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Kleve
Puppen aus Kleidern spenden Trost

Kleve. Die Kranenburger Näherin Petra Hagemann fertigte aus dem T-Shirt eines verstorbenen Vaters Puppen für die trauernden Kinder an. Damit schuf sie ein Erinnerungsstück, das gedrückt, aber auch geschlagen werden kann. Von Christian Breuer

Plötzlich kamen die Tränen. Petra Hagemann war in ihre Arbeit vertieft, als sie von den Gefühlen überwältigt wurde. Denn die Puppe, an der sie gerade gearbeitet hat, war nicht einfach nur eine von vielen. Sie war ein besonderer Auftrag. Der gelbe Stoff, aus dem sie den Körper nähte, war früher einmal ein T-Shirt - das Lieblingsshirt eines Mannes, der wenige Wochen zuvor im Krankenhaus verstorben war. Unerwartet, innerhalb kurzer Zeit. Zurück blieben seine Frau und zwei Kinder, vier und sieben Jahre alt. Dorothee Beutler wurde auf das Schicksal aufmerksam.

Sie ist Koordinatorin im Hospiz am St.-Antonius-Hospital in Kleve und erinnerte sich an eine Fortbildung. "Dort wurden Puppen gezeigt, die aus der Lieblingskleidung des verstorbenen Elternteils genäht wurden", erzählt sie. Diese Idee wollte sie aufgreifen. Schnell war der Kontakt zu der Kranenburger Näherin Petra Hagemann hergestellt. Die erklärte sich sofort bereit, für die beiden Kinder zu nähen. "Ich fühle mich geehrt, dass ich das tun durfte", berichtet die 52-Jährige. "Ich hatte so die Möglichkeit, für die Kinder eine Erinnerung zu schaffen, die wertvoll sein kann. Ich kann ihnen ihren Papa nicht zurückgeben, aber ich kann an ihn erinnern."

Viel habe sie sich mit der Kleidung beschäftigt, die ihr von der Familie zur Verfügung gestellt wurde, sie hat sich die Geschichte des Vaters und der Kinder angehört. "Das hat mich beflügelt", sagt Hagemann. Zwei Hasen hat sie schließlich genäht und dabei auch fröhliche Stoffe mit eingearbeitet: "Das Leben geht schließlich weiter", sagt sie. Groß sind die Puppen geworden, mit langen Armen, die man sich auch mal über die Schulter legen kann.

"Sie sollten nicht klein und knuffig werden wie ein Teddybär", betont die Näherin, "die Puppen soll man feste drücken können, aber man soll auch mit ihnen schimpfen dürfen und sie fragen, warum der Papa weg ist."

Es war schließlich an Dorothee Beutler, die Puppen zur Familie zu bringen und sie den Kindern zu schenken. Angst, dass das womöglich negative Reaktionen hervorrufen könne, hatte sie nicht, erzählt die Koordinatorin heute. Und diese Angst wäre auch unbegründet gewesen.

Dorothee Beutler: "Die Kinder haben sich sehr gefreut. Ein Mädchen ist sofort aufgesprungen und ist mit dem Hasen durch die Wohnung gesprungen. ,Ich tanze mit meinem Papa' hat es dabei gerufen." Auch wenn Petra Hagemann die Geschichte bereits kennt, zaubert sie ihr noch immer ein Lächeln auf die Lippen. "Ich bin froh, dass ich das machen durfte, da war so viel positive Energie hinter."

Vielleicht war es nicht das letzte Mal, dass die Kranenburgerin gemeinsam mit dem Hospiz am St.-Antonius-Hospital in Kleve gearbeitet hat. "Eine solche Puppe ist vielleicht nicht etwas für jeden, einige Menschen allerdings brauchen ein solches Erinnerungsstück", erklärt Beutler. Bei Bedarf werde sie sich wieder an Petra Hagemann wenden, die die Puppen für wenig Geld, mit dem sie lediglich ihre eigenen Kosten deckt, näht. Weitere Informationen zu den besonderen Erinnerungsstücken gibt es beim Hospiz am St.-Antonius-Hospital in Kleve, Albersallee 5-7, oder bei Petra Hagemann, unter der Telefonnummer 0163 1327062.

(pbm)
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