetzt erst einmal ein Experiment, ein Experiment, das aber diese einmalige Chance bietet, sich das Museum anzugucken. Nach einem Jahr werden wir dann Bilanz ziehen.

Besteht die Gefahr, dass Sie die 64.000 Euro, die das Museum jedes Jahr für den städtischen Etat einnehmen soll, nicht erreichen, wenn es künftig an besucherträchtigen Sonntagen keinen Eintritt gibt?

Kunde Wie gesagt, das ist ein Experiment. Aber es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn dann alle nur noch an diesen Tagen mit freiem Eintritt kommen. Auch hoffen wir natürlich, dass weiterhin kunstinteressierte Menschen, die von außerhalb der Region nach Kleve kommen, unsere spannenden Ausstellungen sehen wollen. Wir gehen einmal davon aus, dass wir die 64.000 Euro Einnahmen für die Stadt Kleve auch 2018 wieder schaffen werden. Außerdem setzen wir auch darauf, dass vielleicht der Boomerang-Effekt eintritt.

Der Boomerang-Effekt durch Mundpropaganda?

Kunde Ich meine, dass diejenigen, die zu uns kommen, vielleicht noch einmal wiederkommen, weil es ihnen gefallen hat, und dann auch bereit sind, dafür Eintritt zu zahlen. Ja, Mundpropaganda kann auch dazu führen, dass mehr Besucher von dem Museum und dem, was sie erlebt haben, erzählen und dadurch weitere animieren, auch ins Haus zu kommen. Und die werden ja dann nicht gleich alle an diesem einen Sonntag im Monat zu uns kommen.

Quelle: RP
 
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