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Kleve
Kritik am Public-Viewing im Forstgarten

Kleve: Kritik am Public-Viewing im Forstgarten
Tulpen vor der Konzertmuschel. Da, wo sonst Schumann und Chopin erklingen, sollen in wenigen Wochen die Deutschland-Spiele der Fußball-EM in Frankreich gezeigt werden. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Die von Soundbox Music & Entertainment geplanten EM-Fußball-Übertragungen sind in der Klever Politik umstritten: Es gebe bessere Plätze in der Stadt, als das Denkmal Forstgarten. Stadt wartet auf Entscheidung des LVR-Denkmalamtes. Von Matthias Grass

Der Ort ist sensibel. Ein Denkmal. Rund um die erst vor wenigen Jahren teuer neu errichtete und deutlich vergrößerte Konzertmuschel für die Klever Sommerkonzerte liegt der 1782 vom klevischen Kammerpräsidenten Julius Ernst von Buggenhagen angelegte Park. Buggenhagen pflanzte hier nach Art eines botanischen Gartens 150 fremdländische Gehölze. Im Sommer klingen Chopin und Schumann durch den Park, manchmal Rock oder bei der VHS-Sommernacht auch die so genannte Weltmusik. Jetzt soll der Torjubel zwischen alten Bäumen emporsteigen und Deutschland bei der Fußball-Europameisterschaft gefeiert werden. Das planen jedenfalls Tim Verfondern und seine Soundbox Music & Entertainment GmbH.

Doch mit dem ausgewählten Platz können sich große Teile der Klever Politik nicht anfreunden: Public Viewing gerne, aber nicht im Forstgarten, sagt Wolfgang Gebing, Fraktionschef der Klever Christdemokraten. Für die CDU-Fraktion stehe fest, dass die historischen Gärten für ein Event wie Public Viewing nicht geeignet seien. Man habe Angst, dass der Park Schaden nehme. "Es gibt geeignetere Plätze in Kleve. Vor allem auch solche, die näher an der Klever Gastronomie liegen", sagt Gebing.

SPD-Fraktionschefin Petra Tekath sieht's ähnlich wie ihr Gegenüber von den Christdemokraten: "Das ist für mich ein wunderbarer Ort, aber der ist aus meiner Sicht nicht für dieses Event geeignet. Es gibt auch andere schöne Plätze in der Stadt", sagt Tekath. Aber das sei erst einmal nur die Meinung der Fraktionsvorsitzenden: "Wir werden das noch diskutieren", sagt sie. Damit steht sie in ihrer Fraktion nicht alleine: Josef Gietemann findet Public Viewing grundsätzlich gut, aber den ausgewählten Platz für unglücklich. Auch sehe er hier nicht die Möglichkeit, dass die Fans nach einem gewonnenen Spiel in der Stadt noch ein Bier trinken können. "Das ist viel zu weit weg", sagt der Sozialdemokrat.

Josef Merges, Fraktionschef der Offenen Klever sehe kein Problem, wenn das Ganze am ehemaligen Schützenhaus stattfinde, aber direkt vor der Bühne der Konzertmuschel - da habe er doch große Bedenken. Dieser Raum habe nicht die Kapazität für so viele Besucher und sei ein schützenswerter Raum.

Michael Bay, Sprecher der Grünen-Fraktion, sieht die Diskussion gelassen: Man solle abwarten, wie der Landschaftsverband Rheinland als zuständige Denkmal-Behörde entscheide. Natürlich müsste der Park nach dem Public Viewing aussehen, wie vor dem Public Viewing. "Wir haben da kein Problem mit einem Public Viewing im Forstgarten. Klar ist natürlich, dass dort keine Schäden entstehen dürfen", sagt FDP-Chef Daniel Rütter. Aber er gehe davon aus, dass dort das Gucken der Spiele gesittet abläuft - wie in den vergangenen Jahren auf anderen Plätzen. Auch Dietmar Cornelissen, Leiter des Klever Tierparks, hat keine Probleme mit einem Public Viewing vor der Konzertmuschel. "Das ist weit genug von unseren Tieren weg", sagt er.

Tim Verfondern hofft auf grünes Licht: Die zuständigen Behörden hätten keine Bedenken, man warte nur noch auf den Bescheid des LVR-Denkmalamtes. Die Verwaltung wolle die Politik über die Details informieren, sagt Verfondern. Der Bereich vor der Konzertmuschel werde nur für die Deutschland-Spiele gesperrt. Mit jenen mannshohen variablen Bauzäunen, die dann mit Plastikfolien bespannt sein werden. Nach den Spielen werden die Zäune abgebaut. "Wir werden den Forstgarten also nicht blockieren", sagt er. Wichtig für Verfondern: "Wir brauchen das ,Dach' am Forstgarten. Ohne Überdachung ist mir das Risiko zu groß", sagt er. Um andere Plätze witterungssicher zu bekommen, brauche er eine längere Planungsphase. Verfondern kann sich nämlich vorstellen, in zwei Jahren zur Fußball-Weltmeisterschaft auch ein Public Viewing auf der Wiese am alten Schützenhaus zu organisieren. Den Platz gegenüber dem Bahnhof, wo die Veranstaltungen im vergangenen Jahr über die Bühne gingen, werde er auf keinen Fall bespielen: "Der hat keinen Charme, wirkt eher wie ein Abstellgleis". Die Lizenzen für die Übertragung will er beantragen, wenn es endgültig grünes Licht von der Stadt gibt.

Bei der Stadt Kleve will man auf den Ausgang der Prüfung durch das Denkmalamt warten. Bis jetzt liegt keine Erlaubnis vor, sagt Jörg Boltersdorf, Sprecher der Stadt Kleve.

Quelle: RP
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