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Kleve
Magische Musik für den Niederrhein

Kleve: Magische Musik für den Niederrhein
FOTO: Picasa
Kleve. Mit 60 Konzerten in 23 Städten am Niederrhein und den benachbarten Niederlanden startet die fünfte "Muziekbiennale Niederrhein". Das Eröffnungskonzert mit dem WDR-Funkhausorchester ist am 3. September in der Klever Stadthalle.

Der Auftakt wird magisch: Musik, die verzaubert, trifft auf einen Magier. Wer verschwindet? Die erste Geige oder die Tuba, vielleicht ein Zuschauer oder gar Chefdirigent Wayne Marshall? Wenn die Geigenbögen in Bachs "Air" schweben, die Noten in Fallas "Feuertanz" brennen oder Mozarts Zauberflöte zaubern sollten, ist der Kölner Magier Sascha Simon am Werke, den das WDR-Funkhausorchester im "Schlepptau" hat, wenn es mit all seinen 52 Musikern und 162 Instrumenten zum Auftakt der "Muziekbiennale Niederrhein" in Kleve am 3. September, 19.30 Uhr, gastiert. Dann wird mit Werken von Mozart, Gershwin, de Falla, Bizet und Rossini die fünfte "Muziekbiennale Niederrhein" eröffnet.

Gezaubert haben auch wieder die Organisatoren der Biennale: 60 Konzerte in fast 30 Orten diesseits und jenseits der deutsch-niederländischen Grenze haben sie auf die Beine gestellt. Die Muziekbiennale unterstützt mit 150.000 Euro das reiche Konzertleben in den Kreisen Kleve, Wesel, Viersen, Neuss und den Großstädten Duisburg, Düsseldorf und Mönchengladbach, in den niederländischen Provinzen Gelderland und Limburg. Die 150.000 Euro sind rund ein Drittel der Kosten, die jeweiligen Veranstalter vor Ort schießen nochmals rund 300.000 Euro hinzu, erläutert Dr. Ingrid Mysterek-Plagge vom Kulturraum Niederrhein die Finanzierung der 60 musikalischen Höhepunkte, die übers Land zwischen Rhein und Maas verteilt sind.

Denn die Muziekbiennale wurde vor zehn Jahren bewusst nicht als einzelnes Großevent aufgestellt, das die ambitionierten Konzertreihen in den Kommunen bedrängen würde. Im Gegenteil: Viele der ausgezeichneten Konzerte stützen die Mühen der Region um das gute Musikangebot. Alle zwei Jahre arbeitet man an einem Programm, das unter ein bestimmtes Thema gestellt wird und in dem sich sowohl die über den Niederrhein verstreute freie Musikszene als auch die kommunalen Konzertreihen wiederfinden. Man geht in die Breite, in die Vielfalt. In diesem Jahr heißt das Thema "Morgen", die Schirmherrschaft hat Bundesumwelt- und Bauministerin Dr. Barbara Hendricks, die am Niederrhein verwurzelt ist, übernommen. Das Projekt "Muziekbiennale Niederrhein" sei ein ehrgeiziges großflächiges Vorhaben, das ohne die vielen Unterstützer vom Land NRW, den niederländischen Provinzen und den Kulturstiftungen nicht denkbar wäre.

Tatsächlich decken die Konzerte eine große Region von Doesburg (NL) im Norden und Neuss im Süden, von Venray (NL) im Westen bis Wesel im Osten ab. Es werden Ensembles an verschiedenen Orten gastieren, es werden Höhepunkte gesetzt wie der Auftakt in Kleve - und zugleich lädt der Kulturraum Niederrhein mit der Muziekbiennale auch zu Touren durch die Region ein. Hinzu kommt ein Projekt mit jungen Bands im Limburger Land bei Sittard und Thorn sowie Hasselt in Belgien.

Spannend werden zwei zwischen Kunst und Musik vermittelnde Aufführungen in Wesel und Kleve zu den dort verankerten Künstlern Pankok und Beuys. Im Weseler Willibrord-Dom spielt am Mittwoch, 19. Oktober, 19.30 Uhr, das Ensemble Sarband die arabische Passion von Bach zu Projektionen eines zentralen Werkes Pankoks, der seine Passion in 60 Kohlezeichnungen anlegte. In Kleve wird Beuys' Verbindung von Ostmensch und Westmensch in Eurasia gezeigt. Eurasia ist eine Filmperformance, die Beuys 1967 zusammen mit dem Fluxus-Komponisten Henning Christiansen inszenierte. "In diesem kreativen Cross Over von Musik und Bildender Kunst lässt der niederländische Organist Johan Luijmes Beuys'schen Zeitgeist inmitten der Ausstellung hör- und spürbar werden", sagt Ingrid Mysterek-Plagge. Eurasia wird gleich am Tag nach der Eröffnung der Biennale am Sonntag 4. September, 11 Uhr, als Matinee zur Finissage der Beuys-Ausstellung "Werklinien" aufgeführt.

Und das "Morgen", das der Biennale den Titel gibt? Die Klever Musikwissenschaftlerin Sigrun Hintzen, die an der Muziekbiennale beteiligt ist, möchte auf das geänderte Publikum reagieren, auf die Seh- und Hörgewohnheiten der Nachwuchsmusiker und vor allem der Nachwuchs-Musikhörer. "Wir haben kein Schubladenpublikum mehr - hier die E-Musik, dort die U-Musik, hier die Jazzer, dort die Rocker. Darauf wollen wir reagieren: Die Konzertbühne ist neu eingerichtet, aber ein paar alte Möbelstücke dürfen bleiben", sagt sie. Künftig würden die Konzerte immer öfter die Grenzen zwischen E- und U-Musik oder Jazz überwinden.

Programm-Magazine liegen in den Kulturbüros der Kommunen aus oder www.muziekbiennale.eu.

VON MATTHIAS GRASS

Quelle: RP
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