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Kranenburg
Milch frisch aus dem Automaten zapfen

Kranenburg. Am Viehzuchtbetrieb der Familie Hendricks auf dem Häfnerdeich kann man die Milch selbst abholen. Von Saskia Nothofer

Ob ein Liter, zwei Liter oder doch nur 400 Milliliter - am Milchautomaten der Familie Hendricks in Kranenburg kann jeder selbst entscheiden, wie viel Milch er abzapfen möchte und ist nicht auf die Verpackung aus dem Supermarkt angewiesen. Seit etwa zwei Wochen ist der Automat in Betrieb und kommt schon jetzt gut an: "Die Leute lieben die Idee", sagt Wilma Hendricks, die den Viehzuchtbetrieb mit ihrem Mann Theo führt. "Vor allem ältere Menschen sagen uns, dass sie den Geschmack der frischen Milch mögen, er sie an vergangene Zeiten erinnert. Es freut uns allerdings auch, dass viele junge Familien mit ihren Kindern Milch zapfen kommen."

Denn die von 150 Kühen produzierte Milch, die in den bisher 100 Liter fassenden Automaten fließt, ist unbehandelt - weder pasteurisiert noch homogenisiert. "Früher hat man die Milch eben so getrunken", sagt die Landwirtin. Sie müsse aber darauf hinweisen, dass es ratsam ist, die am Automaten gezapfte, frische Milch zu erhitzen. "Bei 72 Grad werden die Bakterien abgetötet." Werde die Milch allerdings beispielsweise von Schwangeren oder Babys getrunken, solle man die Milch vor dem Verzehr erst zum Kochen bringen. Anschließend bleibe sie vier bis fünf Tage frisch. "Wenn man die Milch gar nicht erhitzt, hält sie aber nur etwa drei Tage", sagt Hendricks.

Um die Milch abzufüllen, kann man entweder selbst ein Behältnis mitbringen, oder eine Flasche auf dem Hof kaufen. Angeboten werden eine einen Liter fassende Glasflasche für 1,50 Euro sowie eine einen halben Liter fassende Plastikflasche für 50 Cent. Wie viel Milch man schließlich abzapft, ist jedem selbst überlassen. Ist das Geld eingeworden, macht ein simpler Start-/Stoppknopf die Bedienung des Automaten leicht. Pro Liter kostet die frische Milch einen Euro. Neben Kleingeld nimmt der Automat auch Fünf- und Zehn-Euro-Scheine an und gibt Wechselgeld. "Dafür muss man einfach auf 'Change' drücken", erklärt die Landwirtin.

Die Familie Hendricks, die den Viehzuchtbetrieb ab kommendem Sommer mit dem Abschluss von Sohn Andreas schon in dritter Generation führt, hat zwei Gründe für das Aufstellen des rund 10.000 Euro teuren Automaten. Einer davon ist der derzeit sehr schlechte Milchpreis. Pro Liter liegt dieser bei nur rund 26 bis 27 Cent. "Mit dem Automaten verdienen wir also schon etwas mehr. Aber natürlich stecken wir auch viel Arbeit und Zeit in das Projekt", sagt die Landwirtin.

Außerdem will die Familie Hendricks den schlechten Ruf der Landwirtschaft retten. "Wir sind mehr als Güllesünder und Massentierhaltung gibt es bei uns auch nicht", verteidigt sich Hendricks. "Familienbetriebe machen auch gute Sachen".

Der Automat ist in einem kleinen Holzhaus untergebracht und ist an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden lang geöffnet. Davor, dass der Milchautomat von Dieben geknackt werden könnte, wie erst kürzlich in den Kreisen Wesel und Coesfeld, hat Wilma Hendricks großen Respekt. "Der Automat steht aber nah an unseren Häusern. Ich hoffe, das schreckt potenzielle Diebe ab." Die Familie überlege, eine Kamera in dem Häuschen zu installieren.

Quelle: RP
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