| 00.00 Uhr

Kreis Kleve
Raps und Rübe - neue Stars auf dem Feld

Kreis Kleve: Raps und Rübe - neue Stars auf dem Feld
Kaum ein Platz blieb unbesetzt in den Messehallen Kalkar. Nachdem sich die Gäste die Fachvorträge angehört hatten, diskutierten sie mit den Experten über aktuelle Entwicklungen. FOTO: Klaus-Dieter Stade
Kreis Kleve. Besucherrekord eingestellt: Rund 300 Interessierte kamen zum "Agrar-Forum Niederrhein" im Wunderland Kalkar. Fachleute diskutierten mit dem Publikum über neuen Chancen für die Landwirtschaft im Kreis Kleve. Von Marc Cattelaens

Sie ist die Wirtschaftsmacht von nebenan - die Landwirtschaft. Das wurde einmal mehr beim "Agrar-Forum Niederrhein" in den Messehallen des Wunderland Kalkar deutlich. Landrat Wolfgang Spreen übernahm die Begrüßung der rund 300 Besucher und verdeutlichte eindrucksvoll, welche Bedeutung Landwirtschaft und Gartenbau für den Kreis Kleve haben: "Zwölf Prozent aller Beschäftigen arbeiten im Agrobusiness", sagte Spreen und hob damit den Stellenwert der Landwirte als Arbeitgeber hervor. Das dürfte den Gästen - die meisten davon selbst Landwirte - geschmeichelt haben.

Über das Motto der Veranstaltung, die jetzt zum zweiten Mal stattfand, referierte Martin Berges, der Direktor der Landwirtschaftskammer NRW: "Durchstarten und Spurwechsel" war sein Vortrag überschrieben. Er nahm eine Bestandsaufnahme für den Niederrhein vor. Bei der Milchviehwirtschaft und im Gartenbau sei die Region landesweit führend - besonders in den Kreisen Kleve und Wesel. 6,6 Milliarden Euro werde an Umsatz erwirtschaftet. 8,3 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Nordrhein-Westfalen entfalle auf den unteren Niederrhein.

"In der Milchviehhaltung sind wir richtig durchgestartet", sagte Berges. So habe sich die Zahl der Milchkühe in sechs Jahren um 15.000 erhöht, den meisten Anteil daran tragen wiederum die Kreise Kleve und Wesel. "Hier wird 23 Prozent mehr Milch produziert als in anderen Regionen", betonte Berges. Gleichwohl seien Masse und Wachstum nicht alles. Die Landwirte müssten auch Konsolidierungen vornehmen, um sich "auf die nächsten Preistiefs, wenn sie denn kommen, vorzubereiten", so der Experte.

Berges sieht neben der Milchviehhaltung zwei weitere Trends: Zuckerrüben und Tiernahrung mit heimischen und gentechnisch unveränderten Futtermitten. "In der Rübe ist Musik", sagte Berges und gab damit einen Vorgeschmack auf ein weiteres Schwerpunktthema beim Agrar-Forum. Das Füttern mit Raps sei eine gute Alternative für aus Drittländern importiertes Eiweiß, etwa aus Soja.

"Dem Durchstarten sind jedoch auch Grenzen gesetzt", betonte Berges. So müssten die Landwirte auch die Belange des Naturschutzes beachten und dazu beitragen, die Artenvielfalt zu erhalten. Außerdem gelte es, Grundwasser vor Nitratverschmutzung zu bewahren und das Tierwohl in den Fokus zu nehmen. "Dazu muss uns auch die Politik beraten, sonst werden wir mit den Produktionskosten zu teuer", schloss Berges seinen Vortrag.

Beeindruckende Zahlen präsentiert Hermann Schmitz, Bereichsleiter Landwirtschaft beim Unternehmen Pfeifer & Langen. "Der weltweite Zuckermarkt wächst jedes Jahr. Vor zehn Jahren lagen wir bei einem Bedarf von 170 Millionen Tonnen pro Jahr, heute sind es 185 Millionen Tonnen, und in zehn Jahren erwarten wir einen Bedarf von 215 Millionen Tonnen", sagte Schmitz. Er lobte den Wegfall der Zuckerrübenquote in diesem Jahr. "Wir importieren jetzt nicht mehr Rohrzucker, sondern setzen auf den Rückenzucker aus der Region, den Sie uns liefern", wandte sich Schmitz an die Gäste. Deswegen investiere Pfeifer & Langen auch in die Region, beispielsweise mit dem Bau zweier Silotürme am Standort Appeldorn.

Dass neben der Rübe auch der Raps zu den neuen "Stars auf dem Feld" gehört, unterstrich Oliver Balkhausen, Chefvolkswirt bei ADM Ölmühlen, Ölwerke Spyck. Mit 65 Mitarbeitern, so Balkhausen, werden in seinem Werk unter anderem 3000 Tonnen Raps am Tag verarbeitet. Davon werde das Allermeiste allerdings nicht von umliegenden Feldern, sondern vom anderen Ende der Welt, nämlich aus Australien, angeliefert. Nur 6000 Tonnen Raps stammen aus der Region. "Das würden wir gerne deutlich steigern", gab Balkenhausen einen Ansporn für die heimischen Bauern, mehr Raps anzubauen.

Bevor es dann zum gemeinsamen Grünkohlessen ging, diskutierten die Gäste mit den Experten auf dem Podium noch die ein oder andere aktuelle Entwicklung.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kreis Kleve: Raps und Rübe - neue Stars auf dem Feld


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.