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Kleve
Alter Allee in Kleve drohen Großbauten

Neuer Bebauungsplan Kleve: Alter Allee drohen Großbauten
Mit Staffelgeschoss können die Neubauten an der Nassauerallee sogar noch ein Stockwerk höher werden, als die weißen Häuser auf der Bellevue. Rechts die ehemalige Landeszentralbank. FOTO: Stade
Kleve. Anwohner der Nassauerallee wehren sich gegen neuen Bebauungsplan, der Häuser mit einer Firsthöhe von elf Metern vorsieht. Statt der einstigen eingeschossigen Bebauung könnte die alte Allee künftig dreigeschossig bebaut werden. Von Matthias Grass

Die Doppelallee mit Blickachse auf den Dachreiter der Klever Stiftskirche gilt als eine der prächtigsten Einfallstraßen in der Region: Die Nassauerallee in Kleve. Von ihr geht die Sage, sie sei das Vorbild für die Berliner Prachtallee "Unter den Linden".

Stadteinwärts liegen links einzelne bis zwei Geschosse hohe Häuser mit großen Gärten, die die üppig angelegte Allee noch großzügiger erscheinen lassen, rechter Hand sind Wald, Sternbusch-Klinik und eingeschossige Flachdachbungalows, die sich unter den Bäumen zurücknehmen. Das soll jetzt vorbei sein - denn die Stadt hat einen neuen Bebauungsplan für die Straße aufgelegt, der dort eine deutlich üppigere Bebauung vorsieht.

Dabei durfte rechterhand Jahrzehnte lang nur eingeschossig gebaut werden. Selbst die einstige Landeszentralbank hat nur ein Geschoss über Straßenniveau. Diese "eherne" Vorschrift wurde erst 2010 für die drei Blocks in der Bellevue aufgeweicht. Jetzt liegt ein Bebauungsplan vor, der die für Klever Bebauungspläne typische "zweigeschossige" Bebauung vorschreibt, die in Wirklichkeit unter einer Firsthöhe von elf Metern dreigeschossig ist. Dank Staffelgeschoss.

Damit ist Streit vorprogrammiert. So wie in anderen Wohngebieten fühlen sich auch die Anwohner der Nassauerallee von Investorenhäusern bedroht, die nur noch rechnerisch zweigeschossig sind. Nach heftigem Bürgerprotest wurde der Plan für die Nassauerallee in den Bauausschuss zurückgewiesen.

"Wir haben als Anwohner ja auch das Problem, dass wir, wenn der Bebauungsplan so genehmigt wird, auf viergeschossige Häuser blicken müssen", sagt Dr. Wolfgang-Friedrich Schneider. Denn das Gelände fällt an der Straße um rund ein Stockwerk in die Tiefe ab und steigt erst zur Hangkante am Kermisdahl wieder an. Schneider wehrt sich wie die anderen Anwohner - quasi alle haben die Bedenken unterschrieben - auch gegen die Ausweisung grenzübergreifender Baufenster entlang der Nassauerallee. Die würden Baukörperreihen mit bis zu 50 Meter Länge erlauben. "Diese widersprechen der vorhandenen Baukörpersituation und heben den attraktiven Charakter des Eingangsbereichs der Stadt Kleve und damit die städtebaulichen Gesamtsituation auf", sagt Schneider.

Eine Bebaubarkeit mit zwei Vollgeschossen und einer Firsthöhe bis zu elf Meter führe nahezu zu einer Verdopplung der vorhandenen Baumassen, was dem derzeitigen Gebietscharakter widerspreche, fügt Schneider an - und zieht einen schönen Vergleich: "Die nach den angestrebten Festsetzungen möglichen ,zweigeschossigen' Bauten würden die auf dem Gelände der Bellevue entlang der Nassauerallee errichteten Flachdach-Häuser um ein Geschoss überragen", sagt er.

Die Politik will sich, nachdem sie die Notbremse gezogen hat, neu mit dem Plan auseinandersetzen. "Einwendungen und Anregungen zum B-Plan waren so detailliert und umfassend, dass sich die CDU-Fraktion nach den Herbstferien intensiv damit befassen wird", sagt CDU-Fraktionschef Wolfgang Gebing. Auch die Sozialdemokraten haben noch nicht endgültig beraten: "Wir haben uns das vor Ort angeschaut - das werden wir bis zum nächsten Bauausschuss besprochen haben", sagt SPD-Fraktionschefin Petra Tekath.

"Wir finden, ein Bebauungsplan muss kommen, um weiteren Wildwuchs zu verhindern. Den von der Stadt vorgeschlagenen Bebauungsplan möchten wir modifizieren: weniger bebaubare Fläche und Wahrung großzügiger Grünbereiche", sagt Wiltrud Schnütgen (Grüne). Wie die anderen Parteien werden sich auch die Grünen detailliert bis zum nächsten Bauausschuss am 2. Dezember für die Diskussion um die Nassauerallee vorbereiten.

Die Verwaltung wird dann den Bebauungsplanentwurf ohne Änderungen wieder vorzulegen. "In der Erwartung, die Diskussion über die Inhalte des Plans erneut zu führen", so Stadtsprecher Jörg Boltersdorf..

Quelle: RP
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