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Bedburg-Hau
Neues Römerlager in Till entdeckt

Bedburg-Hau: Neues Römerlager in Till entdeckt
Das neu entdeckte Grabungsfeld an der Sommerlandstraße in Bedburg-Hau-Till. FOTO: Gottfried Evers
Bedburg-Hau. Ganz in der Nähe desjenigen, das im Herbst 2015 vorgestellt wurde, gab es vor 2000 Jahren ein zweites Heerlager. Bis zu 6000 Soldaten sollen dort überwintert haben. Eventuell handelt es sich um das Lager, das Tacitus "Arenacum" nannte. Von Anja Settnik

Schon wieder der Westrichhof an der Sommerlandstraße in Bedburg-Hau: Offenbar gab es im Bereich Till vor knapp 2000 Jahren mehrere große und dazu noch kleinere Römerlager. Nachdem die Wissenschaftler den Medien bereits im Herbst 2015 eines vorgestellt hatten, kam jetzt eine erneute Einladung zum Westrichhof. Steve Bödecker vom Landschaftsverband Rheinland - Amt für Bodendenkmalpflege und seine Kollegen führten diesmal auf die andere Seite des Hofes, um zu zeigen, wo sich einst zwei Römerlager trafen. Zwischen 50 und 120 nach Christus sollen dort 5- bis 6000 Soldaten mindestens einen Winter lang gelagert haben. Eventuell handelt es sich um das vom Geschichtsschreiber Tacitus erwähnte Lager "Arenacum", das eher nicht dem heutigen Rindern zugeordnet werden könne.

Spuren der Römer sind aus dem Flugzeug zu entdecken

Marion Brüggler von der LVR-Außenstelle Xanten nannte es eine "ganz tolle Sache, dass durch das systematische Befliegen der Gegend weitreichende Erkenntnisse gewonnen werden". Denn vom Flugzeug aus können geübte Augen auf vermeintlich unspektakulären niederrheinischen Feldern deutliche Zeichen für die Anwesenheit römischer relikte erkennen: "Wo damals Gräben waren, die dann zugeschüttet wurden, ist das Getreide durch höheren Nährstoffgehalt und besser gebundene Feuchtigkeit sichtlich kräftiger", erklärt Bödecker. Auch abgerundete Ecken in den grünen Linien seien eindeutige Beweise.

Der Laie, der am Rand der Grabung steht, benötigt einige Hilfe der Fachleute, um nachvollziehen zu können, was er da vor sich sieht. "Wenn Sie genau hinsehen, erkennen Sie dunkle Verfärbungen im sandigen Erdboden. Auch die Beschaffenheit des Bodens ist dort, wo sie von Menschenhand bewegt wurde, anders als in der Umgebung", erklärt Marion Brüggler. Etwa 1,20 Meter unter der Oberfläche sind dunkle Bänder auszumachen und punktförmige Einschlüsse, die auf Ausfällungen von Eisen und Mangan hindeuten. Während die v-förmigen Gräben mit schrägen Wänden ausgestattet waren, die Feinden das Näherkommen zumindest erschwerten, waren Wälle und Holz-Erde-Mauern, die an anderer Stelle des Geländes entdeckt wurden, kaum zu überwinden. Wie das Lager, das vielleicht das von Tacitus "Arenacum" genannte war, im Inneren beschaffen war, darüber können die Forscher jetzt noch nichts sagen. Durchaus denkbar, dass es außer Zelten auch Lehm-Fachwerk oder sogar steinerne Häuser gegeben hat.

Forscher vermuten weitere unentdeckte Römerlager am Rhein

Entlang des Rheins gab es viele Römerlager. So berühmte wie die in Bonn, Neuss und Xanten, aber auch zahlreiche (bislang) unbekannte. Dank moderner Technik und ausgeweiteter Forschung werden immer neue entdeckt. Der "Niedergermanische Limes", der auch Kalkar, Uedem und Bedburg-Hau berührte, soll im Jahr 2020 Weltkulturerbe werden (RP berichtete). Beantragt wird dies bei der Unesco gemeinsam mit den niederländischen Kollegen. Mit bester Aussicht auf Erfolg, heißt es, schließlich verlief die Grenze des römischen Reiches entlang des gesamten Rheins, eben auch im Norden. "Zwischen Xanten und Nimwegen war zu römischer Zeit besonders viel los", betont Bödecker.

Ausgrabungsleiter Boris Burandt rechnet damit, mit seinem Team noch etwa vier Wochen vor Ort zu bleiben. Zum Glück gebe es keinen Zeitdruck, weil anders als sonst nicht "schon die Bagger warten"; es ist eine rein landwirtschaftlich genutzte Fläche. Gefunden haben die Wissenschaftler bisher nur wenige keramische Scherben, die von Essgeschirr und Krügen stammen sollen. Ihnen sind die Hinweise auf die Lager-Befestigung, also auf Gräben, Wälle, Mauern und Tore, sowieso viel wichtiger.

Quelle: RP
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