| 00.00 Uhr

Kleve
Notunterkunft für Studenten in Kleve

Kleve: Notunterkunft für Studenten in Kleve
In dieser Notunterkunft musste Takama Nishizawa einziehen, weil der Student aus Japan keine andere Unterkunft in Kleve finden konnte. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Vor allem ausländische Studenten der HRW haben noch immer große Probleme, eine Wohnung in Kleve zu finden. Das Studentenwerk hat deshalb eine Notunterkunft mit nur etwa 25 Quadratmetern für bis zu sechs Studenten eingerichtet. Von Jerome Harrison

Wenigstens ein Dach über dem Kopf. Das dachte sich Takama Nishizawa. Bevor er nach Kleve kam, hatte der Student der Hochschule Rhein-Waal zwei Jahre in Berlin und zwei Jahre in London gelebt. "Nirgendwo hatte ich solche Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden, wie in Kleve", sagt der 33-jährige Japaner. Bis vor einigen Tagen wohnte er in einer vom Studentenwerk Düsseldorf eingerichteten Notunterkunft im Studentenwohnheim Flutstraße. "Wir hatten dort keine Dusche, keine Küche, kein Internet. Aber am meisten hat mich die fehlende Privatsphäre gestört", sagt Nishizawa.

In der Notunterkunft wohnen zeitweise sechs Studenten in einem Raum, der nur knapp über 25 Quadratmeter misst. Es gibt keinen Stauraum und keine Tische. Die elektrischen Rollläden sind Tag und Nacht runter gelassen, da Passanten sonst durch die große Fensterfront reingucken können. Dementsprechend düster ist es in dem Raum. Mal abgesehen von der Eingangstür gibt es keine Lüftungsmöglichkeit.

Trotz dieser Umstände war Nishizawa froh, vorübergehend dort wohnen zu können. "Ansonsten hätte ich in ein Hotel gehen oder bei fremden Menschen auf dem Sofa übernachten müssen", erzählt der Student des Bachelorstudienganges Agribusiness. "In der Notunterkunft habe ich 60 Euro im Monat bezahlt anstatt die gleiche Summe pro Nacht in einem Hotel zahlen zu müssen", so Nishizawa weiter. Jede freie Minute investierte er in die Wohnungssuche, denn er wollte unbedingt sein eigenes Zimmer.

Nishizawa hatte dabei durch seinen Aufenthalt in Berlin immerhin den Vorteil, dass er gut Deutsch spricht. . Bei anderen internationalen Studenten scheitere die Wohnungssuche laut Nishizawa schon daran, dass viele Vermieter nur deutschsprachigen Studenten ein Zimmer geben würden. "Das größte Problem ist aber, dass es in Kleve zu wenig Wohnungen für die hohe Anzahl an neuen Studenten gibt. Dadurch sind die Preise der vorhandenen Wohnungen auch sehr gestiegen", erläutert Nishizawa.

Diese Erfahrung hat auch Jonas Krämer gemacht, ebenfalls Student an der Hochschule Rhein-Waal. Er wird im kommenden Semester ein Auslandsemester machen und hat deswegen seinen Mietvertrag gekündigt. Er bezahlte für ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft 275 Euro im Monat. Der nächste Mieter wird 350 Euro für das gleiche Zimmer zahlen müssen.

Wohnungssuchende Studenten wie Nishizawa unterstützt die Hochschule. Sie bietet online eine Wohnungsbörse für Vermieter und Wohnungssuchende. Vermieter tragen in ein vorgegebenes Formular die wichtigsten Wohnungsdaten und ihre Kontaktdaten ein. Dieses Formular wird dann auf der Website der Hochschule hochgeladen, woraufhin die Wohnungssuchende die Vermieter kontaktieren können. "Auf dem Wohnungsmarkt hat sich die Situation gebessert", sagt Petra Hübers. Sie ist verantwortlich für die Unterstützung der Studenten bei der Wohnungssuche. 2012, als der Campus eröffnete, hätten Studenten sehr viel größere Probleme gehabt, eine Wohnung zu finden als heute. Mittlerweile kämen sehr viele Vermieter auf die Hochschule zu, die den Studenten Wohnraum zur Verfügung stellen. "Teilweise haben Vermieter ein komplettes Einfamilienhaus so umgebaut und eingerichtet, dass darin zehn Zimmer für Studenten zur Verfügung stehen", so Hübers. Angespannt sei die Wohnungslage aber noch immer. Wenn sich Vermieter bei Hübers melden, vermittelt diese die Wohnungen oft noch am selben Tag weiter.

Die Hochschule hofft, dass sich durch den Bau eines neuen Studentenwohnheims des Studentenwerks Düsseldorf die Wohnungssituation ein wenig entspannt. Dieses wird zwischen 88 und 100 weitere Wohnplätze bieten, bestätigt das Studentenwerk. Jedoch hat der Bau noch nicht mal begonnen. Ein Fertigstellungsdatum ist auch nicht bekannt.

Die drei schon bestehenden Wohnanlagen haben insgesamt rund 280 Zimmer. Auf der Bewerberliste für ein Zimmer in einem Wohnheim stehen bereits circa 420 Wohnungssuchende. Die Chancen auf einen Platz sind für neue Bewerber also gering.

Auch Nishizawa hat sich auf die Bewerberliste eingetragen. Der HRW-Student bekam vom Studentenwerk jedoch den Rat, er solle sich - aufgrund der langen Bewerberliste - lieber woanders umsehen.

Mittlerweile hat der Japaner, nach Wochen intensiver Suche, eine 16 Quadratmeter große Ein-Zimmer-Wohnung mit Bad und Kochmöglichkeit in Kleve-Kellen gefunden. Entdeckt hatte der 33-Jährige das Mietangebot online unter wg-gesucht.de. Nishizawa zahlt 310 Euro, was über seinem Budget liegt aber er ist "sehr froh, endlich überhaupt etwas in Kleve gefunden zu haben".

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kleve: Notunterkunft für Studenten in Kleve


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.