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Unsere Seelsorger
Mit Gottesvolk stets unterwegs

Unsere Seelsorger: Mit Gottesvolk stets unterwegs
Prof. Dr. Georg Remmel SVD (l) bei der Einführung als Pfarrer in Frasselt durch den damaligen Klever Dechanten Gerhard Hendricks (1937 - 2006) am 30. September 1984. FOTO: RED
Kleve. Georg Remmel wurde in Engelskirchen geboren und 1984 Pfarrer in Frasselt. Im Alter von 51 Jahren starb er plötzlich. Der Hochgelehrte und menschennahe Geistliche hatte sich zunächst vom Glauben abgewandt. Von Hans Rühl

"Wo die Güte und die Liebe, da ist Gott". Wer den Friedhof in Frasselt betritt, findet diesen Spruch gleich vornan am Hauptweg auf einer Steinsäule. Sie gehört zum Grab von P. Prof. Dr. Georg Remmel SVD, dem elften Pastor der von 1834 bis 2005 selbstständigen St.-Antonius-Pfarre Frasselt mit den zugehörigen Ortschaften Schottheide und Grafwegen. Dieses Leitwort prägte sein Leben bereits in bewegten jungen Jahren bei der Frage nach dem Woher und Wohin unseres Seins. Die Suche nach Gott ließ ihn nie los - ganz im Sinne des Augustinus-Wortes: "Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir!"

Georg Remmel, am 4. Januar 1937 in Engelskirchen geboren, verlor als junger Mann seine Mutter, die den Kummer über seinen Austritt aus der Kirche mit ins Grab nahm. Zur Umkehr bewog ihn der gütige (2014 heiliggesprochene) Papst Johannes XXIII. Er schloss sich sogar dem Steyler Missionsorden an und wurde am 18. Mai 1968 durch den Wiener Kardinal Franz König in dessen Privatkapelle zum Priester geweiht.

Pastor Dr. Remmel auf der Höhe zwischen Frasselt und Schottheide bei der Weihe des Bildstocks mit der "Königin des Friedens" am 5. August 1985. FOTO: privat

Weitere Studien folgten in Wien, Lowen und Nimwegen. Zugleich übernahm er für ein Jahrzehnt die Seelsorge in Uedemerbruch, um dann als Rektor der Krankenhauskapelle Kranenburg wie danach als Pastor in Frasselt seiner Lehrtätigkeit an der Universität Nimwegen (ab 1978) näher zu sein.

Am 30. September 1984 führte der Klever Dechant Gerhard Hendricks ihn als Pfarrer an St. Antonius ein. Sein Ruf als exzellenter Prediger zog Gottesdienstbesucher aus einem weiten Umkreis an. Er hatte was zu sagen. Offen nannte er seine Erwartungen an Gemeinde wie "Amtskirche". Christ sei man nicht für sich allein. Auch der Laie trage in der mündigen Gemeinde eine Mitverantwortung, bloße Kritik sei zu wenig. Der Priester brauche das Gottesvolk. Das besondere Priestertum als "Salz der Erde" laufe sonst Gefahr, die Erde zu versalzen.

Einmal lud er zu einem Gesprächsabend über Mitarbeit in der Pfarre ein. Das magere Echo bestürzte ihn sehr. Beim 125. Geburtstag der Kirche bemerkte er: "Wenn nach diesem Fest keiner bereit ist, das Ruderer-Team auf dem Gemeindeschiff zu verstärken, hat die Feier wenig Sinn." Guten Zulauf hatte hingegen sein Bibelkreis, doch war ihm nicht mehr die Zeit vergönnt, die Grenze zwischen Bildersprache und Realität abzustecken. Zur Sonntagsmesse: Wer Gott im Wald sucht, soll sich auch vom Förster beerdigen lassen. Jesus habe sich als guten Hirten betrachtet, in der Kirche spreche man zuweilen von Oberhirten. Manches werde zu zentralistisch geregelt. Allerdings war ihm dieser Stil bisweilen auch nicht fremd.

Sein Blick ging weit über die Pfarrgrenze hinaus. Katholisch war für ihn Weltkirche. Gehör fanden bei ihm Asylanten, damals vor allem Tamilen. Als einer von ihnen tödlich verunglückte, besorgte er diesem ein christliches Begräbnis und lud dessen Landsleute anschließend ins Pfarrheim ein. Er bot sich an, die Nacht bei einem Sterbenskranken zu verbringen. Als ein schon Jahre im Beruf stehender Mann den Ruf zum Priestertum in sich spürte, diskutierte Remmel nächtelang mit ihm und zeigte ihm Wege, um Klarheit zu erlangen. Dessen Weihe sollte er nicht mehr erleben. Dass Atheismus sich ebenso wenig verordnen lasse wie Glaube, das hatte ihm 1986 in Leningrad eine Frau sinnfällig bestätigt: Sie betete vor einem Kreuz, obwohl ein Oberst in der Nähe stand. Remmel, bei der Suche nach Gott zugleich ein kritischer Diener seiner Kirche, schonte sich nicht trotz angeschlagener Gesundheit. Der unerwartete, plötzliche Tod des 51-Jährigen am 20. Juni 1988 erschütterte viele. Von der damaligen Begeisterung ist heute kaum noch etwas zu spüren.

Quelle: RP
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