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Niederrhein
Museums-App wirbt mit Licht der Kultur

Niederrhein: Museums-App wirbt mit Licht der Kultur
Das "Mückenhaus" von Michael Sailstorfer kam 2014 an das Klever Museum Kurhaus. FOTO: Gottfried Evers
Niederrhein. Acht Museen, zwei Hochschulen und zwei Tourismus-Büros arbeiten an einer App, die die kulturelle Bedeutung der Region deutlich machen und mehr junge Besucher locken soll. Es gibt Interreg-Mittel für das 1,75-Mio-Euro-Projekt. Von Matthias Grass

Vor dem Museum Kurhaus Kleve hängt ein Kunstwerk von Michael Sailstorfer. Das "Mückenhaus" entstand 2012, umkastet mit feinmaschigem Gewebe wie ein Haus mit Satteldach eine Bogenlampe und fängt Insekten, die vom Licht der Lampe angelockt werden. Angelockt werden sollen auch Besucher, damit sie sich mit Sailstorfer und seinen Kollegen in Kleve auseinandersetzen, damit sie Beuys in Moyland kennenlernen oder die jungen Künstler in Goch, damit sie die Römer im APX in Xanten erleben können oder damit sie die neue Sachlichkeit in Arnheim oder die Aufarbeitung des Zweiten Weltkrieges in Groesbeek sehen.

Doch die Besucher-Zahlen sind in allen Museen - stehen sie nicht gerade in bedeutenden Metropolen oder können sich teure Ausstellungen leisten - eher rückläufig. Also sollen mehr Menschen angelockt werden. Vom Licht der Kultur. Denn die Kultur sei mannigfach in der Region, sind sich acht Museen und zwei Hochschulen sowie das Büro von Niederrhein Tourismus und dessen niederländisches Pendant in Nimwegen und Arnheim, RBT KAN einig.

Dr. Bettina Paust, Schloss Moyland, und René Bakker, HAN, mit Studenten, die an der App arbeiten werden vor Schloss Moyland. FOTO: mgr

Vor allem junge Besucher will man ansprechen. Via App sollen sie erreicht werden. Diese App soll in einer ersten grenzüberschreitenden Zusammenarbeit von Studierenden der Hochschule Rhein-Waal (HSRW) und der Hogeschool van Arnhem en Nimwegen (HAN) in den kommenden drei Jahren ausgearbeitet werden. Eine erste "Vorserie", die an einem ausgewählten Publikum getestet wird, soll im kommenden Jahr, eine vermarktbare App dann am Ende des Projektzeitraums vorliegen. Kosten: 1,75 Millionen Euro.

"Wir bauen eine App für einen Verbund verschiedener Museen. Aber die werden sich in der App aufeinander beziehen, gegenseitig auf sich und auf dritte, wie umliegende Cafés, aufmerksam machen", sagt Prof. Dr. Ido Iurgel von der Hochschule Rhein-Waal. Der Informatiker arbeitet mit seinen Studenten an der App ebenso, wie sein Kollege Prof. René Bakker und die Studenten von der HAN. Zusammen mit den Projektpartnern stellten sie jetzt im Museum Schloss Moyland das Euregio-Projekt "RhijnLand.Xperiences" vor. In der App von RhijnLand.Xperiences werden Iurgel und Bakker und ihre Studenten Geschichten erzählen (Story-Telling), die zu den verschiedenen Museen führen. Man kann sie wie Pokemons ins Smartphone holen, man kann vielleicht Geocaches finden, die mit Angeboten aus der Region verbunden sein können. Was genau dort passieren wird, das werden Iurgel und Bakker und ihre Studenten ab jetzt in den kommenden drei Jahren mit den Museen entwickeln. Es sind drei Themenbereiche "Römer", "Grafen und Herzöge" und "Zweiter Weltkrieg" abgesteckt.

Die Idee, mit einer App, mit Story-Telling oder Geocaching ein neues Publikum zu erreichen, basiere auf der Zusammenarbeit zwischen HSRW und Moyland im Laufe der Ausstellung "Der Himmel so weit", sagt Dr. Bettina Paust, Museum Schloss Moyland. Da sei eine App entwickelt worden, die an Orte führte, wo die Gemälden entstanden und mit dem Hier und Jetzt verglichen werden konnten, sagt Paust.

Man tauschte sich aus, es fand sich ein Verbund von acht Museen diesseits und jenseits der Grenze und schließlich startete das "innovative Projekt, das der Verstärkung des kulturellen Angebotes dienen soll", sagt Jos Peeters, Projektkoordinator Rheijnland.Xperiences. Man habe erkannt, dass Museen ein Ankerpunkt in der Region wie der Euregio Rhein-Waal sein können, so Peeters. Diese Ankerpunkte sollen bald, so das hehre Ziel des Projektes, 150.000 zusätzliche, vor allem jüngere Besucher in die Region und ihre Kulturstätten ziehen. Dafür gibt es die Interreg-Mittel. Den nötigen Eigenanteil erwirtschaften die Museen mit "Man-Power", erklärt Prof. Harald Kunde, Direktor vom Museum Kurhaus Kleve.

Mit der App mehr als nur die Spezialgruppen der einzelnen Museen erreichen zu können, sei eine enorme Chance für den gemeinsamen Kulturraum, sagt Wiel Leenders vom Nationaal Bevrijdingsmuseum. Vor allem, weil das auch noch grenzüberschreitend funktioniere, betont Dr. Christoph Eger vom APX Xanten: Man verbinde die Museen und ihre Regionen untereinander so, dass man die Euregio als gemeinsamen Kulturraum erleben könne - mit beispielsweise Römerpark in Xanten und Openlucht-Museum in Arnheim sowie den Kunstmuseen. Letztlich entstehe durch die Zusammenarbeit auch eine stabile Netzwerkstruktur.

Quelle: RP
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