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Kreis Kleve
Kreistag regelt Airport-Finanzierung neu

Kreis Kleve: Kreistag regelt Airport-Finanzierung neu
Ulrich Francken, Herman Buurman, Ludger van Bebber, Monique van Daalen, Freddy Heinzel und Wolfgang Spreen (v.l.). FOTO: Seybert
Kreis Kleve. Im nicht-öffentlichen Teil der nächsten Sitzung des Kreistags geht es um einen ersten Beschluss zur weiteren Unterstützung des Weezer Flughafens durch den Kreis. Kein neuer Kredit, keine weiteren Anteile erwünscht. Von Anja Settnik

Knapp ein Jahr vor Auslaufen des Kreditvertrags zwischen dem Kreis Kleve und der Flughafen Niederrhein GmbH hat der Kreistag das Thema, wie es nach 2016 mit dem Airport Weeze weitergehen soll, auf der Tagesordnung. In nicht-öffentlicher Sitzung soll am Donnerstag, wie aus der Politik zu erfahren ist, beschlossen werden, "ergebnisoffen" alle Möglichkeiten der Anschlussfinanzierung zu prüfen. Klar scheint, dass es keinen neuen Kredit, keine Erhöhung der Darlehen und keine Umwandlung in weitere Anteile geben soll. Darauf hatten sich CDU und FDP bereits im Wahlkampf geeinigt. Es könnte auf eine stille Beteiligung hinauslaufen - dabei wird der Gesellschafter als Gegenleistung für seine Einlage am Gewinn des Unternehmens beteiligt. Die SPD-Fraktion setzt demVernehmen nach zudem darauf, dass es einen kontinuierlichen Kapitalrückfluss an den Kreis geben muss. Und fände es gut, wenn schon vor Ablauf des kommenden Jahres beschlossen würde, wie künftig mit dem Flughafen umgegangen wird.

Geschäftsführer Ludger van Bebber wirkt, wenn er auf das Thema angesprochen wird, entspannt. Er verweist darauf, dass der Kreis eine "herausragende Interessenslage" am Airport habe und die Ziele, die man mit dem wichtigen Konversionsprojekt verfolgt habe, umgesetzt seien (vor allem rund 1000 Arbeitsplätze). Insbesondere habe der private Investor Herman Buurman deutlich mehr Mittel eingebracht, als verabredet gewesen seien, so dass der Flughafen bis heute ganz überwiegend privat finanziert sei. In diesem Jahr schreibt der Niederrhein-Airport, der seine Zusammenarbeit mit Ryanair neu geregelt hat, schwarze Zahlen - und wird Ende 2015 etwa fünf Prozent mehr Passagiere befördert haben als im Vorjahr. "Klar, zehn Prozent wären besser, aber auch fünf Prozent plus sind eine grundsolide Wachstumsentwicklung", sagt van Bebber. Im Sommerflugplan werden, wie berichtet, ebenso wie im Vorjahr 42 Ziele angeflogen, drei werden ausgetauscht - Malta, Comiso auf Sizilien und Rhodos sind neu.

Kritiker verweisen häufig auf die Abhängigkeit des Airport Weeze von Ryanair. Doch ein Blick nach Münster-Osnabrück, von wo sich die irische Airline gerade verabschiedet hat, zeigt, dass die Streuung auch keine Erfolgsgarantie bedeutet: Trotz Charterverkehrs und innerdeutscher Verbindungen fliegen von dort nur halb so viel Menschen wie ab Weeze. "Es ist ein Konzept, das alle gerne hätten, das aber nicht funktioniert", stellt van Bebber lakonisch fest. Münster-Osnabrück fahre in diesem Jahr rund zwölf Millionen Euro Verlust ein. Da setzt Weeze doch lieber auf Ryaniar, die Airline, die Weeze, was die Passagierzahlen angeht, eine sehr schnelle Entwicklung beschert hat.

Neben dem reinen Fluggeschäft sind es Veräußerungen (etwa der Verkauf der Solaranlage-Fläche an den Kreis) und Vermietungen, die dem Airport Geld bringen. Ein riesiges Trainingszentrum, Unterbringung von Zeitarbeitern und Flüchtlingen, Ansiedlung von diversen Firmen - all das sind durchaus Bestandteile eines Euregionalen Zentrums, argumentiert van Bebber, wenn Skeptiker das Fehlen von logistischen Großunternehmen auf dem Gelände anmahnen. Ohne 24-Stunden-Betrieb, den zu genehmigen das Land von Beginn an ausschloss, gibt es keinen Frachtverkehr und damit auch keine dazu passenden Ansiedlungen. Übrigens würden solche Unternehmen auch einen besseren Autobahnanschluss erwarten, den van Bebber auf lange Sicht nicht sieht.

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Niederländisch-Deutschen Businessclubs Kleve hat die Botschafterin der Niederlande in Berlin, Monique van Daalen, in diesen Tagen den Airport besucht. In Begleitung von Honorarkonsul Freddy Heinzel, Investor Buurman, Landrat Wolfgang Spreen und Weezes Bürgermeister Ulrich Francken ließ sich van Daalen umfassend informieren. Insbesondere die grenzüberschreitende Bedeutung des Airport (40 Prozent Fluggäste aus dem Nachbarland) interessierte sie.

Quelle: RP
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