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Messerattacke in Asylbewerberheim
Prozess in Kleve - Angeklagtem droht „lebenslang“

Messerattacke in Asylbewerberheim: Prozess in Kleve - Angeklagtem droht „lebenslang“
Am Morgen des 20. Januars rückte die Polizei vor dem Asylbewerberheim an der Klever Stadionstraße an. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Für den 19-jährigen Georgier, dem vorgeworfen wird, im Januar einen 31-jährigen Russen im Asylbewerberheim an der Stadionstraße in Kleve mit einem Messer fast getötet zu haben, läuft es vor Gericht nicht gut. Ihm droht eine lebenslange Haftstrafe. Von Marc Cattelaens

Richter Christian Henckel, der Vorsitzende der 7. großen Strafkammer, wies den Angeklagten Dienstag darauf hin, dass die Tat auch als versuchter Mord gewertet werden könnte. "Die Tat könnte heimtückisch passiert sein", sagte Henckel. Bislang lautete die Anklage auf versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung.Nach wie vor steht der Angeklagte dazu, den Russen in dem Asylbewerberheim mit einem Taschenmesser niedergestochen zu haben, er macht aber immer noch keine Angaben zu seinem Motiv. Der 19-Jährige hatte wiederholt betont, dass er sein Opfer nicht töten wollte.

Dienstag wurden zwei Polizeikommissare als Zeugen vernommen. Sie berichteten, dass am Morgen nach der Tat Blutspuren im Treppenhaus des Asylbewerberheims gefunden wurden. "Die Zeugen, die wir vernommen haben, waren alle sehr einsilbig. Sie gaben an, dass sie nichts wüssten oder sie sich an nichts erinnern könnten", sagte der Polizist. Der Angeklagte habe bei seiner Vernehmung am Nachmittag nach der Tat lethargisch, wie abwesend gewirkt. "Ich musste ihm alles aus der Nase ziehen", so der Kommissar. Der Georgier sei an der Hand verletzt gewesen, außerdem habe er eine V-förmige Wunde an der Schulter gehabt. Er sei der Polizei bereits bekannt gewesen, weil er wegen Diebstahls aktenkundig war, so der Kommissar. In dem Asylbewerberheim habe sich der 19-jährige oft aufgehalten. "Er ist dort ein- und ausgegangen", sagte der Polizist.

Auf einem Tisch, an dem das Opfer gesessen hatte, bevor sich die Tat ereignete, habe noch Schokolade gelegen, so der Zeuge. Der 31-Jährige hatte am vorausgegangenen Prozesstag ausgesagt, dass der Angeklagte eine Tafel Schokolade auf den Tisch geworfen hatte, an dem er saß, bevor der Mann plötzlich auf ihn eingestochen habe.

Ein weiterer Polizist berichtete der Kammer, dass der Notarzt, der das Opfer noch in der Nacht im Rettungswagen in die Uniklinik Nimwegen geleitete, damit gerechnet habe, dass der 31-Jährige aufgrund der Schwere seiner Verletzungen sterben würde. Bei einer Notoperation konnten die Ärzte jedoch dem Mann das Leben retten.

Der Prozess wird am kommenden Freitag fortgesetzt. Dann soll der Psychiater Dr. Jack Kreutz ein Gutachten über den Angeklagten vortragen. Anschließend soll plädiert werden.