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Niederrhein
Radfahrer auf Achse für den Frieden

Niederrhein: Radfahrer auf Achse für den Frieden
Teilnehmer der Friedensbewegung vor dem Rathaus Kalkar. FOTO: Evers
Niederrhein. Friedensbewegung unterwegs nach Büchel. In Kalkar machen sie Station. Von Anja Settnik

Die Versammlung ist für 15.30 Uhr angekündigt. Pünktlich vor Ort sind drei Beamte der Kreispolizei, die sehr entspannt wirken, denn eine Demo, bei der sie einschreiten müssten, wird dieses Treffen sicher nicht. Aus Anlass des Atomwaffenabwurfs auf Hiroshima und Nagasaki vor 70 Jahren hat sich die Deutsche Friedensgesellschaft/Vereinigte Kriegsgegner (DFG-VK) auf Fahrrädern auf den Weg gemacht, um für ihre Sache zu werben. Gestartet sind die Männer und Frauen in Münster, ihr Ziel ist das Atomwaffenlager Büchel in Rheinland-Pfalz. Auf der Route liegt Kalkar, wo ein Stopp am Marktplatz bei großer Hitze nur wenige Interessierte anlockt. Ein paar Gleichgesinnte mit farbenfrohen Wohnmobilen stoßen dazu. Später geht's weiter zur von-Seydlitz-Kaserne. Weil die Pazifisten weder mit der Bundeswehr, noch mit der NATO ihren Frieden machen können.

"Ist ja schön, dass der Bundestag aus der Atomenergie aussteigen will, aber es gibt in Deutschland noch immer Atomwaffen, die nicht etwa verschrottet, sondern sogar modernisiert und lenkfähig gemacht werden", erklärt ein Kölner seine Motivation zum Widerstand. Jochen Petzschmann, der mit seiner Frau im geblümten Wohnmobil angereist ist, gehört dem "Forum ziviler Friedensdienst" an. Er lebt in Ratingen und engagiert sich in vielen Projekten. "Wir finden, dass es heute nicht mehr darum geht, nur gegen etwas zu sein, wir wollen auch Positives bewirken." Klar setzten sie sich ein für eine Welt ohne Krieg - vorerst eine Utopie, wie Petzschmann weiß. Auch in Deutschland gebe es noch genug zu tun, "und Kalkar kennen wir natürlich alle noch." Denn in den 1980-er Jahren zogen all die meist älteren Herren mit grauen Bärten, die sich gestern trafen, gegen den geplanten "Schnellen Brüter" zu Felde. "Und wir waren ja auch erfolgreich", sagt einer. "Sonst würden in Hönnepel vermutlich heute keine Kinder spielen." Wilfried Porwol, 63-jähriger Friedensaktivist und Künstler, vertritt im DFG-VK den Kreis Kleve. Durch die Nähe zum NATO-Standort Kalkar/Uedem, die Kommandozentrale für die Luftraumüberwachung Nordeuropas ist, sei man hierzulande "Teil der Eskalation, die die Kriegsgefahr vergrößert", betont er. Kampfreden kann sich Porwol jedoch sparen, denn die Aktivisten bleiben in Kalkar weitgehend unter sich.

(nik)
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