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Musical der Family Singers
"Ich habe Menschen in Schubladen gesteckt"

Musical der Family Singers: "Ich habe Menschen aufgrund ihrer Erscheinung in Schubladen gesteckt"
Rund 120 Menschen sind an dem bunten Musical beteiligt, das in der Berliner U-Bahn spielt. FOTO: Evers
Kleve. Fast 2000 Menschen haben das Musical aus Goch schon gesehen: Die Family Singers kommen mit "Subway All(ein)" in die Klever Stadthalle. Es geht um Toleranz und Vorurteile. Wer mit auf der Bühne stehen will, kann zur Probe kommen. Von Milena Reimann

Wenn Kleve feiert, kommen selbst die Gocher: Für das 775-jährige Stadtjubiläum holt die Stadt Kleve die Gocher Popstars der handgemachten Unterhaltung in die Schwanenstadt. Die Zahlen sprechen für die Gocher Gruppe Family Singers: An drei Abenden hintereinander war ihr Musical "Subway All(ein)" im vergangenen Jahr ausverkauft. Je 600 Leute sahen die selbstproduzierte Aufführung in der Aula des Collegium Augustinianum Gaesdonck. Am 10. Dezember tritt die Gruppe aus rund 120 Sängern, Tänzern und Musikern in der Klever Stadthalle auf. Der Vorverkauf beginnt ab sofort im Bürgerbüro Kleve.

Hans Glück, ein junger Mann vom Niederrhein, sucht in dem selbst geschriebenen Stück sein Glück in Berlin. Schnell taucht er ein in den Alltag der Großstadt, der sich ihm in kleinen Szenen in der U-Bahn offenbart. Schnell lernt er, dass vieles auf den zweiten Blick ganz anders ist als gedacht. Er lernt Manager und Obdachlose kennen, Einheimische und Flüchtlinge. Und am Ende vielleicht seine große Liebe?

Die Idee zu dem aufwendigen Musical kam dem Hobby-Chor im Jahr 2015, als viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Die Gruppe, die zuvor bereits Musicals zu religiösen Themen an Weihnachten und Ostern auf die Beine gestellt hatte, sah einen Zusammenhang zu ihrer Arbeit: Auch Jesus sei gewissermaßen Flüchtling gewesen. "Doch dann haben wir festgestellt, dass wir selbst alle keinen Kontakt zu Flüchtlingen haben", erklärt Hans-Peter Bause von den Family Singers. Also besuchten die Chromitglieder Runde Tische sowie Flüchtlingsinitiativen und knüpften Kontakte. Rund zehn der 120 Mitglieder sind heute Flüchtlinge.

Die Idee zum Musical wurde konkreter, als Bause zwei Wochen in Berlin verbrachte. "Ich habe selbst gemerkt, dass ich Menschen in der U-Bahn aufgrund ihrer Erscheinung in Schubladen gesteckt habe", sagt Bause. "Oft entwickelt sich die Situation dann doch etwas anders, als man dachte." Gerade noch habe er schlecht über einen Jugendlichen gedacht, der in der U-Bahn saß - kurz darauf steht er für die voll bepackte Frau auf. Zwei alte Frauen lästerten darüber, dass wohl niemand mehr in dieser Bahn ein deutsches Volkslied singen könnte. Im nächsten Moment steigen Syrer in den Zug und spielen klassische Musik - von deutschen Komponisten. "Wir sprechen in unserem Stück solche Situationen an, ohne den Zeigefinger zu erheben", sagt Bause. Die Szenen wurden in kleinen Gruppen erarbeitet und geschrieben sowie später aneinandergefügt. Die Musik haben die Komponisten Daniel Verhülsdonk und Manuel Hermsen mit der Gruppe geschrieben. Regie führt Doro Höing. Wer sich vorstellen kann, selbst auf der Bühne zu stehen, ist eingeladen jeweils am letzten Freitag im Monat mit der Gruppe für das Musical zu proben. Los geht es am 31. März um 18 Uhr im Pfarrheim St. Martinus in Goch. Wer lieber im Publikum sitzt: Karten kosten 21 Euro, Kinder bis 14 Jahre zahlen elf Euro. Zwei weitere Vorstellungen am 18. und 19. November sind in Kevelaer geplant.

Quelle: RP
 
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