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Bedburg-Hau-Moyland
Moyland lässt Blumen sprechen

Ausstellungseröffnung "Lasst Blumen Sprechen"
Bedburg-Hau-Moyland. Das Museum bleibt dem Natur-Thema treu: Die neue Sommerausstellung schwelgt mit 75 Werken von 38 Künstlern in der Pracht von Blumen und fragt auch nach der Vergänglichkeit Von Matthias Grass

Rote Rosen leuchten auf dem Rund des Kutschenrondells in der immer wieder zwischen den Wolken durchbrechenden Sonne. 100 dicke volle rote Blüten, dazwischen ein paar schwarze. Groß wie Eimer sind die Blumen, die dort ebenso so schön wie irgendwie falsch auf der Wiese verstreut sind, ohne Stängel, nur die Blüte.

Sie sind einfach da, nur für sich, barock in ihrer Sattheit und für das Hier und Jetzt. Oder wie Silesius (Johannes Scheffler, 1624 - 1677), es so treffend beschreibt: "Die Ros' ist ganz ohn' Warum, sie blühet, weil sie blühet" und es ist ihr egal, ob's jemand sieht. Ottmar Hörl hat die Kunststoffblüten geschaffen und Schüler der Klever Karl-Leisner-Grundschule haben sie auf die Wiese des Kutschenrondells von Museum Schloss Moyland gesetzt - nach dem Zufallsprinzip.

Gerhard Richter: "Blume" aus dem Jahr 1974. Die Moyländer Ausstellung verschafft einen Überblick, wie sich Künstler ab 1960 mit der Natur auseinandersetzen. FOTO: Klaus Stade

Die Rosen stimmen auf die große Sommerausstellung in Moyland ein, die am heutigen Samstag, 23. Juni, 19 Uhr, eröffnet wird. "Lasst Blumen sprechen!" zitiert die Ausstellung in ihrem Titel zugleich Joseph Beuys und einen alten Fleurop-Spruch. Es geht um "Blumen und künstliche Natur seit 1960", wie der Untertitel verrät. Blumen in all ihrer Pracht, in ihrer Vergänglichkeit, in ihrer Farbigkeit, Schönheit, Lieblichkeit, nicht zuletzt in ihrer Künstlichkeit. Oder mit einer Wucht, die man nicht bei einem solchen Thema vermuten würde: Im Video der Schweizer Künstlerin Pipilotta Rist tänzelt lächelnd eine hübsche Maid im luftigen Sommerkleidchen zu süßer Musik mit einem überdimensionalen Blumenstängel durch eine betongraue, mit Fahrzeugen zugeparkte Straße, um brutal mit dem Blumenstängel die Fahrzeuge zu zertrümmern.

"Laßt Blumen sprechen" hatte Beuys 1974 auf eine Postkarte geschrieben und diese zum berühmten Multiple gemacht - das titelgebende Kunstwerk fehlt natürlich nicht in der Ausstellung. Und weil's bei Beuys ohne die Rose nicht geht, begrüßt den Besucher nach der barocken Blütenpracht auf dem Rondell in der großen Ausstellungshalle dessen "Rose für die direkte Demokratie" zusammen mit ein paar wunderbaren Beuys-Blumen-Zeichnungen aus dem Fundus des Museums. Moyland bindet seinen wichtigsten Künstler in Ausstellungen trefflich ein. Zum Thema Blumen versammelt das Museum 75 Arbeiten von 38 Künstlern.

Alexandra Toland installierte eine Versuchsanordnung mit Pflanzen - ein Forschungsbericht aus der künstlerischen Ökologie FOTO: Stade Klaus-Dieter

"Blumen sind ein Urthema der Kunst: Als Erscheinungsform von Schönheit, vielschichtiges Symbol und Sinnbild für Vergänglichkeit. In unserer Sommerausstellung zeigen wird Kunstwerke ab den 1960er Jahren, als die Pop-Art das Thema wieder aufgriff", sagt Museumsdirektorin Bettina Paust.

1960 hatte Warhol die Blume für die Kunst wiederentdeckt, fügt Co-Kurator Jonathan Willing an, der die Ausstellung mit Kurator Alexander Grönert zusammengestellt hat. Die Pop-Art-Ikone steht mit einer Druckserie knatschbunter Blumen am Ausgangspunkt eines Rundgangs durch die blumigen Stillleben moderner Kunst. Da ist der Klassiker "Strauß in der Vase" - A.R. Penck hat ihn mit blauer Vase vor ein Gitterfenster gesetzt. Georg Baselitz Fliederstrauß steht Kopf und die Blume von Alex Katz überraschen mit einem faszinierenden Blau. Gerhard Richters "Blume" aus dem Jahr 1977 leuchtet in weichem Rot, Immendorfs gelbe Blüte ist "Für allen Lieben in der Welt".

Ottmar Hörls Rosen vor Schluss Moyland FOTO: Stade Klaus-Dieter

Überraschend gleich zu Beginn des Rundgangs die großen Leuchtkästen von Hiroyuki Masuyama: Er zaubert eine geradezu plastische Blütenpracht auf wandfüllende Leuchtkästen in komponierte Landschaften. Blume für Blume fotografiert der in Düsseldorf lebende Japaner und setzt sie dann am Bildschirm zu "kunst"-vollen Landschaften zusammen. Landschaften, die es natürlich so nie geben würde: Blüten mit Schnee an den Füßen stehen neben hochsommerlichen Blumen, herbstliches Gras neben frühlingsfrischen Blüten. Aber die Ausstellung schwelgt nicht nur in der Blütenpracht, verweilt nicht allein im ästhetisch Schönen: "Was verstehen wir unter Natur angesichts von Gentechnik und den stetig wachsenden Möglichkeiten, Natur im Labor zu produzieren? Auch die Kunst reflektiert zunehmend Fragen, die aus der Technisierung der Umwelt und dem damit einhergehenden Verlust von Natur resultieren", sagt Paust und schlägt ein weiteres Kapitel der Sommerausstellung ihres Hauses auf, dem ein Flügel im Schloss gehört.

Die Amerikanerin Alexandra Toland, die an der TU Berlin zu Bodenkunde, Umweltplanung und Ökologie forscht, hat für die Ausstellung ein Labor als "Forschungsbericht aus der künstlerischen Ökologie" installiert. Und schuf unter anderem nach alten Vorbildern botanische Zeichnungen. Nur dass ihre Tinte aus Straßenstaub stammt, der sich auf den Blumen längs der Wege gesammelt hat. Im Katalog bindet Moyland auch den Wissenschaftler Prof. Jens Gebauer, Vizepräsident der Hochschule Rhein-Waal, ein. Er erklärt, "wie Blumen zu uns reden", mahnt, wie letztlich die Bilder der Künstler, zum sorgsamen Umgang mit der Natur .

Quelle: RP
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