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Gesundheitsreport
Politik und Kassen müssen Ärztemangel bekämpfen

Kleve. Die Eltern-Initiative in Kleve ist absolut zu begrüßen - macht sie doch auf ein Versorgungsproblem im Bereich der kinderärztlichen respektive allgemeinen fachärztlichen Versorgungsbereiche aufmerksam: die Unterversorgung aufgrund der ländlichen Verhältniszahlen Einwohner zu Arzt. Nehmen wir die aktuellen Zahlen im augenärztlichen Bereich. Hier haben im Kreis Kleve die niedergelassenen Augenärzte 20.664 Patienten zu versorgen, in Düsseldorf aber nur 13.399.

Diese Diskrepanz besteht in jedem allgemein fachärztlichen Versorgungsbereich und führt daher auf dem Land zu deutlich längeren Wartezeiten. Die propagierte Zweiklassenmedizin mit langen Wartezeiten ist also eher dem Stadt-Land Versorgungsgefälle geschuldet als der medizinischen Betreuung.

In jedem allgemeinen fachärztlichen Versorgungsbereich, gemeint sind Kinderärzte, Gynäkologen, Chirurgen, Hautärzte, Urologen, Orthopäden und Psychotherapeuten, sind die Versorgungsbereiche gesperrt, also aufgrund der verzerrten Versorgungszahlen kann sich kein weiterer Kollege niederlassen. Gegen diese nicht plausible Quotierung wendet sich die Elterninitiative zu Recht.

Im hausärztlichen Bereich stellt sich das Problem aber anders dar. Hier haben nach einem Beschluss des GBA laut der aktuellen Bedarfsplanungsrichtlinien vom 1. Januar 2013 bundeseinheitlich weit alle hausärztlichen Kassensitzinhaber 1671 Einwohner zu versorgen, unabhängig von Stadt oder ländlichem Kreis. Das Problem hier sind die jetzt schon hohen Zahlen freier, also nicht besetzter Kassensitze, zum Beispiel in Kleve 7 und in Goch 8,5 freie Hausarztsitze. Und diese Zahlen werden sich aufgrund der überalterten Kollegenschaft sowohl im Facharzt - als auch im Hausarztbereich rasch verschlechtern.

Es ist also Aufgabe von Politik und Kassen, einerseits die Versorgungsgrade im allgemeinfachärztlichen Bereich dem tatsächlichen Versorgungsbedarf anzupassen und andererseits im hausärztlichen Bereich die Attraktivität der Niederlassung deutlich zu erhöhen. Daneben stellen Budgetierungen, Regresse und hoher Verwaltungsaufwand immer häufiger Gründe gegen eine Niederlassung dar. Eine Verbesserung der Infrastruktur und Unterstützung der Familie wird ebenso vom ärztlichen Nachwuchs erwartet.

WOLFRAM ALTHOF, VORSITZENDER ÄRZTEKAMMER KREIS KLEVE

Quelle: RP
 
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