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Kalkar
Mülltonnen verschandeln den Ortskern

Kalkar. Das historische Kalkar ist ein Besuchermagnet und der Stolz seiner Bürger. Doch wer in einem der zahlreichen aneinandergebauten Stadthäuser ohne Vorgarten lebt, hat Schwierigkeiten, seine Abfallgefäße unterzubringen. Von Anja Settnik

Sie sind grau, gelb, grün und braun, oft verkratzt und schmutzig und ganz bestimmt keine Zierde für einen historischen Ortskern. Dass Mülltonnen nötig sind, wird niemand bezweifeln, aber zumindest in der Innenstadt von Kalkar sorgen sie für manchen Verdruss. Denn sie stehen oftmals nicht nur wenige Stunden am Abfuhrtag, sondern dauerhaft an der Straße. Und das sieht schäbig aus.

Vor 13 Jahren hatte die Stadt an einigen besonders problematischen Stellen, insbesondere hinter der Pfarrkirche St. Nicolai, hölzerne Verschläge aufstellen lassen, um die Tonnen hinter ihnen zu "verstecken". Doch inzwischen sind die hölzernen Kisten ziemlich verrottet, einige lassen sich nicht mehr schließen, sind mit Ketten gesichert oder stehen einfach offen. Nicht immer sind es Mülltonnen, die darin geparkt werden, auch Kinderfahrräder, Sperrmüll oder Hausrat passt hinein. Neue Umkastungen anzuschaffen hat die Politik kürzlich jedoch abgelehnt.

"Als Verwaltung sehen wir die Notwendigkeit, die Boxen zu ersetzen, und haben deshalb die Kosten dafür in den Haushaltsplan eingestellt", erinnert Fachbereichsleiter Frank Sundermann. Da die Politik die Ausgabe von rund 30 000 Euro abgelehnt habe, gebe es jetzt wohl keine andere Möglichkeit mehr, als die Umhausungen demnächst zu demontieren und zu entfernen. Dann stehen die grauen, braunen, grünen und gelben Tonnen (oder sogar Säcke) wieder einzeln an den Straßen und Wegen, was für die Optik kaum eine Verbesserung sein dürfte.

Pastor Alois van Doornick ärgert sich ebenfalls über die Situation. Schließlich ist die Pfarrkirche St. Nicolai nicht nur vielbesuchtes kirchenhistorisches Kleinod, sondern auch religiöses Zentrum der Heilig-Geist-Gemeinde. Er sagt: "Ich habe schon den Wunsch, dass an diesem von Kirchbesuchern viel benutzten Weg Sauberkeit herrscht und eine schönere Optik. Ich kann die Stadt Kalkar aber verstehen, dass die im Raum stehenden Zahlen für den Haushaltsplan utopisch sind und im Rat die Prüfung der Angelegenheit zu einer Alternative angemahnt wurde." Mit Bürgermeisterin Britta Schulz habe er darüber erst vor wenigen Tagen gesprochen. Dass eine Lösung gefunden werden muss, darüber bestehe Einigkeit.

Lutz Kühnen, Fraktionsvorsitzender des Forum, sieht ein Dilemma. Natürlich wolle seine Fraktion, die ja auch die Bürgermeisterin stellt, beim Sparen helfen. Und die Umkastungen müssten im Grunde ja von privat bezahlt werden, weil die Tonnen schließlich einzelnen Haushalten zugeordnet sind. Aber das würden viele der betroffenen Bürger kaum akzeptieren. Damals wurde die Möglichkeit, das Ortsbild ein wenig zu verschönern, ergriffen - jetzt fehlt die Bereitschaft, dafür öffentliches Geld auszugeben. Wobei es noch weit teurere Möglichkeiten gäbe, um den Notstand zu beheben: Steinmauern, Rankgitter, "Tiefgaragen". Die Tonnen im Boden zu versenken und sie elektrisch unterstützt hoch und runter zu fahren, ist sicherlich die eleganteste, aber auch die teuerste Variante.

Lange Reihen Mülltonnen-Gefängnisse mit den Hausnummern der Nutzungsberechtigten darauf stehen am Kirchplatz. Von weitem ein einigermaßen ordentliches, zumindest einheitliches Bild. Wo Tonnen "pur" stehen, sieht's wüster aus. Das betrifft sowohl da Kirchenumfeld, als auch einige Stellen auf der Monrestraße, der Grabenstraße, die Sege in der Nachbarschaft. Das Problem überall: Die Bürger haben nur kleine Gärten oder Hinterhöfe und müssen die Tonnen zur Abfuhr längs durchs Haus ziehen. Was verständlicherweise unbeliebt ist. Deshalb lassen einige Anlieger sie einfach dauerhaft an der Straße stehen.

In der Satzung ist zwar geregelt, dass die Müllgefäße nur zu den festgesetzten Abfuhrterminen an die Straße gestellt werden dürfen. Wenn das Müllfahrzeug da war, sind die Tonnen "unverzüglich" zurück aufs eigene Grundstück zu ziehen. Geahndet wird das Fehlverhalten nicht, heißt es aus der Verwaltung. Ordnungsgelder sind nicht vorgesehen. Was zur Folge hat, dass bei jeder Stadtführung durch die historischen Straßen und Gässchen viele Gäste die Stirn runzeln. Oder sogar die Nasen, wenn sich bei sommerlicher Wärme üble Gerüche entwickeln.

Quelle: RP
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