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Kleve
Lidl-Mord-Angeklagte stellten sich

Chronik des Lidl-Mord-Prozesses
Chronik des Lidl-Mord-Prozesses
Kleve. Polizist schildert Richter, wie die mutmaßlichen Täter gefasst werden konnten. Von Marc Cattelaens

Im Prozess gegen zwei 32 und 23 Jahre alte Brüder aus Bedburg-Hau, denen vorgeworfen wird, im März 2014 im Lidl-Markt an der Materborner Allee einen 43-Jährigen mit 44 Messerstichen getötet zu haben, wurden gestern Zeugen vernommen.

Ein Polizeikommissar schilderte, wie einige Zeit nach der Tat auf der Wache in Wesel ein Notruf einging. Am Telefon war einer der mutmaßlichen Täter. Eine Aufzeichnung dieses Gesprächs wurde gestern während des Prozesses abgespielt. Darauf war zu hören, wie der Anrufer den Polizisten bittet, ihm zu sagen, wo sich die nächstgelegene Polizeidienstelle befindet, damit die Brüder sich stellen können. "Es ist etwas passiert. Die Polizei sucht uns, wir möchten festgenommen werden", sagte der Anrufer, während er und sein Bruder mit einem Auto über die A 57 in Richtung Köln fuhren. Auf einem Parkplatz bei Rheinberg erfolgte dann die Festnahme. Eine Polizistin berichtete der Kammer, wie sie auf dem Parkplatz die mutmaßlichen Täter mit vorgehaltener Waffe aufforderte, auf die Knie zu gehen. Beide ließen sich widerstandslos festnehmen. "Der jüngere der Beiden hatte Blutspuren an seiner Kleidung und an einer Hand", sagte die Polizistin. Im Kofferraum des Wagens fanden die Beamten ein blutverschmiertes Messer.

Eine weitere Polizisten berichtete von der Vernehmung einer Frau, die mit ihren Einkäufen an einer Kasse des Lidl-Markts in Materborn stand, während sich die Tat ereignete. Der Kundin sei es so vorgekommen, dass die Täter auf ihr Opfer ge wartet, ihm aufgelauert hätten, habe die Frau in ihrer Vernehmung gesagt, so die Polizistin. "Der Zeugin kam das wie eine Hinrichtung vor", sagte die Polizistin.

Mann stirbt bei Messerstecherei in Kleve FOTO: Stade, Klaus-Dieter

Genau das hatten die Angeklagten bislang immer bestritten. Der ältere der beiden Angeklagten hatte seinen Verteidiger an einem früheren Prozesstag eine Erklärung verlesen lassen. Darin hieß es, dass ein Streit im Lidl-Markt, dessen Ausgang er nicht beabsichtigt habe, plötzlich eskaliert sei. Er habe sich vom späteren Opfer bedroht gefühlt, angenommen, dass der 43-Jährige ein Messer ziehen wollte. Dann habe er wohl selbst zugestochen, so der 32-Jährige.

Der Prozess wird am kommenden Donnerstag mit der Vernehmung von 17 Zeugen fortgesetzt.

Quelle: RP
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