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Kreis Kleve
Lars: Vom Förderschüler zum geehrten Gesellen

Kreis Kleve. Metzgermeister Christian Stiller schüttelt noch den Kopf, wenn er sich daran erinnert: Von der Arbeitsagentur war sein heutiger Geselle Lars Agorski als "nicht ausbildungsfähig" eingestuft worden; dem Abschluss eines Ausbildungsvertrags wollte die Agentur nicht zustimmen. Der Kalkarer Ausbilder kämpfte für seinen Azubi und setzte durch, dass der Förderschüler eine ganz normale Lehre beginnen konnte. Das Ergebnis: Gestern wurde der 19-jährige Lars von Vertretern der Handwerkskammer Düsseldorf zum Lehrling des Monats Oktober ernannt. Die schicke Uhr, die er neben der Urkunde bekam, soll ihm zeigen, "wann es Zeit ist, sich an der Meisterschule anzumelden", scherzte Kreishandwerksmeister Ralf Matenaer. Von Anja Settnik

Das Handwerk hat in einigen Bereichen Akzeptanzprobleme. Insbesondere im Baunebengewerbe, aber auch in der Gastronomie und im Fleischerhandwerk sind Lehrlinge rar. Grund also, intensiv zu werben und auch solche Jugendliche in den Blick zu nehmen, an die Betriebsinhaber früher eher nicht dachten. Lars Agorski etwa hat eine erhebliche Lese-Rechtschreibschwäche, besuchte deshalb die Förderschule in Rees. "Ich hab' ein Praktikum in der Küche gemacht, das mir schon gefiel und dann eines in der Metzgerei Stiller", berichtet der Kalkarer. Am verkaufsoffenen Sonntag habe er mit solcher Ruhe, Umsicht und Freundlichkeit hunderte Würstchen verkauft, dass sein späterer Chef überzeugt war: "Aus dem Jungen mach' ich was."

Der Junge hat dabei ordentlich mitgeholfen. "Ich habe für die Theorie an der Berufsschule sicher mehr gelernt als andere", sagt er. Aber die Mühe des Einstiegsjahres und der beiden folgenden Ausbildungsjahre hat sich gelohnt: Jetzt stehen dem jungen Mann viele Wege offen. Im Betrieb auf der Monrestraße hat er das Fleischerhandwerk umfassend gelernt. Dort werden noch selbst Schweine geschlachtet und zerlegt und zahlreiche Wurst- und Schinkensorten hergestellt.

Gerd Peters als Vizepräsident der Handwerkskammer Düsseldorf lobte nicht nur den tüchtigen Kalkarer Azubi, sondern auch die Kreishandwerkerschaft Kleve, vertreten durch Achim Zirwes, für ihre hervorragende Nachwuchsarbeit. Peters wünschte sich, mancher, der mehr aus Verlegenheit eine akademische Laufbahn einschlage, würde sich stattdessen für die Chancen im Handwerk interessieren.

Quelle: RP
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