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Kleve
Neue CD von Eckart Heiligers mit Trio Jean Paul

Kleve. Gerade erst war das Trio Jean Paul in Kleve zu Gast. Im Gepäck hatten Eckart Heiligers (Klavier), Martin Löhr (Cello) und Ulf Schneider (Violine) ihre CD mit Johannes Brahms' Streichsextetten Nr. 1 (op. 18) und Nr. 2 (op. 36) in der Bearbeitung für Trio von Theodor Kirchner. Letzteres brachten sie auch auf die Klever Bühne und berichteten, dass Kirchner da ganze Arbeit geleistet habe: jede Note der Bearbeitung mache genau so Sinn und habe ihren Platz. Von Barbara Mühlenhoff

Brahms war noch keine 30 Jahre alt, als sein Streichsextett Nr. 1 op. 18 im Jahr 1859 Furore machte. 20 Jahre später bearbeitete sein langjähriger Arrangeur Kirchner das Werk für Trio - und bekam auch von dem Komponisten vollste Zustimmung. So eröffnet im ersten Werk das Klavier, dann greifen Cello und Violine nahtlos ein. Im zweiten Satz entfalten sich ergreifende Melodien, jede dynamisch und ohne Pathos herausgearbeitet. Schon von Beginn an gefällt der feinsinnige Umgang des Trios mit den Werken. Im Sommer 1863 entstand das Streichsextett op. 36.

Darin hat Brahms persönliche Bezüge zu seine Kurzzeitverlobten Agathe von Siebold eingebaut: Im ersten Satz bildet die Tonfolge a-g-a-h-e den Ausgangspunkt für ein Motiv gegen Ende der Exposition. Die satten Klänge wirken hier transparent, werden dicht, aber nicht überfüllig interpretiert. Ein wahres Kleinod ist das Scherzo, in dem das Klavier mit den Streichern in den Dialog tritt und dann verschmilzt. In einem fein perlenden "Elfentanz" fügt das Klavier gleich dem Pizzicato auf den Saiten ein Gefühl der Leichtigkeit bei. In den verwegenen Mittelteil legen die Musiker dann ganze Kraft und fordern sich dynamisch heraus.

Es folgt ein langsamer Satz, der feinen rhythmischen Widerstreit zwischen Achteln und Triolen inszeniert und schließlich in einem Schluss-Adagio aufgeht. Alles gelingt kongenial, als seien selbst die wispernden Sechzehntel des letzten Satzes geradezu vom Klavier her erfunden. Grundsätzlich darf man dem Spiel des Trios große Wirkungskraft bescheinigen, indem die Künstler ihr musikalisches Gespür und ihre Brillanz mit einer neuen Perspektive auf die "bekannten" Streichsextette Brahms lenken. Kirchner hat die Substanz der Werke verstanden und transformiert, die Einspielung des Trios Jean Paul zaubert geradezu Ohrwürmer aus den einzelnen Sätzen.

Auch die grafische Gestaltung der CD und dem Booklet ist ansprechend: natürlich und unkompliziert im Erscheinungsbild und der Haptik, mit knackigen, gut ausgearbeiteten Texten von Martin Löhr für das Trio und Eva Blaskewitz zu den Werken, kurzer Info zum Trio Jean Paul selbst und alles jeweils auf Deutsch und Englisch. Die Aufnahme ist eine Co-Produktion mit dem Deutschlandfunk, aufgezeichnet im Deutschlandfunk Kammermusiksaal, bei der der Ensembleklang in seiner dynamischen Bandbreite, Transparenz, aber auch satten Gesamtheit vorbildlich eingefangen wird. Nicht nur für Freunde von Trio- oder Streichermusik ist diese Aufnahme ein Genuss.

Brahms Sextette (Cavi-Music) 18.99 Euro

Quelle: RP
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