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Kleve
Polizei warnt gezielt vor Taschendieben

Kleve: Polizei warnt gezielt vor Taschendieben
Polizei-Hauptkommissar Klaus Killewald hat Chika Igwe gerade gewarnt. Ihre Handtasche sei, so wie die 19-Jährige sie trägt, eine leichte Beute für Diebe. FOTO: g. evers
Kleve. Bei der NRW-Aktionswoche der Polizei sprach Hauptkommissar Klaus Killewald gestern Passanten in der Klever Innenstadt an, die unachtsam mit ihren Wertsachen umgingen. Gelegenheit macht nämlich immer noch Diebe. Von Nicole Scharfetter

Das Smartphone gehört ebenso in die Handtasche oder den Rucksack wie das gut gefüllte Portemonnaie. Ausweis, EC- und Kreditkarte, Führerschein, Versicherungskarte und Bargeld - manchmal nicht zu knapp. Vielleicht noch ein Tablet oder die Kamera, und der Wert der Tasche schnellt in die Höhe. Trotzdem gehen zu viele Menschen immer noch zu unachtsam mit ihrem Gepäck um, tragen es auf dem Rücken oder lassen es an der Schulter runterbaumeln, mit geöffnetem Reißverschluss. Da reicht ein kurzer Rempler aus, und die Geldbörse ist weg, oder das Handy oder das Tablet. Oder alles auf einmal. Und die Opfer merken oft erst viel zu spät, dass sie gerade bestohlen wurden.

So können Sie sich vor Taschendieben schützen FOTO: Thomas Busskamp

Auch wenn in Kleve die Fallzahlen verhältnismäßig niedrig sind - 2013 wurden im Kreis 150 Taschendiebstähle angezeigt, 2014 126, im ersten Halbjahr 2015 74 - beteiligt sich die Polizei dennoch an der landesweiten Aktionswoche gegen Taschendiebstahl. Auftakt war gestern in der Klever Innenstadt mit Hauptkommissar Klaus Killewald, der verdeckt auf Streife ging und unachtsame Passanten vor Dieben warnte.

Nur einen Augenblick steht Killewald am Elsa-Brunnen, da entdeckt er auch schon die erste junge Frau, die vollbepackt Richtung Uni läuft und sich auf ihre Brötchentüte konzentriert. Chika Igwe ist 19, trägt ihre Handtasche zwar vor sich, aber sperrangelweit offen. Für Diebe eine Einladung - einmal anrempeln reicht aus, und irgendein Wertgegenstand ist weg, mahnt Killewald. Dabei achtet die Studentin immer darauf, sich Taschen mit Reißverschluss zu kaufen, versichert sie. Nur blöd, wenn man den Verschluss nicht nutzt. Bisher hatte Igwe Glück, sagt sie. Die Studentin nimmt den Flyer, den Killewald ihr in die Hand drückt, zwar mit, die Tasche verschließen wird sie aber nicht. "Es gibt immer uneinsichtige Menschen", sagt der Hauptkommissar. Die seien dann selbst Schuld.

Die Lieblingsstädte der Taschendiebe FOTO: AP

So wie eine Frau, die sich über einen Kleiderständer beugt und nach Kindersöckchen sucht. Ihre Handtasche liegt auf dem Rücken, geöffnet versteht sich. Hinter sich hat sie ihren Einkaufstrolley geparkt, ebenfalls schlecht verschlossen. "Gelegenheit macht Diebe", sagt Klaus Killewald, "immer noch." Mehr als Warnen kann der Experte aus dem Kommissariat Vorbeugung nicht - viele, die Killewald an diesem Morgen anspricht, sind aber dankbar für den Hinweis.

Bianca van Elten zum Beispiel: "Ich finde die Aktion sehr gut.". Eigentlich achte sie immer auf ihre Tasche, in großen Menschenmassen verzichte sie sogar ganz drauf und trage ihre Wertsachen gleich am Körper.

Das empfehlen auch Klaus Killewald und sein Kollege Manfred Jakobi. "Lieber ein paar Euro in der Hosen- oder Jackentasche, um einen Kaffee oder eine Bratwurst zahlen zu können, als das Portemonnaie offen zu zeigen", sagt Jakobi. Denn Diebe haben ihre Tricks, zum Beispiel nach Wechselgeld fragen oder dem Weg. Oder die berühmte Spendenliste, mit der Opfer abgelenkt wird. "Das grenzt schon an Trickdiebstahl", sagt Jakobi. Überhaupt ist Ablenkung bei Dieben das A und O, sie handeln selten allein, wenn sie auf Beutezug sind. Einer bedrängt das Opfer, ein anderer schlägt unbemerkt zu.

Und nicht nur Frauen sollten sich besser schützen. Männer können genauso beklaut werden. Sie tragen ihre Geldbörsen nämlich gerne in der hinteren Hosentasche. Manche Diebe gehen sogar so dreist vor, dass sie mit einer Rasierklinge die Hose aufschneiden und in Ruhe darauf warten, bis das Portemonnaie rausfällt. Deswegen verstaut Klaus Killewald sein Geld immer in der Innentasche seiner Jacke. Die nimmt er sogar bei 35 Grad im Schatten mit, weil es einfach sicherer ist. Und nur so viel, wie er braucht.

"Wir raten, öfter mal zur Bank zu gehen, satt einmal im Monat", sagt Jakobi. Gerade ältere Menschen neigen dazu, alles auf einmal abzuheben. "Und niemals den Pin im Portemonnaie aufbewahren", warnt er. Nicht mal getarnt als Geburtstagsliste. Die Täter probieren die Zahlenkombinationen aus - meistens mit Erfolg.

Quelle: RP
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