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Kleve
Notunterkunft - Klever packen mit an

Notunterkunft für Flüchtlingen - Menschen in Kleve packen mit an
Ankunft im Omnibus. Am Wochenende sind etwa 150 Flüchtlinge in der Turnhalle des Konrad-Adenauer-Gymnasiums eingetroffen. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Die Hilfsbereitschaft der Bürger nach dem Eintreffen der Flüchtlinge in der Turnhalle am Konrad-Adenauer-Gymnasium ist überwältigend. Verantwortliche bitten Spender, erst einmal zu warten, um die Hilfe gezielt einsetzen zu können. Von Ludwig Krause

Eine ganze Weile schon haben die beiden Jungs friedlich mit den Spielklötzen gespielt, als ein ein Streit losbricht: Der eine wirft nach dem anderen, der springt auf, kurz rasen beide durch die Halle. Am anderen Ende bleiben sie stehen, kurze Diskussion. Schulterklopfen, zurück zu den Klötzen, weitergespielt.

Alltagsszenen aus jedem Kinderzimmer. Alltagsszenen in der Notunterkunft für Flüchtlinge, die Ende vergangener Woche in der Turnhalle des Konrad-Adenauer-Gymnasiums in Kellen eingerichtet wurde.

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Seitdem haben Helfer und Mitarbeiter der Stadt fast pausenlos gearbeitet, nachts nur wenige Stunden geschlafen. "Die Menschen sind einfach so unglaublich dankbar", sagt Petra Tekath, Fraktionsvorsitzende der SPD im Rat. 41 Flüchtlinge sind am Freitagabend in Kleve eingetroffen, am Samstagabend gegen 23 Uhr weitere 53. Der dritte Bus aus Dortmund kam gestern am frühen Abend an. Nun sind die 150 Pritschen in der Turnhalle fast alle belegt. "Wir haben noch zehn Stück in der Hinterhand, um flexibel reagieren zu können", sagt Thomas Mutz vom Gebäudemanagement. 36 Duschen und 13 Toiletten stehen zur Verfügung.

Die Ankömmlinge sind bunt gemischt. Ledige Männer sind in der Mehrzahl, aber auch Frauen und Familien mit Kindern sind darunter. Sie kommen aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und den Balkanländern. "Wir haben sogar eine Frau aus China dabei", sagt Petra Tekath. Alle bekommen ein Care-Paket mit dem Nötigsten. Duschgel, Bettlaken - solche Dinge. Auch Ärzte sind anwesend, um die Flüchtlinge zu untersuchen, zwei von ihnen mussten ins Emmericher Krankenhaus gebracht werden.

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Seit Mittwoch haben Sozialverbände und Verwaltung geplant. Womit sie nicht rechnen konnten, war die überwältigende Hilfsbereitschaft der Klever Bürger. Egal ob Hygiene-Artikel, Kleidung, Spielsachen oder Fahrräder. "Der Andrang war unglaublich", meint Bürgermeister Theo Brauer. Man sei über alle Maßen dankbar, sagt Petra Tekath. Dennoch die eindringliche Bitte an alle Bürger: Mit den nächsten Spenden erst einmal abwarten, damit man die Hilfe gezielt einsetzen könne.

Zwei, die unbedingt helfen wollten, sind Katrin und Natascha Rütjes. Die Schwestern aus Kleve sind spontan vorbei gekommen, um selbst mit anzupacken. Aus den sozialen Medien haben sie von der Situation erfahren. "Man kennt Bilder von solchen Unterkünften immer nur aus dem Fernsehen, nicht direkt um die Ecke", sagt Katrin Rütjes. "Es ist viel ruhiger, als ich mir das vorgestellt habe", meint sie. "Viel menschlicher." Ihren freien Montag möchte die Erzieherin im dritten Lehrjahr dazu nutzen, um wiederzukommen und erneut zu helfen. Vielleicht etwas mit den Kindern zu unternehmen. "Manche wollen Flüchtlings-Unterkünfte als großes Risiko darstellen. Dabei ist das gar nicht so", sagt sie.

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Ab heute kann das Asylbewerberverfahren für die etwa 150 Flüchtlinge beginnen, wie lange sie bleiben, und wo in NRW sie anschließend untergebracht werden, weiß noch keiner. "Wir wären sehr dankbar, wenn wir da von der Bezirksregierung schnellstmöglich Antworten erhalten", meint Thomas Mutz vom Klever Gebäudemanagement. So könne man auch auch längerfristig planen. "Wir können keine Familienbereiche einrichten, wenn wir nicht wissen, ob sich die Anzahl an Familien alle zwei Tage dramatisch ändert", sagt er. "Ich bin bereit, alles einzurichten, was mit Brandschutz und Fluchtwegen vereinbar ist."

Quelle: RP
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