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Kleve
Nachbarschaftsmusik mit Klevern und Flüchtlingen im Kolpinghaus

Kleve. Ein neues Lied wird angestimmt, das bisher noch keiner kennt - einer der Teilnehmer hat es vorgeschlagen. "Welche Tonart?", fragt eine Akkordeonistin. "Keine Ahnung", antwortet Geigerin Monique Landsdorp und lacht. Man einigt sich auf ein paar Dinge, beginnt zu spielen - und es klappt. Von Verena Krauledat

Etwas sehr Schönes, Lebendiges und Spontanes entwickelt sich da gerade in der Klever Kultur- und Musikszene. Seit November treffen sich jeden Montagabend alteingesessene Niederrheiner und Menschen verschiedenster Nationalitäten, um gemeinsam Musik zu machen. Die sogenannte "Nachbarschaftsmusik" wurde initiiert vom Verein Haus der Begegnung (Beth HaMifgash), einer der Hauptorganisatoren und aktivsten Mitmusiker an der Geige ist Thomas Ruffmann.

Gemeinsam mit der niederländischen Folk-Geigerin Landsdorp leitete er am vergangenen Montag im Kolpinghaus diese besondere Mischung aus Workshop, Konzert und Improvisations-Session, die diesmal mehr Zulauf hatte als je zuvor: Zwei Stunden nach Beginn zählte man rund 60 Menschen im Saal, darunter Syrer, Afghanen, Pakistaner, Serben und Mazedonier, Roma-Familien mit Kindern, die den Musikern fasziniert zusahen.

Neben Ruffmann und Landsdorp gehören auch die Serben Stevan Sinanovic sowie Sebastian und Dalibor Demirovic zum Kern der Truppe. Mit virtuosen Soli und mitreißenden Rhythmen auf Akkordeon, Geige und Darbuka (einer arabischen Trommel) sorgten die drei Profimusiker von Anfang an für Stimmung.

Um sie herum gruppierte sich eine Handvoll Instrumentalisten mit Akkordeon, Blockflöte, Gitarre, E-Bass und verschiedenen Schlaginstrumenten. Auch die "Nur-Zuhörer", die etwas weiter hinten Platz nahmen, wurden integriert: Ruffmann ging mit einer Kiste voller Rhythmusinstrumente herum, die Mutigsten griffen zu, die anderen klatschten mit. Man musizierte Gypsy-Tänze, arabische Melodien, aber auch alte deutsche Auswandererlieder.

Einige der Stücke waren den Stammteilnehmern bereits vertraut, andere probierte man neu aus, einfachere Liedteile und Refrains wurden zuvor ein paarmal wiederholt, so dass alle mitsingen konnten. Je weiter der Abend voranschritt, desto lauter und unwiderstehlicher wurden die Rhythmen - die ersten im Saal begannen zu tanzen. Jedes dieser Treffen sei eine Überraschung, so Ruffmann. Manchmal kämen nur wenige Musiker zusammen, dann habe man Gelegenheit, intensiver an einzelnen Stücken zu arbeiten und auch Noten zu verteilen.

Einmal seien später am Abend plötzlich fünfzehn Syrer aus der Notunterkunft zu der Gruppe hinzugestoßen, und man habe gemeinsam syrische und deutsche Lieder gelernt und über Opernarien improvisiert. Das Ziel des Projekts, eine Begegnung zwischen Menschen über Musik zu ermöglichen, ist laut Initiator Thomas Ruffmann erreicht: "Es entstehen Freundschaften".

Die Montagstreffen finden an wechselnden Orten statt - Näheres unter hdb-kleve.de und auf der Facebook-Seite des Vereins Haus der Begegnung. Inzwischen ist sogar eine Nachbarschaftsmusikschule im Entstehen, bei der jeder Interessierte als Lehrer oder Schüler mitwirken kann.

Quelle: RP
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