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Kalkar
Kriegerdenkmal mit Online-Erläuterungen

Kalkar. Kalkars Kulturausschuss beschäftigte sich mit dem umstrittenen Denkmal im Stadtpark. Zum Hitler-Zitat auf der Rückseite gibt es jetzt Erklärungen auf der städtischen Internetseite. Verweis samt QR-Code für den Park geplant. Von Anja Settnik

Vor einem Jahr schlugen die Wellen hoch: Nachdem ein Historiker festgestellt und publik gemacht hatte, dass die Zeilen auf der Rückseite des Kalkarer Kriegerdenkmals ein nur minimal abgewandeltes Zitat aus Hitlers "Mein Kampf" sind, war die Frage unausweichlich: Was sollte nun aus dem Denkmal werden? Jahrzehntelang haben Angehörige und andere Bürger an dieser Stelle im Stadtpark ihrer Kriegstoten gedacht. Das Monument abzureißen schien Vielen da nicht die geeignete Reaktion. Einfach so stehen lassen und Gefahr laufen, dass Kalkar den Ruf entwickelt, sich an braunen Verweisen nicht zu stören - das ging schon gar nicht. Man einigte sich darauf, Hinweisschilder aufzustellen, die die Situation erläuterten. Da der Stadtpark nun allerdings für Freizeitzwecke umgestaltet wird, in Zukunft mit Hilfe von Mitteln aus dem integrierten Handlungskonzept vielleicht komplett erneuert wird, entschied sich der Kulturausschuss nun zumindest mittelfristig für einen anderen Weg: Erst einmal wird der Text, den Kulturamtschef Harald Münzner zu dem umstrittenen Denkmal formuliert hat, auf der Homepage der Stadt abgedruckt. So kann sich jeder, der sich für die Hintergründe der monumentalen Erinnerungsstätte interessiert, schlau machen. Ein kleiner Hinweis mit einem QR-Code vor Ort soll darauf aufmerksam machen. Wer nur durch den Stadtpark spaziert, dort Boule spielt oder seinen Kindern beim Toben zusieht, muss sich mit dem Thema nicht auseinandersetzen.

Vier Seiten hat Münzner geschrieben, 1000 Wörter, vier bis sieben Minuten Lesezeit benötige man dafür, führte der Leiter des Kulturamts im Ausschuss aus. Er gab allen Mitgliedern des Gremiums ein ausgedrucktes Exemplar des Aufsatzes in die Hand und bat, es durchzulesen. "Sie können es redigieren, Vorschläge machen, alles, was Sie möchten. Dankbar wäre ich aber für Ihre Aussage, ob der Tenor so in Ordnung ist." Natürlich nehmen die Kommunalpolitiker den Text mit in ihre Fraktionen, schon nach dem ersten Überfliegen über die Ausführungen trauten sie sich aber offensichtlich zu, die Erläuterungen freizugeben. Der Text wird kurzfristig auf die Homepage gestellt. Wer ihn anklickt, wird in etwa Folgendes erfahren: Ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges zu errichten beschließt der Stadtrat 1922, 1924 wird der Standort festgelegt.

Tatsächlich erbaut wird es jedoch erst nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Aus einem Wettbewerb gehen Bildhauer Heseding aus Düsseldorf und Architekt Müller aus Homberg 1936 als Sieger hervor. Es wird eine Liste mit den Namen der Gefallenen des Weltkrieges erstellt (auch jüdische Namen sind darunter), die in das Denkmal eingemeißelt werden. Mehr Aufregung entspann sich in jüngster Vergangenheit um den Text auf der Rückseite. Dort steht bis heute: "Mögen Jahrtausende vergehen, man wird nie von Heldentum reden können, ohne des deutschen Soldaten im Weltkrieg zu gedenken. Fast wortgleich hatte Hitler 1926 in seiner antisemitischen Propagandaschrift "Mein Kampf" formuliert. In einer Sonderakte "Kriegerehrenmal 1936" verweist der damalige Bürgermeister Rouenhoff auf diesen "Ausspruch des Führers". Münzner stellt klar: "Das Zitat ist (...) eindeutig und unzweifelhaft zuzuordnen." Wann die Inschrift eingemeißelt wurde, sei nicht bekannt, ein Ratsbeschluss dazu nicht nachzuweisen. Münzner vermutet, dass für die Verwendung des Zitas eine Genehmigung aus Berlin einzuholen war und die Gravur deshalb wohl erst etwas später , vielleicht erst 1938, erfolgte.

Viel später, nämlich erst 1983, ist offenbar auf der Vorderseite des Sockels "1939 - 1945" eingraviert worden, um auch der Gefallenen des Zweiten Weltkriegs zu gedenken. Warum dies erst so spät geschah, habe Archivarin Anna Gamerschlag trotz intensiven Aktenstudiums nicht herausbekommen. In den 1960-er Jahren gab es die Überlegung, der Kriegstoten 1939/1945 mit vier Steintafeln, die ihre Namen tragen sollten, zu gedenken. Doch dazu kam es aus unbekanntem Grund nicht.

Weil Bürgermeisterin Dr. Britta Schulz es ablehnt, Gedenkfeiern an der umstrittenen Skulptur abzuhalten, wird der Kalkarer Opfer von Krieg und Gewalt seit 1915 auf dem Soldatenfriedhof des Städtischen Friedhofs gedacht.

Quelle: RP
 
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