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Kreis Kleve
Neue Job-Chancen für Schwerbehinderte

Kreis Kleve: Neue Job-Chancen für Schwerbehinderte
Gemeinsam aktiv für Inklusion (v.l.): Wolfgang Brandt, Jessica Prumbohm, Markus Brandenbusch, Andrea Schwan, Stefan Schapfeld und Bernd Pastoors. FOTO: evers
Kreis Kleve. Die Inklusionsinitiative "AKTIV" besteht aus Arbeitsagentur, Jobcenter, Integra, TBH und SOS. Sie hat eine knappe Million Euro Bundesmittel zur Verfügung, um beeinträchtigte Menschen auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Von Anja Settnik

Im Kreis Kleve sollen künftig mehr Menschen mit Behinderung eine Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt haben als bisher. Das ist der Anspruch einer Gruppierung, die sich "Inklusionsinitiative AKTIV nennt" und aus Arbeitsagentur, Jobcenter und den drei Trägern Integra, SOS Kinderdorf und Theodor-Brauer-Haus (TBH) besteht. Die Initiative bekommt vom Bund rund 980.000 Euro, um das Projekt im Zeitraum von drei Jahren umzusetzen. Am Ende sollen mindestens 50 Schwerbehinderte einen regulären Arbeitsplatz gefunden haben - es dürfen auch gerne mehr werden. Wie die Projektpartner gestern im Pressegespräch erläuterten, sollen 250 Menschen mit Beeinträchtigungen von den neuen Impulsen und Strukturen zur besseren Integration profitieren.

"Das Projekt will auch die Zusammenarbeit zwischen den Stellen, die für ALG II und III zuständig sind, verbessern", erklärt Sabine Hanzen-Paprotta, zuständig fürs Marketing bei der Arbeitsagentur Wesel (die auch für Kleve zuständig ist). Und sie gibt zu, dass auch an die PR gedacht ist, denn die Bürger sollen ruhig bemerken, dass intensiv am Thema gearbeitet wird. Jeder weiß, dass Männer und Frauen mit Behinderungen es deutlich schwerer haben, einen Arbeitsplatz zu finden. Nicht selten scheuen sich auch Arbeitgeber, ihre Firmen für Behinderte zu öffnen - aus Sorge, zuviel Rücksicht nehmen zu müssen, den Mitarbeiter, wenn's nicht passt, eventuell nicht mehr loszuwerden. Aufklärungsarbeit gehört also zum Themenkreis ebenfalls dazu.

Etwa 800 Schwerbehinderte leben im Kreis, 250 von ihnen sollen angesprochen werden. Die Teilnahme ist für sie freiwillig; wer seine Chance ergreifen will, ist willkommen, wer sich nicht traut, muss mit keiner Restriktion rechnen. Stefan Schapfeld, Teamleiter Rehabilitation bei der Arbeitsagentur, erklärt, was geplant ist: "Wir werden testen, für welche Berufe der Interessent geeignet sein könnte, ein Jobcoach wird mit ihm Bewerbungen und das richtige Verhalten im Vorstellungsgespräch üben. Viele müssen sicher im Aktivierungscenter erst einmal wieder in eine Tagesstruktur zurückfinden oder benötigen als alleinerziehende Mütter besondere Hilfen", weiß er.

Praktika und Probearbeit dürften dazu führen, dass Ängste (auch der Arbeitgeber) abgebaut werden. Wer für eine Vollzeitstelle nicht belastbar genug ist, kann vielleicht in Teilzeit arbeiten. Es gebe viele individuelle Lösungen, die im Team zu entwickeln seien.

Weil Integra (Geldern), TBH (rechtsrheinisch) und SOS (Kleverland) auf den Kreis verteilt sind, dürfte für jeden Bewerber einer der Träger erreichbar sein. Wolfgang Brandt von SOS ist sich bewusst darüber, dass nicht alle, die jetzt angesprochen werden, hoch qualifiziert sind. Häufig hätten die Schwerbehinderten auch selbst Bedenken, ob sie am Arbeitsmarkt bestehen könnten. Tatsächlich "tröpfele" die Bereitschaft, mitzumachen, bisher noch.

"Wir wollen aber gerade nicht die Schwächen der Teilnehmer in den Blick nehmen, sondern ihnen helfen, ihre Stärken auszubauen", erklärt Jessica Prumbohm vom TBH. Wer vielleicht nach schwerer Krankheit oder wegen einer angeborenen Behinderung bislang den Weg in den Beruf nicht gefunden hat, bekomme heute mehr Hilfen, als das früher der Fall war. "Inklusion" ist schließlich vom Kindergarten über die Schule bis in die Berufsausbildung ein aktuelles, politisch gewolltes und eben auch finanziell gefördertes Thema.

Alle genannten Projektpartner sind jeweils auch die Ansprechpartner für interessierte Schwerbehinderte.

Quelle: RP
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