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Kleve
Polnische Ostertraditionen werden in Kleve bewahrt

Kleve. Seit 33 Jahren bereichern die Katholiken aus Polen das Leben in der Schwanenstadt. Heute werden die Speisen für das Fest gesegnet. Von Werner Stalder

Der Osterhase hat keine Chance in Polen. Das Osterfest ist geprägt von kirchlichen Traditionen und christlichen Osterbräuchen. Ostern in Polen, das sind Kirche, Familie, reich gefüllte Tische und viel Wasser. Das gilt auch für die rund 700 polnischen Mitbürger, die fern der Heimat zur katholischen polnischen Gemeinde in der Klever Unterstadtkirche gehören. Seit nunmehr 33 Jahren bereichert diese Gemeinde die Stadt Kleve.

Für die Gläubigen ist Ostern das höchste kirchliche Fest und zugleich ein großes Familienfest. Schon die vorösterliche Karwoche mit der Feier des Palmsonntags, Gründonnerstags und Karfreitags ist geprägt von der Liturgie der Kirche. In diesem Jahr versammelte sich die Gemeinde um 12 Uhr in der Unterstadtkirche zur Feier des Leidens und Sterbens des Herrn. Dabei steht die Passion im Vordergrund. Schon Wochen vorher bilden sich Schlangen vor den Beichtstühlen, es kommen zusätzliche Priester, um das Sakrament der Versöhnung zu spenden. Am heutigen Karsamstag um 10 Uhr gehen die Gläubigen in die Kirche, wo die für die Festtafel vorgesehenen Speisen gesegnet werden. Die lange Zeit des Fastens ist damit vorbei.

Die polnische Tradition der Weihe von Speisen stammt aus dem 14. Jahrhundert. Zuerst wurde nur ein gebackenes Osterlamm geweiht - heute befinden sich im Osterkörbchen mindestens sieben verschiedene Speisen. Wie etwa das Brot, das Wohlstand und Wohlergehen garantiert, ist für die Christen vor allem das Symbol des Leibes Christi. Das Ei ist ein Zeichen der Wiedergeburt und steht für den Sieg des Lebens über den Tod. Das Salz ist ein lebensspendendes Mineral. Die Wursterzeugnisse garantieren Gesundheit, Fruchtbarkeit und Wohlstand. Der Käse symbolisiert die Eintracht des Menschen mit der Natur. Der Kuchen ist als letzte Speise im Osterkörbchen erschienen - als Symbol für bestimmte Fähigkeiten und Vollkommenheit.

Die Tradition verlangt, dass der Kuchen hausgebacken ist. Pfarrer Zbigniew Minta segnet die Körbchen, die an den Stufen des Altares stehen, mit Weihwasser. Traditionsgemäß werden die geweihten Nahrungsmittel während des feierlichen Osterfrühstücks nach dem sonntäglichen Hochamt, das in diesem Jahr am ersten Ostertag ausnahmsweise um 13 Uhr stattfindet, verspeist. Die Unterstadtkirche kann dann die Gläubigen nicht fassen, die Menschen stehen beim Gottesdienst auf den Stufen bis zur Kavarinerstraße. "Es kommen auch zahlreiche deutsche Besucher, weil sie sich bei den ergreifenden polnischen Liedern und der feierlichen Liturgie wie in ihren Kindertagen fühlen", sagt der Vorsitzende der polnischen Gemeinde in Kleve, Wladyslaw Pisarek. In den Vorjahren war die Festmesse um 9 Uhr. Dann bekamen die deutschen Gläubigen, die zum nachfolgenden Gottesdienst kamen, bunte Ostereier geschenkt.

Und was geschieht am Ostermontag? In Polen werden am Tag der Ostertaufe traditionsgemäß die Mädchen von den Jungen mit Wasser bespritzt. Aber nicht nur diese. Es ist ein Brauch, der wohl auf die Zeit zurückgeht, als das Christentum nach Polen kam. "In Kleve wird zurückhaltender gespritzt als daheim", sagt Pisarek. Aber: "Das polnische Osterfest ist noch immer von der Auferstehung Christi beherrscht und nicht vom Osterhasen."

Quelle: RP
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