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Kranenburg
Nabu NRW: Reichswald ohne Windkraft

Kranenburg. 170 Eingaben gegen den Windpark-Bau entlang des Kartenspielerwegs in Kranenburg sind beim Projektentwickler eingegangen. Neuregelung des Erlasses beinhaltet kaum Änderungen für die Planungen von Zonen in Waldgebieten. Von Peter Janssen

Die Planungen für den Windpark im Reichswald erhalten einen weiteren Dämpfer. Der Vorsitzende des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), Landesverband Nordrhein-Westfalen, Josef Tumbrinck, steht der Ausweisung einer Vorrangzone für die zwölf geplanten Anlagen entlang des Kartenspielerwegs negativ gegenüber. "Der untere Niederrhein ist ein waldarmes Gebiet. Gerade in dieser Region besitzt der Forst eine besondere Stellung. Er ist somit als ökologisch extrem wertvoll einzustufen", sagt Tumbrinck. Fledermäuse oder Greifvögel würden sich konzentriert in diesen Gebieten aufhalten, so der Naturschützer.

Der Nabu-Vorsitzende betont, dass man keinesfalls generell gegen den Bau von Windkraftanlagen in Waldgebieten sei. Das alte Lied vom Naturschützer gegen Klimaschützer wird hier offenbar. "Im Sauer- oder Siegerland, also Regionen mit großen Waldgebieten, stellt sich die Situation anders dar. Hier ist der Bau eher vertretbar", führt Tumbrinck aus. Selbst wenn eine Kommune wie Kranenburg einen hohen Waldanteil besitze, müsse man immer auch das Umland betrachten. Tiere würden sich eben in Waldgebieten aufhalten und hier sei demnach die artenschutzrechtliche Betroffenheit des Reichswaldes hoch, so Tumbrinck. Die Umsetzung des Projekts bewertet er als äußerst schwierig und befürwortet sie auch nicht. "Die grüne Lunge des unteren Niederrheins ist ökologisch extrem wertvoll und schützenswert. Das ist völlig unbestritten", sagt Josef Tumbrinck.

Was eine abschließende Stellungnahme des Nabu zu dem Windpark betrifft, so halten die Naturschützer dennoch an ihrer offiziell angekündigten Vorgehensweise fest. Erst wenn das artenschutzrechtliche Gutachten auf dem Tisch liegt, das der Projektentwickler Abo Wind derzeit anfertigen lässt, wird dies bewertet. Nach Informationen dieser Zeitung sollen die Vogelkatierungen länger als geplant dauern, da ein Zeitraum nicht ausreichend untersucht wurde. Die Fledermaus-Katierung soll noch bis in den April 2016 fortgeführt werden.

Ausreichend Zeit benötigt derzeit auch das Planungsbüro HKR Landschaftsarchitekten. Denn deren Mitarbeiter sind aktuell dabei, die etwa 170 Eingaben, die von Bürgern, Initiativen oder Träger öffentlicher Belange auszuwerten. Georg von Aretin, Abteilungsleiter Planung bei dem Projektentwickler Abo Wind, nimmt die Anzahl der Einwendungen gelassen hin. Das sei in einem solchen Verfahren Standard, so von Aretin, der zwar nicht die genaue Zahl der Eingaben kannte, jedoch teilweise deren Inhalt. "Etliche Einwände beruhen auf einem Standardtext, der von irgendwem verfasst und kopiert wurde. Dadurch muss eben auch nur eine Antwort formuliert werden", sagt von Aretin. Mühsam zu bearbeiten seien hingegen die Eingaben von Niederländern, die entsprechend übersetzt und auch in niederländischer Sprache beantwortet werden müssten. Es sei jedoch noch kein Einwand eingereicht worden, der das Projekt gefährde. Eine Forderung, die aus dem Nachbarland kam, war, dass die Umweltverträglichkeitsprüfung auch nach niederländischem Recht erfolgen müsse. Dieser Ansicht konnte sich Abo Wind naturgemäß nicht anschließen wie auch die Genehmigungsbehörde, der Kreis Kleve. Grund: Wir sind hier in Deutschland.

Von Aretin geht davon aus, dass die Bearbeitung der Einwände die zeitliche Planung nicht gefährden werde. Derzeit rechnet Abo Wind damit, dass die Genehmigung für den Bau der zwölf Anlagen Dezember 2016 vorliegt und 2017 mit dem Bau begonnen werden kann.

Positiv bewertet der Projektleiter auch die aktuelle Überarbeitung des Windenergie-Erlasses. So habe die Landesregierung dezente Änderungen eingearbeitet, was die Errichtung von Anlagen in Waldgebieten betreffe, so von Aretin. "Es sind Konkretisierungen enthalten zu dem Thema Windkraft in Landschaftsschutzgebieten, die aus unserer Sicht positiv zu bewerten sind", sagt der Planungsleiter.

Negativ ist hingegen die Einstellung der Nachbarkommune Goch zu dem Thema Winkraft im Wald. Immer noch aktuell ist ein Ratsbeschluss aus dem Jahr 2014, in dem entschieden wurde, dass grundsätzlich Bedenken gegen die Ausweisung von Anlagen im Forst bestehen. Im Rahmen der Behördenbeteiligung würde die Stadt das Kranenburger Projekt ablehnen.

Quelle: RP
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