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Kranenburg
Photo-Pracht in Schwarz und Weiß

Kranenburg: Photo-Pracht in Schwarz und Weiß
Horst Hahn vor Man Ray: In die Geschichte der Fotografie blickt die Ausstellung mit Bildern aus seiner Sammlung im Museum Katharinenhof (bis 25. Februar). FOTO: mgr
Kranenburg. 176 Bilder aus der Kölner Sammlung Barbara und Horst Hahn laden im Museum Katharinenhof in Kranenburg zu einem wunderbaren Rundgang durch die Geschichte der modernen Fotografie ein. Von Matthias Grass

Das Foto auf der Einladungskarte zur neuen Ausstellung im Museum Katharinenhof ist eine Ikone. "Migrant Mother", eine Mutter ohne Heimat, entwurzelt vom Sturm der großen Depression die 1930 die Welt ins Elend stürzte. Die Mutter schaut an der Fotografin vorbei, eine schlanke Frau mit schwarzen haaren, 32 Jahre alt und schon tief vom Leben gezeichnet. Ein Foto, das zum Sinnbild der großen Depression geworden ist, das Einzug hielt in die Geschichtsbücher. Die Fotografin Dorothea Lange fotografierte die Frau 1936 während ihrer Reportage über die entwurzelten Menschen, es erzählt von der Last, von der Ungewissheit, wie es weitergeht. Mit ihr, mit den Kindern, die sich, vielleicht aus Scham, vielleicht aus Angst, rechts und links neben der Mutter verstecken.

Lange sah die Frau in ihrem provisorischen Zelt im Vorbeifahren. Sie hielt an, fotografierte die Szene von weitem, ging auf die Frau zu, fotografierte wieder und wieder zu bis sie das später weltberühmte Foto hatte. Ein Bild, das man aus Büchern kennt, das sich ins allgemeine Gedächtnis eingeprägt hat. Es hängt jetzt als Barytabzug in der Kranenburger Ausstellung "Photographie aus der Sammlung Barbara und Horst Hahn", die am Sonntag eröffnet wurde. Die Ausstellung zeigt mehr, als nur die Ikone - es zeigt auch den Weg der Annäherung, die Bilder, die Lange vorher machte die jetzt "Migrant Mother" rahmen.

Allein Langes Fotos ist die Reise wert in den alten Katharinenhof inmitten der kleinen Grenzfeste. Doch Lange ist nur eine Ikone. Da ist Man Rays genauso weltberühmtes und oft zitiertes Foto von Kiki de Montparnasse (eigentlich hieß sie Alice Prin) - ein Rückenakt als Violine. Die Fotos des amerikanischen Fotografen, Regisseurs, Malers und Objektkünstlers füllen eine ganze Wand - ein tiefer Blick in die Pariser Boheme der 1920er und 1930er Jahre. Gleich gegenüber hängen die russischen Avantgardisten El Lissitzky und Rodtschenko, Letzterer mit seinem Blick auf eine Treppe, die das neue Sehen zeigen sollte: grafisch, elegant und klar.

Doch auch Rodtschenko ist nicht nur mit seinem bekannten Bild in Kranenburg vertreten. Gleich daneben führt ein Blick steil hinab in der für den Russen so typischen bis dahin unbekannten Perspektive eine Feuerleiter hinunter. Die Bilder einer neuen Ästhetik stehen hier gegen Langes sozialkritischer Reprotagefotografie. Dabei auch die Fotografin Tina Modotti, die bei Frida Kahlo und ihrem Mann Rivera in Mexiko fotografierte und zuvor Model beim berühmten Edward Weston war. Klar, dass auch dessen Bilder in Kranenburg zu sehen sind. Oder von einem unbekannten Pariser Zeitungsfotografen ein Porträt Yves Montand und Marilyn Monroe.

Er sei Purist, sagt Horst Hahn, der seit Anfang der 1970er Jahre, angeregt von "Mister Photokina" (so Hahn) Fritz Gruber, anfing, Fotografie zu sammeln. Fotos in schwarz-weiß, abgezogen auf Papier, vielleicht sogar noch als Originalabzug des Fotografen. Fotografen, die gerne zu ihm kamen und ihm auch das Bild signierten. So wie Tim Gidal, der deutsch israelische Fotograf gilt als einer der Pioniere des modernen Fotojournalismus. Er brachte bei Besuchen statt einer Blume Fotos mit Widmung mit. Für Hahn hat so jedes Bild drei Geschichten - die, die es als Teil der Entwicklung moderner Fotografie erzählt, das was es zeigt und schließlich die ganz private als Sammler. Als Sammler, der der sich über den Originalabzug freut, den er in einer kleinen Galerie tauschen konnte. Als Sammler, der von den Stempeln und den kyrillischen Buchstaben auf der Rückseite des Rodtschenko-Fotos berichtet, das posthum abgezogen wurde. Als Sammler, der auf die Beschädigungen im Film verweist, die im Laufe der Geschichte entstanden. Und schließlich als Horst Hahn, der sich selber sieht in den Bildern der Kohle klauenden Kinder in Köln, die Herman Claasen in der zerstörten Domstadt machte. Dieses "Fringsen" war ja kirchlich abgesegnet und auch Hahn klaute vom fahrenden Zug. Abgerundet wird die Ausstellung mit einem Blick auf das Design von Fotoapparaten und der Sammlung früher Daguerrotypien aus der Jahrhundertwende. Denn die Sammlung Hahn hat nicht nur 1200 Fotos, sondern auch diese Zeugnisse früher Lichtbildkunst.

Quelle: RP
 
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