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Kleve
Platz der Erinnerung

Kleve: Platz der Erinnerung
Ein Bild des Abschieds - herabgefallenes Laub auf dem Rasen der Sportanlage des VfL Merkur Kleve. FOTO: Markus van Offern
Kleve. Der VfL Merkur Kleve zieht um - und das seit knapp acht Jahren. Der größte Sportverein der Stadt wird neben dem Gustav-Hoffmann-Stadion eine neue Heimat bekommen. Die Verwaltung hat dem Klub ihre Pläne zugesandt. Von Peter Janssen

In einem Wettbewerb "längste Umzugsvorbereitungen" wäre man geneigt, dem VfL Merkur Kleve gewisse Siegchancen einzuräumen. Seit knapp acht Jahren wird darüber gesprochen, dass der an Tradition reiche, dafür an zeitgemäßen Sportanlagen arme Verein von der Unter- in die Oberstadt verlagert werden soll. Berechtigte Hoffnung kann sich der VfL jetzt auf die Umsetzung des Vorhabens machen. Das neue Zuhause des mit 1050 Mitgliedern größten Sportvereins im Stadtgebiet wird neben dem Gustav-Hoffmann-Stadion liegen.

Dietmar Eisel, Vorsitzender des VfL, hat Post von der Stadt bekommen. In dem Schreiben werden die Vorstellungen der Verwaltung dargestellt, wie die künftige Heimat des Vereins für Leibesübungen aussehen könnte. "Der Vorstand hat schon lange die Zustimmung des Vereins, dass wir mit der Stadt sprechen können. Nachdem wir über die aktuellen Pläne diskutiert haben, werden wir entscheiden, ob wir diese annehmen, oder ob noch Beratungsbedarf besteht. Die Stadt wartet auf unser Okay", sagt Eisel.

So ist unter anderem der Bau einer Einfachsporthalle geplant. Nicht mehr und nicht weniger. Die soll auf dem Gelände am Gustav-Hoffmann-Stadion errichtet werden, wo derzeit noch die Hausmeisterwohnung und die Umkleidekabinen stehen. Die Diskussion, ob es überhaupt Sinn macht, heutzutage noch Einfachsporthallen zu bauen, die von einem Verein mit 1050 Mitgliedern und Schulen genutzt wird, hat Kleves Kämmerer Willibrord Haas abgekürzt. "Er hat klar zu verstehen gegeben, dass es keine größere Halle gibt. Auch keine, mit der die Voraussetzungen erfüllt wären, um dort Meisterschaftsspiele für Ballsportarten durchzuführen", sagt Walter Opolka, 2. Vorsitzender des VfL. Eisel gibt zu bedenken: "Wenn man schon so viel Geld in die Hand nimmt, dann muss man sich fragen, ob das langfristig Sinn macht." Das Thema Zuschauerränge hat sich bei diesen Plänen ebenfalls erledigt.

Der Verein würde an der Flutstraße eine Parzelle mit einer Größe von etwa 200 Quadratmetern an die Stadt übertragen, auf der derzeit das Platzhaus mit Büro und Versammlungsraum steht. Das befindet sich im Besitz des VfL, aber auch in einem sanierungswürdigen Zustand. Die Turnhalle, eine nicht mehr zeitgemäße Materialmischung, verschlingt jährlich etwa 10.000 Euro an Energiekosten. Der Bau aus den 1950-er Jahren gehört zwar auch dem Verein, doch steht er auf einem Erbpacht-Grundstück.

Für Eisel ist der Aufstieg in die Oberstadt zumindest mit einer Verbesserung der Hallensituation verbunden: "Wir können eine neue Turnhalle nutzen und tragen zudem keine Energiekosten."

Die Mittel für den Umzug seien bereits in den Haushalt 2014 und 2015 eingestellt, so Eisel. Zwei Millionen Euro sind demnach für den Hallenbau eingeplant.

Einen Fitnessraum, den der Verein benötigt, muss der VfL Merkur von seinem Konto bezahlen. Ob man noch eine Hausmeisterwohnung braucht, da die Halle eine städtische sein wird, ist noch nicht abschließend diskutiert worden. Für die Bleibe eines Hausmeisters müsste der Sportverein etwa 165.000 Euro einplanen.

Für den Hallenbau wäre Voraussetzung, dass die vom 1. FC Kleve, weiteren Sportvereinen sowie dem Schulsport genutzten Umkleidekabinen weichen. Über 2030 hinaus besitzt der 1. FC für die historischen Räume mit Dusche noch ein Nutzungsrecht. "Die Pläne, die dem VfL Merkur Kleve vorliegen, kennen wir nicht", sagt Christoph Thyssen, Vorsitzender der Rot-Blauen. Es soll Überlegungen geben, neue Umkleiden so zu bauen, dass man von diesen ebenerdig auf den Kunstrasenplatz gehen kann.

Zu den zeitlichen Plänen sagt VfL-Vorsitzender Eisel: "Da gibt es noch keine konkreten Daten, die Stadt wartet schließlich auf unsere Entscheidung."

Für Walter Opolka drängt die Zeit: "Ich bin jetzt 77 Jahre und weiß nicht, ob ich die neue Heimat des VfL Merkur noch sehen werde. Freuen würde ich mich." Für einen ist es definitiv zu spät. Walter Opolka erzählt: "Ex-Bürgermeister Theo Brauer hat immer davon gesprochen, dass er den Grundstein legen will."

Mehr als ein halbes Jahrhundert war die Platzanlage an der Flutstraße die Heimat für Generationen von Merkurianer. Die Halle wurde ebenso regelmäßig wie notdürftig renoviert. Der Rundbahn fehlten immer 67 Meter zu einer üblichen 400-Meter-Stadionrunde. Dennoch bedeutete der wohl am besten versteckte Sportplatz Kleves den Mitgliedern über die Jahrzehnte hinweg viel. Die Anlage werden die Sportler des VfL Merkur verlassen. Was bleibt, ist viel Platz für Erinnerungen.

Quelle: RP
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