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Kleve
Nach dem Krieg für den Frieden gekämpft

Kleve: Nach dem Krieg für den Frieden gekämpft
Das Foto zeigt Paul Gerhard Küsters in einer Tropenuniform. Der Klever überlebte den Kampf an zwei Fronten. FOTO: P. G. Küsters
Kleve. Paul Gerhard Küsters (93) erinnert sich an seine schlimmste Lebensphase. Als der Krieg ausbrach, war er 16 Jahre alt. 1945 geriet er in Gefangenschaft. Er setzte sich für die Verständigung ein. Von Werner Stalder

Paul Gerhard Küsters kämpfte als Soldat an zwei Invasionsfronten. Diejenigen, die heute älter als 90 Jahre sind, wurden wenige Jahre nach dem ersten Weltkrieg geboren. Zu ihnen gehört Studiendirektor a.D. Paul Gerhard Küsters, der am 26. September die Vollendung seines 93. Lebensjahres feiert. Im Inflationsjahr 1923 geboren, erlebte er als Zehnjähriger den Beginn des Hitlerreiches.

Mit dem Angriff auf Polen am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Um bei den Jungen der Gymnasien das Interesse am Kriegsdienst in der Wehrmacht zu wecken, kamen dekorierte Frontoffiziere in die Schulen, um die Schüler als "Kriegsfreiwillige" anzuwerben. Küsters wurde 1942 zur Artillerie-Beobachtungsabteilung einberufen. Am Ende einer harten Ausbildung wurde er Reserveoffizier-Bewerber. Nach den erfolgreichen "Blitzfeldzügen" setzte mit der Niederlage von Stalingrad und dem Rückzug des Afrika-Korps aus Nordafrika die kriegsentscheidende Wende ein. Überall hatten die Alliierten Erfolg bei der Rückeroberung der von Deutschen besetzten Gebiete. Küsters war schon einige Monate in Süditalien stationiert, als am 9. September 1943 mit ungeheurem materiellem Aufwand die Landung der Alliierten bei Salerno begann. Hier war Küsters in die Kämpfe einbezogen. Bei den wochenlangen Rückzugsgefechten wurde er in Lanciano am Fluss Sangro von einer Lightning-Jagdfliegerbombe verwundet. Seine dezimierte Einheit wurde in München-Freimann neu aufgestellt. Nach dem Genesungsurlaub kam Küsters 1944 wieder zur Truppe, die jetzt in Frankreich, südlich von Laon lag. Im Mai bezog sie Stellung in der Normandie. In der Nacht vom 5. zum 6. Juni 1944 begann die bis dahin größte Invasion der Weltgeschichte mit Tausenden von Flugzeugen und Schiffen; dazu wurden hinter der deutschen Linie Luftlandetruppen abgesetzt. Mit Landebooten stürmten Welle auf Welle die Invasoren auf die schwer umkämpften Landestrände. Der amerikanischen Übermacht hinter den Landestränden "Utah" und "Omana" konnten die Verteidiger nicht lange standhalten. In amerikanischen Kriegsberichten wurde der "Kessel von Falaise" als das "das Schlachthaus des letzten Krieges" bezeichnet. In der schlimmsten Nacht seines Lebens, in der die Luft "eisenhaltig" war, geriet Küsters in englische Kriegsgefangenschaft. Von Arromaches aus wurde er in einem britischen Landeboot nach Portsmouth gebracht. Nach dem Krieg galt für Küsters nur noch das Eine: Alles für den Frieden tun. Er fand Möglichkeiten dazu im Lehrerberuf, in ehrenamtlichen Tätigkeiten im sozialen, kulturellen, politischen und religiösen Bereich. Er gründete zwei Städtepartnerschaften: Oberhausen-Middlesborough und Kleve-Worcester, beide mit England.

Quelle: RP
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