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Kleve
"Krieg ist auch Teil unserer Gegenwart"

Kleve: "Krieg ist auch Teil unserer Gegenwart"
Eines der Ergebnisse der Projekttage: Mit einer Hängecollage, bestehend aus Fotos und Totenzetteln erinnern die Schüler an die gefallenen Soldaten in der langen Schlacht der "Operation Veritable". FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Schüler der Karl Kisters Realschule und der Partnerschule Elzendaalcollege in Boxmeer haben sich gemeinsam mit Themen rund um den Zweiten Weltkrieg beschäftigt. Ergebnis: eine Aufarbeitung aus verschiedenen Perspektiven. Von Marcel Romahn

Verzweiflung, Tod, Trauer und ein gewaltiges Ausmaß an Zerstörung - Assoziationen, die sowohl Zeitzeugen, als auch Nachkriegsgenerationen zum Thema Zweiter Weltkrieg unweigerlich in den Sinn kommen. Doch welche Eindrücke gewinnen Jugendliche heute aus der düsteren Vergangenheit? Welche Schlüsse können sie aus der Erinnerung ziehen?

Und wie kann man das Geschehene vor dem Vergessen bewahren? Antworten haben 120 Neuntklässler der Karl Kisters Realschule gefunden. In Zusammenarbeit mit gleichaltrigen Schülern ihrer Partnerschule Elzendaalcollege in Boxmeer haben sie sich diesem schwierigen Thema auf verschiedenen Wegen genähert - durch Interviews mit Zeitzeugen, Besuche auf Kriegsschauplätzen und Friedhöfen, intensive Recherche, sogar mit Musik und Theater.

Das Geschichtsprojekt wurde für dieses Schuljahr nicht zufällig ausgewählt. Vor 70 Jahren wurde die Region rund um Kleve und den Reichswald zum Schlachtfeld. Hier eröffneten die Alliierten die letzte Phase des Krieges mit der "Operation Veritable". Bei erbitterten Kämpfen der deutschen Wehrmacht mit kanadischen und britischen Streitkräften fielen innerhalb von zwei Wochen schätzungsweise rund 10.000 Soldaten.

Auch in der Zivilbevölkerung mussten viele ihr Leben lassen. "Diese furchtbaren Ereignisse haben Generationen geprägt", sagt Christa Dankert vom Vorstand des Volksbundes, Bezirksverband Düsseldorf. "Wir müssen dafür sorgen, dass diese Ereignisse niemals in Vergessenheit geraten." Daher befassten sich die Schüler so intensiv wie möglich mit dem Zweiten Weltkrieg, reisten an Schauplätze wie den Soldatenfriedhof in Ysselsteyn, das Gefangenenlager Fort Breendonk oder die Dossin-Kaserne, von wo aus inhaftierte Juden nach Auschwitz deportiert wurden. "Damit wollten wir die Schüler nicht erschrecken, sondern ihnen diese Dinge konkret vor Augen führen", sagt Schulleiter Hubert Wanders. "Jugendliche werden heutzutage allein durch die Nachrichten mit so viel Leid konfrontiert und leben täglich mit diesen schlimmen Dingen." Die Umsetzung dieser Erfahrungen in der Projektarbeit sei eine sehr kreative und verträgliche Methode, um die Erinnerungen aufzuarbeiten.

Neben der Erinnerung an Geschichte stand auch die Verständigung im Vordergrund der Projekttage. So wurde eine Arbeitsgruppe sowohl mit deutschen, als auch mit holländischen Schülern besetzt. Die gemischte Gruppe hat das Kriegsgeschehen aus den Perspektiven beider Nachbarländer in einem Theaterprojekt reflektiert. "Die Schüler sind sich schauspielerisch begegnet", sagt Sjef van der Linden vom Kinder- und Jugendtheater "mini-art".

"Es ging dabei um Konflikte - den Krieg, der im Kleinen anfängt und schließlich eskaliert." Teilnehmer dieser Projektgruppe waren Jean-Pierre und seine holländische Kollegin Yvonne. "Es war sehr interessant, auf diese besondere Weise miteinander zu kommunizieren und so auch andere Schüler kennenzulernen", sagt Jean-Pierre. Yvonne ergänzt: "Wir haben viel über dieses traurige Kapitel der Geschichte gelernt und verstehen jetzt noch besser, wie wichtig das Füreinander in unserer Gesellschaft heute ist."

Auch der verstorbenen Soldaten der "Operation Veritable" wurde mit einem kreativen Projekt gedacht. Nach langer Recherche im Stadtarchiv bastelte die Kunstgruppe Erinnerungskärtchen mit Totenzetteln und Fotos der Gefallenen und machte daraus eine große Hängecollage. Allein die Fülle an Karten und die gewaltigen Maße der Collage zeigen, wie viele Menschen in der Schlacht ihr Leben lassen mussten.

Welchen Schluss ziehen die Schüler nun aus ihren gemeinsamen Projekttagen? Jean Pierre hat sein Fazit längst gefunden: "Was damals passiert ist, war furchtbar. Aber diese Dinge sind nicht in der Vergangenheit geblieben. Krieg ist auch Teil unserer Gegenwart. Wir hätten aus der Vergangenheit lernen sollen."

Quelle: RP
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