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Kreis Kleve
Mit flexiblen Mitarbeitern in die Zukunft

Kreis Kleve: Mit flexiblen Mitarbeitern in die Zukunft
Karl Döring, Andreas Becker, Rainer Borsch und Helmut van Kempen (von links) in Kleve. FOTO: Markus van Offern
Kreis Kleve. RP-Serie 50 Jahre Caritas: Die Vorstände der Verbände aus Kleve und Geldern machen sich intensiv Gedanken um die Zukunft. Denn die Anforderungen an die Sozialverbände steigen ständig. Auch Digitalisierung ist ein Thema. Von Anja Settnik

Obwohl die Caritasverbände in Kleve und Geldern rechtlich selbstständig sind, so engagieren sich doch beide Wohlfahrtsverbände in vergleichbaren Aufgabenfeldern für die Menschen im Kreis Kleve. Daher sind auch die zukünftigen Herausforderungen für beide Verbände die selben, und so setzten sich die Vorstände zum Abschluss der Serie mit der Rheinischen Post gemeinsam an einen Tisch. Rainer Borsch und Bereichsleiter Helmut van Kempen aus Kleve sowie Andreas Becker und Karl Döring aus Geldern sehen sich mit großen Herausforderungen konfrontiert. Insbesondere im Bereich Personal gibt es für die Caritas-Vorstände viel zu bedenken und zu planen, denn "die Arbeitsfelder werden immer komplexer", wie Rainer Borsch sagt. Der Fachkräftemangel berührt den sozialen Bereich in erheblichem Maße - und ihm muss begegnet werden.

Über 2000 Mitarbeiter beschäftigt die Caritas in beiden Verbänden. Sie sind vorwiegend in der Pflege und in der Erziehung tätig. "Für unsere umfassenden Aufgaben müssen wir den Personalstand halten. Damit dies gelingt, ist es wichtig, mit Vorurteilen aufzuräumen", erklärt Borsch. Die Bezahlung der Mitarbeiter nach dem Caritas-Tarif sei besser als bei vielen Mitbewerbern, außerdem sei das Berufsfeld noch in anderer Hinsicht attraktiv: "Wir müssen vermitteln, dass es sehr befriedigend ist, sich für andere Menschen zu engagieren und sie zu begleiten. Die Beziehungsqualität ist dabei ganz entscheidend. Man bekommt da eine Menge zurück", sagt Andreas Becker. Derzeit sei die Personalsituation noch recht gut, für die Zukunft müsse man aber vorsorgen, betont Becker. Zeitwertkonten, Fort- und Weiterbildung, Traineeprogramme für den Führungskräftenachwuchs - all dies werde erarbeitet. "Wobei ganz wichtig ist zu betonen, dass wir nicht nur studierte Leute brauchen, sondern vor allem solche, die die Arbeit an der Basis leisten", betont der Gelderner Vorstand. Die Caritas setzt auf einen frühen Kontakt zu den Schulen und auf Praktika, damit die Jugendlichen auch ein Interesse für soziale Berufe entwickeln.

Das Leben im Alter und die Schere zwischen Arm und Reich sind weitere Herausforderungen. Karl Döring befürchtet, dass es immer mehr Menschen (keinesfalls nur unter den Flüchtlingen) geben wird, die nicht integriert sein werden, weil sie mit ihren Brüchen im Leben allein stehen. Dies zuzulassen, müsse sich die Politik durchaus vorwerfen lassen. So habe der Kreis Kleve im Bistum Münster die höchste Zahl an Schulabgängern ohne Schulabschluss, gleichzeitig seien von der Bundespolitik die arbeitsmarktpolitischen Qualifizierungsmaßnahmen massiv zurückgefahren worden. Für die Caritas ist es wichtig, dass Männer und Frauen, die es einfach nicht auf den ersten Arbeitsmarkt schaffen, auch vom Staat unterstützt werden müssen - und zwar durch geförderte Arbeitsplätze. "Arbeit und eine geregelte Tagesstruktur sind elementar, um Menschen ihre Würde und die Teilhabe in der Gesellschaft zu sichern. Daher sollten Arbeitgeber darin unterstützt werden, auch weniger qualifizierte Jobs anbieten zu können."

Eine generelle Frage, die alle Sparten der sozialen Arbeit betrifft, wirft Andreas Becker auf: "Unsere Gesellschaft insgesamt und auch wir im Kreis Kleve werden uns fragen müssen, was uns qualifizierte menschliche Zuwendung Wert ist. Dabei geht es um Wertschätzung und um die Rahmenbedingungen, unter denen soziale Arbeit in Zukunft geleistet wird." Das gelte in der Pflege ebenso wie in der Erziehung oder in der Begleitung von Menschen in schwierigen Lebenslagen.

Bei aller Arbeit direkt am Menschen: Auch Digitalisierung ist für die Caritas ein Thema. "Als eine Möglichkeit, niedrigschwellig mit uns Kontakt aufzunehmen, leistet unsere Online-Beratung gute Dienste. Einige Sozialarbeiterinnen halten mit ihren Leuten Kontakt per WhatsApp, lassen sich da zum Beispiel in Kurzform berichten, wie es in der Schule war, oder verabreden Termine", erzählt Helmut van Kempen. Solche Kommunikationswege gehören für viele Menschen zum alltäglichen Leben. Geschickt genutzt können sie in Zukunft einen ganz kurzen Draht zwischen Hilfesuchenden und Helfern darstellen. Auch digitale Kommunikation ist also für die Caritas ein Zukunftsthema. Beratung auf Termin, spontane Nothilfe, offene Sprechstunden - die neuen Kommunikationsformen - kommen hinzu und werden in Zukunft wichtiger.

Quelle: RP
 
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