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Kleve
Mozarts Reqiuem als wahres "Seelenwerk"

Kleve: Mozarts Reqiuem als wahres "Seelenwerk"
Mirjam Hardenberg war die Solistin in der Versöhnungskirche. FOTO: mvo
Kleve. Thomas Tesche mit dem Vokalensemble der Kirchengemeinde Kleve und dem Florilegium Musicum. Von Barbara Mühlenhoff

W. A. Mozarts "Requiem" ist ein wahres "Seelenwerk": Es berührt die Seele des Zuhörers und auch die Ausführenden lassen sich von der tiefen Thematik der Sicht auf den Tod ergreifen. So brachte Thomas Tesche mit dem Vokalensemble der Ev. Kirchengemeinde Kleve, dem Florilegium Musicum (auf Originalinstrumenten musizierend) und den Solisten Mirjam Hardenberg (Sopran), Annedore Tesche (Alt), Nils Giebelhausen (Tenor) und Thomas Peter (Bass) das Requiem in der besonderen Bearbeitung von Franz Beyer - einer überarbeiteten Version der bekannten Süßmayr-Fassung - zu Gehör.

Zur Einleitung des Programms erklang die Motette "Mitten wir im Leben sind" von Felix Mendelssohn Bartholdy. Passend zum Lutherjahr basiert das a-cappella vorgetragene Werk auf einem Text des Reformators, dessen Frage-Antwort-Prinzip der Chor sauber umsetzte. Tesche arbeitete schön die Kontraste zwischen "Mitten in der Höllen Angst" und von der "Höllen Glut" zum Ruhepol des "Heiliger Herre Gott" der dritten Strophe heraus.

Anschließend bot sich den Zuhörern die Gelegenheit, Mozart so "pur" zu hören, wie es die Fassung von Beyer vorsieht: in einer Version, "die den Singstimmen Raum (und) die spezifische Bläserbesetzung wieder leuchten lässt." So war es angekündigt und so wurde es wunderbar umgesetzt, so dass man einen ganzen, reinen Geist Mozarts erspüren konnte. Die Transparenz der Fassung nahm der Intensität nichts weg; vielmehr führte sie zu einer sehr innigen und wohldurchdachten Interpretation ohne Effekthascherei. Was ins Dunkel führte, war durchdringend und tiefgehend, was strahlen sollte, klang erhellt und rein.

Das "Kyrie eleison" mit den rollenden Sechzehnteln gelang den Choristen dabei sauber und genau, im "Rex tremendae" war der König von "erzittern lassender Majestät" absolut hörbar und auch die Solisten formten ihre Partien sowohl solo, als auch gemeinsam für die Ausdeutung des Textes emotional, klar und deutlich; sehr schön z.B. in den zum Höhepunkt skalierten Worte "cremer igne", dem (ewigen) Feuer.

Tesche forderte seine Ausführenden zu gelungen umgesetzten Abfärbungen: Wie im "Confutatis", bei dem die Männerstimmen die verzehrenden Flammen "flammis acribus" zu den Frauenstimmen des "voca me cum benedictis" kontrastierten. Auch der Aufbau des "Sanctus" gelangt mit rhythmischer Spannkraft bis zu einem strahlenden "Osanna in excelsis". In einem großen Bogen wurden die Teile transparent herausgearbeitet; so gestaltete der Kantor eine bei aller Sicht auf den Tod gerichtete tröstliche und wohldurchdachte Aufführung ohne feierliche Überhöhung, sondern innig, mit größtem Respekt vor Thema und Werk. Sensibel und klangschön in den inbrünstigen Teilen, wohl dosiert und intensiv in den effektvollen Momenten. Solisten sowie Chor, gemeinsam mit dem Florilegium Musicum, produzierten einen gut aufeinander abgestimmten, flexiblen Klang mit sichtlicher Freude. Das hervorragende Spiel auf originalen Instrumenten vervollständigte zu einer bemerkenswerten Aufführung, für die es minutenlangen stehenden Applaus gab.

Quelle: RP
 
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