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Kreis Kleve
Ratgeber für Flüchtlinge in acht Filmen

Kreis Kleve: Ratgeber für Flüchtlinge in acht Filmen
Gewalt gegen Frauen ist verboten, das zeigt der Film anschaulich. FOTO: Gottfried evers
Kreis Kleve. Sieben Studenten der Hochschule Rhein-Waal haben an einem Projekt gearbeitet, um Flüchtlinge bei ihren ersten Schritten in Deutschland bei der Hand zu nehmen und ihnen Tipps zu geben. Das Projekt wurde jetzt vorgestellt. Von Matthias Grass

Die Buchstaben erscheinen an weißer Wand, geschrieben von flotter, unsichtbarer Menschenhand: Die Würde des Menschen ist unantastbar! Geschrieben und gesprochen wird Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes im universalen Englisch. Dann tauchen Strichzeichnungen von einem Mädel mit Zopf auf, von Kindern, von Männern. Die Stimme spricht in einfachstem, eingängigem Englisch von der Gleichberechtigung der Geschlechter. Strichmänner, die mit großer Faust Frauen oder Kinder schlagen, werden dick und rot durchgestrichen. Dann erscheinen das Kreuz, der Davidstern und schließlich der Halbmond gleichberechtigt nebeneinander. Religionsfreiheit eben. Und auch Menschen ohne Religion haben die gleichen Rechte, verkündet die Schrift auf weißer Wand.

Sieben Studenten der Hochschule Rhein-Waal des Fachbereiches Gender and Diversity haben im Rahmen eines Pflichtmoduls an einem Projekt gearbeitet, um Flüchtlinge bei ihren ersten Schritten in Deutschland bei der Hand zu nehmen und ihnen nützliche Tipps zu geben. "Wir haben uns gefragt, wie wir die Flüchtlinge ansprechen müssen, wie wir ihnen auf Augenhöhe begegnen können und was die wichtigsten Dinge sind, die sie für ihre ersten Schritte brauchen", sagt Ferdinand Niemann. Der Student im fünften Semester ist der Web-Administrator der Internetseite, die die Flüchtlinge auf ihren Aufenthalt in Deutschland, auf ihre ersten Schritte im fremden Land vorbereiten soll "My First Steps" heißt die Seite, "meine ersten Schritte".

Und der allererste Schritt ist der, den auch Julia Weber vor mehr als 20 Jahren machte: Sie kam Anfang der 1990er Jahre aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion an den Niederrhein. Als Erstes wollte sie damals die Grundsätze kennenlernen, nach denen in ihrer neuen Heimat gelebt wird. "Das stand in den Artikeln des Grundgesetzes", sagt sie im Integrationsrat der Stadt Kleve. Es sei um die Würde des Menschen, um die Gleichheit und Freiheit gegangen. Sie habe erfahren, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind. Und dass in dem Land alle Religionen friedlich nebeneinanderstehen. Weber, die sich seit Jahren im "Hafen der Hoffnung" in Kleve für Flüchtlinge engagiert, war die erste Adresse für die sieben Studenten der Hochschule Rhein-Waal des Fachbereiches Gender and Diversity, die im Rahmen ihres Pflichtmoduls an dem Projekt arbeiteten, um Flüchtlingen die ersten Schritte in Deutschland zu erleichtern und ihnen nützliche Tipps zu geben.

Als die Studenten - sieben junge Männer und Frauen aus sieben Nationen - bei Julia Weber auf dem Sofa saßen, gab's erstmal eine Tasse Tee: Der Anfang einer wunderbaren Zusammenarbeit, deren Ergebnis jetzt in Kleve vorgestellt wurde. Denn die Kreisstadt und ihre Gleichstellungsbeauftragte Yvonne Tertilte-Rübo, die als Lehrbeauftragte der Hochschule die Studenten betreute, waren Projektpartner der Hochschule. Mit im Boot als Berater war auch die Caritas. Kleves Bürgermeisterin Sonja Northing war begeistert von der Vorstellung der Studenten: "Das ist bahnbrechend und vorbildlich", sagt sie. Sie will die Seite und die Filme in Kleve bewerben.

Niemann und die beiden Zeichnerinnen Laura Otten und Xiaoji Song und ihre Mitstreiter Otia Romanus Ewah, Nimesh Dhakal, Vladislav Ganev und Martha Jang Mamu schufen für die Seite acht eingängige Zeichentrickfilme über "Die Würde des Menschen", den "Alltag", die "Deutsche Mentalität", bis hin zum "Öffentlichen Nahverkehr". Strichmännchen zeigen an, wie's geht und wie's nicht geht. Das wird dick rot durchgestrichen. Man kann die auch ohne Worte verstehen. Den Text auf der Web-Seite gibt's in Englisch und Deutsch.

Die kurzen Trick-Filme laufen jeweils kaum länger als zwei Minuten. Es nicht nur um die Würde des Menschen, sie zeigen auch, dass man "Guten Tag" sagt und dass man pünktlich ist. Oder den Müll teilt. Dass es graue, grüne und braune Tonnen und auch noch gelbe gibt. Die Strichmännchen erzählen davon, welcher Abfall wohin gehört und wo er nicht hingehört: nicht außerhalb der Mülltonnen.

www.my-first-steps.com

Quelle: RP
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