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Kalkar
Öffentliche Debatte über Juden-Denkmal

Kalkar: Öffentliche Debatte über Juden-Denkmal
Christoph Wilmsen-Wiegmann hat aus Holz gefertigt, was nach seinem Wunsch später in Granit umgesetzt werden soll.
Kalkar. Eigentlich sollte der Kulturausschuss dem Rat einen der Wettbewerbsbeiträge empfehlen. Aber die Politiker brachten die Alternative "Stolpersteine" erneut ins Gespräch und auch das Kostenargument. Öffentliche Veranstaltung geplant. Von Anja Settnik

Zweimal hat der Rat Kalkar Ratsbeschlüsse zum Thema "Denkmal zur Erinnerung an die Kalkarer Bürger der jüdischen Gemeinde" gefasst. Daraus hatte sich eine Arbeitsgruppe entwickelt, deren Ergebnis jetzt im Kulturausschuss präsentiert wurde: Nicole Peters aus Goch und Christoph Wilmsen-Wiegmann aus Kalkar stellten ihre Entwürfe vor. Doch um die inhaltliche Betrachtung der künstlerischen Arbeiten ging es letztlich am wenigsten. Der Ausschuss empfahl dem Rat nicht etwa einen der beiden Entwürfe zur Entscheidung, sondern votierte für einen, zwei oder keinen der Entwürfe.

Dietmar Klein vom Forum war in Vetretung für Hubert Hell da und merkte an, viele in der Öffentlichkeit würden sich fragen, ob Kalkar so ein Denkmal (20 000 Euro sind veranschlagt) überhaupt braucht. Hans-Wilfried Görden (CDU) reagierte heftig - die Entscheidung sei längst gefallen, "es geht nur noch darum, welches wir nehmen." Das bestätigte Bürgermeisterin Dr. Britta Schulz (Forum) und verwies auf die Ratsbeschlüsse. Und darauf, dass eine Arbeitsgruppe, begleitet von Kunsthistoriker Ron Manheim (Initiator des Projekts "Haus der Begegnung Beth Hamifgash"), eine Vorauswahl getroffen hatte. Allerdings ist aus dieser Gruppe kaum mehr jemand im Rat. Die CDU-Fraktion ist deutlich geschrumpft, mehrere SPD-Akteure zogen sich aus der Politik vollends zurück.

Die Ausschussmitglieder sahen sich außerstande, sich festzulegen. Die anwesenden Künstler wurden gefragt, ob sie willens seien, noch einmal zu kommen und dem gesamten Rat ihre Ideen vorzustellen. Der Beschlussvorschlag des Ausschusses im Wortlaut: "Wir bitten den Rat, die Verwaltung anzuweisen, eine größere öffentliche Beteiligung herbeizuführen und das Stimmungsbild bei einer offenen Entscheidung, ob Denkmal 1, 2, gegebenenfalls keines oder sogar die Stolpersteine gebaut werden, zu berücksichtigen. Der Zeitraum des Einholens dieses Stimmungsbildes zu allen vier Möglichkeiten sollte acht Wochen nicht überschreiten." Mit denkbar knapper Mehrheit von sechs Stimmen (vier Forum, eine SPD, eine FBK-Stimme) wurde dieser Empfehlung zugestimmt.

Zu den eingereichten Wettbewerbsvorschlägen: Nicole Peters stellt sich auf einer Grundfläche von 5,50 x 3 m eine hohe goldfarbene Glaswand am einen Ende und drei senkrechte, dunkel- und purpurrote Verbundglasplatten am andere Ende vor. Dazwischen soll eine Beetfläche entstehen, in die Erde von den 27 Gegenden eingebracht werden soll, in denen die jüdischen Bürger Kalkars zuletzt lebten. Außen vor der purpurnen Wand möchte die Künstlerin "angebrannte" Beton-Streichhölzer wie hingeworfen positionieren. "Es ist unsere Verantwortung, wie mit Streichhölzern umgegangen wird. Man kann damit ein Licht entzünden oder etwas vernichten." Auf einer der Scheiben sollen die Namen und Lebensumstände aller Kalkarer Juden, die ab 1930 in der Stadt lebten, möglichst mit ihrer eigenen Handschrift verewigt werden.

Wilmsen-Wiegmanns Entwurf ist schlichter, in Form und Material reduziert: dunkelgrau-blauer Granit-Stein. Einer der beiden Steine zitiert den zweiten Buchstaben des hebräischen Alphabets "Beth" (Haus, abstrakt Synagoge), der zweite, schräg aufgestellt, mit Verletzungen und bruchartigen Spuren, verweise auf die verbrecherische Gewaltherrschaft und den brutalen Zugriff auf das Innere des bisher geschützten Hauses. Dieser Stein soll alle 65 Namen und Einzelschicksale der Juden in Kalkar aufnehmen.

Quelle: RP
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