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Kleve
Nichtschwimmer müssen draußen bleiben

Kleve: Nichtschwimmer müssen draußen bleiben
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Kleve. Immer mehr Kinder können schlecht schwimmen. Grund- und weiterführende Schulen bringen die Kinder zwar "ins Wasser" und fördern den Schwimmunterricht. Aber ohne weitere Eltern- oder Eigeninitiative bleiben die "Seepferdchen" unsichere Schwimmer. Von Matthias Grass

In der Karl-Kisters-Realschule ist der Schwimmunterricht in der 5. und 6. Klasse Pflicht. Man weiß in der Schule, dass der Anteil der Kinder, die keine sicheren Schwimmer sind, in den vergangenen Jahren gestiegen ist. "Wir haben für die unsicheren Schwimmer auch Kooperationen mit den Klever Schwimmvereinen oder der DLRG", sagt Schulleiter Hubert Wanders. Er weiß aber auch, dass die Schulen an Grenzen stoßen. "Wenn die Kinder bei uns das Schwimmen lernen, dann müssen sie mit ihren Eltern auch mal ins Schwimmbad, um sichere Schwimmer zu werden - sonst verlernen die das", sagt Wanders. Aber noch seien Kinder, die nicht schwimmen können, die Ausnahme. Es seien bis jetzt nur Einzelfälle, die mit der Entschuldigung der Eltern in der Tasche am Beckenrand sitzen und zugucken.

Das bestätigen auch die Kollegen des Realschulrektors von den anderen Klever Schulen. Schon in der Grundschule versucht man in der Kreisstadt, die Kinder ins Wassers und ans Seepferdchen (dem ersten Schwimmabzeichen) zu bringen. In der Marienschule, steht in der 2. und 4. Klasse Schwimmunterricht auf dem Stundenplan. Die Lehrer machen die Erfahrung, dass immer noch Kinder kommen, die bereits gut schwimmen können, dass aber andererseits viele auch schlechte Schwimmer sind. Für die gibt's dann Förderunterricht. Ebenso wie für Flüchtlingskinder, die Schwimmen - wie oft auch Fahrradfahren - erst noch von Grund auf lernen müssen.

Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) warnt eindringlich, dass zu wenige Kinder richtig schwimmen lernen. Die DLRG schätzt, dass rund ein Viertel aller Bundesbürger Nichtschwimmer oder schlechte Schwimmer sind. Kinder sollten mindestens das "Bronze-Abzeichen" erwerben, für das man in 15 Minuten mindestens 200 Meter schwimmen muss. Bundesweit zählte im Jahr 2016 die DLRG 537 Badetote, in NRW waren es 76 Menschen, die ertranken. Bei Flüchtlingen hat sich die Zahl mit bundesweit 64 Toten fast verdoppelt, beklagt die DLRG. Im Kreis Kleve starben 2016 zwei Menschen bei Badeunfällen: Ein zehnjähriger Flüchtlingsjunge ertrankt an der Nierswelle in Goch und eine 33-jährige Chinesin in der blauen Lagune in Wachtendonk, so die Polizei.

"Wir wollen dafür sorgen, dass die Schwimmfähigkeit der Kinder besser wird. Das haben wir uns auf die Fahne geschrieben", konstatiert Ursula Fischer, stellvertretende Leiterin der künftigen Joseph-Beuys-Gesamtschule. Hier müssen die Fünftklässler das komplette 5. Schuljahr ins Wasser: Fast 20 Prozent der Kinder, die von der Grundschule kommen, können nicht richtig schwimmen. Das will man auffangen, so Fischer. Deshalb werden Nichtschwimmer nochmals gesondert unterrichtet. Später gibt's in der 8. Klasse noch einmal ein Angebot für Schwimmunterricht. Mehr ist nicht drin: Dann stoßen Lehrer-Ausstattung und Hallenzeiten an ihre Grenzen. Im Freiherr-vom-Stein-Gymnasium steht Schwimmen in der 6. und 8. Klasse auf dem Stundenplan - dann geht's ins Hallenbad. "Wir informieren darüber die Eltern der Kinder, die zu unserer Schule kommen, dass wir für diesen Unterricht das Bronze-Abzeichen erwarten", sagt Stein-Direktor Timo Bleisteiner. Für Quereinsteiger und Flüchtlingskinder würden Extra-Kurse organisiert.

Mit dem neuen Kombi-Bad im Sternbusch bekommt die Stadt Kleve neben dem in der Marienschule ein weiteres Lehrschwimmbecken mit Hubboden dazu. Innerhalb der Verwaltung gibt es zwar Überlegungen, ob man dann auf das Becken in der Marienschule verzichten kann, aber: "Angesichts der großen Nachfrage nach Schwimmkursen, die wir wegen des neuen Hubbodenbeckens schon haben, empfehle ich, erst einmal abzuwarten, ob wir nicht doch zwei dieser Becken in der Stadt nötig haben, damit die Schulen die nötigen Hallenzeiten bekommen", sagt Jörg Cosar, CDU- Schulsprecher und Aufsichtsratschef der Stadtwerke Kleve, die das Kombi-Bad bauen.

Quelle: RP
 
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