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Kalkar
Mini-Museum erinnert an Schifferstadt

Kalkar: Mini-Museum erinnert an Schifferstadt
Willi Lümmen kümmert sich seit Jahren intensiv um das Griether Heimatmuseum. FOTO: Gottfried Evers
Kalkar. Serie Kleine Museen: Mit 800 Einwohnern ist Grieth, das alte Hansestädtchen, eher klein. Sehr klein ist auch das Heimatmuseum, das aber einen Besuch wert ist. Fischfang und Handwerk stehen im Zentrum der Präsentation. Von Anja Settnik

36 Quadratmeter hat ein durchschnittliches Wohnzimmer oder ein großzügiges Hotelzimmer. Dass sich ein Museum mit dieser Fläche begnügt, ist eher ungewöhnlich. Willi Lümmen allerdings ist auf genau diesen Umstand stolz: "Wir haben hier in Grieth das kleinste Museum von Nordrhein-Westfalen", sagt er. Wer durch die Eingangstür tritt, steht schon mitten drin in der Dauerausstellung und hat mit einem Blick eine Vorstellung von dem, was Grieth mal war - und ein bisschen noch immer ist.

Willi Lümmen und seine Frau Irmgard kümmern sich für den Verein der Freunde um das Heimatmuseum am Griether Marktplatz. Am Durchlass Richtung Rhein steht das von außen unscheinbare Häuschen, das Robert Engels gehört, der dem Verein den Raum und ein kleines Lager gegen Übernahme der Energiekosten überlässt. Denn nennenswerte Miete zahlen kann die Gruppe natürlich nicht - von den Besuchern des Museums wird kein Eintritt genommen. "An jedem zweiten und vierten Sonntag im Monat öffnen wir das Haus", erklärt Lümmen. Wenn nicht mal Urlaub oder eine Familienfeier anstehen, steht das Ehepaar parat. "Und wenn sich Gruppen anmelden auch", ergänzt der "Museumsleiter".

Typische Heimarbeit für die Dorfbewohner, die gerade im Winter kaum anders Geld verdienen konnten: das Schusterhandwerk. FOTO: Evers, Gottfried (eve)

Natürlich kann er viel erzählen über das, was man auf den 36 Quadratmetern zu sehen bekommt, und auch einiges, wozu es die Erinnerungen echter Griether braucht. So einer ist "natürlich" auch Lümmen, der als Junge oft in der Schusterwerkstatt von Arnold Rüttermann hockte. Auch an ihn und seinen Berufsstand wird in einem Eckchen des Museums erinnert.

Schwerpunkt ist aber ein anderer - naheliegend für einen Ort, der direkt am Rhein liegt. Grieth widmete sich jahrhundertelang dem Fischfang und nennt sich nicht zufällig bis heute gerne "Schifferstädtchen". Utensilien, die bis in die 80-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts in vielen Familien zum Geldverdienen nötig waren, sind ausgestellt: Netze und Reusen, Knüpfwerkzeuge, Angeln und Aalstecher, Weidenschäler zum Vorbereiten des Riets, aus dem Transportkörbe geflochten wurden, ein Segel eines Aalschockers. Eine "Treidelecke" erinnert daran, wie Pferde oder auch Menschen Schiffe von einem Pfad aus stromaufwärts zogen.

Die alte Fahne des Schiffervereins wird ebenso präsentiert wie ein Spitzenmantel, den respektable Damen einstmals trugen. In einer Vitrine lagern Mammutzähne und ein Rückenwirbel eines Wals, die im Griether Baggersee gefunden wurden. Präparate von kapitalen Hechten und Barschen erstaunen den Laien: Ganz schön mächtig können Flussfische sein!

Fotos vom letzten Eisgang 1963 sind zu sehen, von Bruderschaften, dörflichen Festen, von Molkerei und Landwirtschaft, von vielen urigen Typen, die "alte Griether" noch mit Namen kennen. Auf der "Lügenbank" am Durchlass saßen früher stets ehemalige Fischer, "die bei jeder Erzählung die Fische wachsen ließen", wie Anita van Elsbergen, die das Museum 1990 einrichtete, damals schrieb.

"Piep en Vatellekes" waren damals wichtig, weiß auch der heutige Museumsbetreuer, der sich darüber freut, dass ab und an einige Stücke vom Seniorenheim gegenüber (dem früheren Krankenhaus St. Marien) ausgeliehen werden. Das komme bei den Senioern immer sehr gut an, höre er. "Dort leben ja vorwiegend alte Griether, die mit Hilfe dieser Erinnerungsstücke ihr Gedächtnis trainieren."

Wer für Informationen oder eine Terminabsprache Kontakt zum Ehepaar Lümmen aufnehmen möchte, kann sich unter Telefon 02824 7126 melden.

Quelle: RP
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