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Bedburg-Hau-Moyland
Märchen in Moyland

Bedburg-Hau-Moyland: Märchen in Moyland
Wenn Großmutter erzählt - ein Blatt von Fritz Lang aus dem Jahr 1909. FOTO: Gottfried Evers
Bedburg-Hau-Moyland. Museum Schloss Moyland lädt in die Welt der Märchen ein: vom Jugendstil bis hin in die Moderne mit den Hexen des David Hockney. Von Matthias Grass

Erst die Brüder Grimm begannen, systematisch Märchen zu sammeln und aufzuschreiben. Vorher wurden sie mündlich überliefert - von Generation zu Generation. Später wurden sie aus dem Buch der Brüder vorgelesen. Immer steht das inständige Zuhören im Mittelpunkt, wenn Großmutter von Sagengestalten, Drachen und Hexen erzählt, gibt's jenen Schauer, wenn Kinder im Wald ausgesetzt werden oder jemand auszieht, das Fürchten zu lernen. Hexen und Drachen, Sagengestalten und liebliche Prinzessinnen sind auch der Stoff, aus dem die Geschichten auf den Bildern der neuen "Kunst.Bewegt"-Präsentation in Museum Schloss Moyland sind. Neben Beuys (wir berichteten) vor allem jene aus Jugendstil und Moderne.

Wie die Großmutter, die die Kinder mit ihren Geschichten in ihren Bann zieht und der Fritz Lang 1909 mit seiner Lithographie ein kleines Denkmal gesetzt hat. Lang schuf ein romantisches Blatt, setzte Großmutter vor eine dicke knorrige Eiche, die linke Hand erhoben fordert sie Konzentration auf das Erzählte ein. Und so sind sie alle da, die Jungen und Mädchen. Und sogar der weiße Spitz passt auf und hört zu, ein Vögelein auf der groben Steinmauer, die diesen Garten umgrenz, scheint ebenfalls der Großmutter zu lauschen. Langs Lithographie ist die romantische Illustration zu einem Lesebuch mitsamt der Heimattümelei der Jahrhundertwende: die knorrige Eiche, der stramm stehende Junge mit Helm auf dem Kopf, die von der Mauer geschützte Idylle. 1909 war Lang wieder in Stuttgart, wo er 1877 geboren wurde, und konnte Arbeiten an das British Museum London, das Königliche Kupferstichkabinett Stuttgart und die K. und K. Hofbibliothek Wien verkaufen - wobei die Briten dem Holzschneider und Maler treu blieben - das Victoria und Albert Museum London, das Kupferstichkabinett des British Museum London und die Whitworth Institute Art Galleries Manchester kauften seine Werke. Die Sammlung Museum Schloss Moyland hat eine ganze Reihe von Langs Drucken, die Kuratorin Dr. Barbara Strieder in der neuen Kunst-Bewegt-Inszenierung der Sammlung mit anderen Blättern (darunter natürlich auch ein Dornröschen) zu einem Märchen-Raum gefügt hat. So wie das kleine Blättchen von der schönen Braut, die sich an den Schlangen-Prinzen vermählte. Heinrich Vogeler setzte das eine Elster fütternde Mädchen im mittelalterlichen Gewand ins Gras, legte ihr die Schlange mit gekröntem Haupt zu Füßen und stellte stramme Ritter hinter die Braut, die über die junge Frau wachen. Das 19 mal zwölf Zentimeter große Blatt zählt aus Vogelers Frühwerk in Worpswede zu den Hauptwerken deutscher Jugendstil-Grafik. Klein aber fein, wie die meisten Blätter in diesem Raum.

Ganz anders David Hockneys Auseinandersetzung mit sechs verschiedenen Märchen der Gebrüder Grimm. Der durch seine Pop-Art- Bilder bekannte Maler Hockney war von Grimms Märchen fasziniert. Er wählte für seinen Zyklus "Six Fairy Tales from the Brothers Grimm" die Märchen "Rumpelstilzchen", "Rapunzel", "Fundevogel", "Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen", "Das Meerhäschen" und "Oll Rink Rank" aus. Daraus entstand eine Mappe mit 39 Arbeiten. Es wurde ein bedeutendes Mappenwerk (nicht nur von Moyland, sondern auch vom Land Hessen angekauft), das jetzt in seiner Gesamtheit in den Räumen des Schlosses gezeigt wird. Darauf die schöne Rapunzel im dünnen Strich ebenso wie die hässliche Hexe. Eine Bereicherung auch das kleine Taschen-Büchlein mit dem kompletten Zyklus, das Moyland für die Ausstellung ebenfalls erwerben konnte. Dr. Alexander Grönert lässt damit auf die Pop-Bilder Horst Keinings ruhige Grafik eines Pop-Künstlers folgen.

Quelle: RP
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