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Wiese sollte gemäht werden
Rehkitz in letzter Sekunde gerettet

Wiese sollte gemäht werden: Rehkitz in letzter Sekunde gerettet
Zusammengekauert liegt das Reh-Kitz in seinem Versteck im hohen Gras. Seine Mutter hat den Platz für die Geburt ausgesucht, weil er perfekte Deckung bietet. FOTO: August Böhling
Kleve-Salmorth. Ein wenige Stunden altes Reh ist im letzten Augenblick dem sicheren Tod entkommen. Seine Mutter hatte es auf einer Wiese in Kleve geboren, die gemäht werden sollte. Ein aufmerksamer Treckerfahrer sah das Junge und brachte es in Sicherheit. Von Marc Cattelaens

Die erste Mahd ist für Landwirte immer etwas Besonderes. Für August Böhling wird die diesjährige wohl noch lange im Gedächtnis bleiben.

In den Tagen zuvor hatte der Landwirt und leidenschaftliche Jäger auf einer seiner Wiesen in Salmorth eine tragende Ricke beobachtet. Böhling machte sich große Sorgen: Wo würde das Reh sein Junges zur Welt bringen? Lässt die Geburt noch so lange auf sich warten, bis das Feld abgeerntet ist?

Treckerfahrer Krzysztof Gievrszewski entdeckte das wenige Stunden alte Reh, bevor es wohl vom Mähwerk erfasst worden wäre. FOTO: August Böhling

Kurz vor der Mahd rief Böhling seine Jagdgefährten und einige Hundeführer an, um mit ihnen durch die Wiese zu gehen und das Wild zu vergrämen, das sich dort möglicherweise aufhält. Zusätzlich stellte Böhling ein Dutzend raschelnder Fähnchen in seiner Wiese auf. Auch diese Maßnahme hatte zum Ziel, dass das Wild beunruhigt wird. Besonders im Blick hatte der Landwirt dabei die Ricke, die er beobachtet hatte. Sie sollte durch die Fähnchen davon abgehalten werden, die Fläche, die gemäht werden sollte, zu betreten, um dort ihren Nachwuchs zur Welt zu bringen. Zusätzlich sprach Böhling mit Treckerfahrer Krzysztof Gievrszewski, sagte ihm, dass er dieses Mal beim Mähen besonders aufmerksam sein müsse.

Dann der nächste Morgen. Als die Wiese schon halb gemäht ist, stellt sich heraus, dass die Mühen des Landwirts nicht gefruchtet haben. Die Ricke hatte in der Nacht geworfen - und zwar genau da, wo jetzt der Traktor mit dem großen Mähwerk herandonnert. Nur eines war nicht vergeblich: Die Ansprache an Treckerfahrer Krzysztof Gievrszewski. Er bemerkte plötzlich eine ungewöhnliche Bewegung der Halme. Nur wenige Meter vor dem Mähwerk erblickte er das Rehkitz. Mit großen Augen sah ihn das wenige Stunden alte Geschöpf, das da im Gras kauerte, an. Der Fahrer stoppte sofort den Motor seines Traktors, stiegt aus, griff zum Handy und rief August Böhling an, um ihm von dem Fund zu berichten. Der packte sich seine Digitalkamera und machte sich auf zum Ort des Geschehens. Dort stand

Im hohen Gras droht Rehkitzen der Tod FOTO: dpa

Krzysztof Gievrszewski mit dem Kitz auf seinem Arm, eingebettet in einen großen Haufen Gras, damit das Kleine nicht menschlichen Geruch annimmt und dann von seiner Mutter nicht mehr angenommen würde. Ein Anblick, der auch gestandene Männer rührt. Auch wenn der erfahrene Jäger das so nicht zugeben würde. "Für uns war das ein schönes Erlebnis", sagt August Böhling.

Gemeinsam mit Gievrszewski legte er das Rehkitz in eine Hecke, wo es gut geschützt war vor Krähen und anderen Räubern. Von da an konnten sie nicht mehr machen, als zu hoffen, dass die Ricke ihr Junges finden und gut für es sorgen würde.

Auch Franz Hermanns, der Vorsitzenden des Hegerings Kleve, freut sich über die gelungene Rettungsaktion für das kleine Reh. "Die Landwirte sind in aller Regel sehr bemüht, Wildschäden beim Mähen zu vermeiden. Auch die Zusammenarbeit mit uns Jägern klappt hervorragend", sagte Hermanns. Neue Technik könne dazu beitragen, Wildschäden beim Mähen zu verringern. Als Beispiel nennt er den "Wildretter", ein Kästchen, das auf vielen Mähwerken bereits montiert ist und aus dem ein schrilles Signal kommt. Offensichtlich haben der "Wildretter" und der Fahrer gute Arbeit geleistet und dem Rehkitz das Leben gerettet.

Die Geschichte von der Ricke und ihrem Kitz hat übrigens ein gutes Ende genommen. "Ich habe beide glücklich und vergnügt auf einer anderen Weide spielen sehen", berichtet August Böhling.

Er sieht zufrieden aus.

Quelle: RP
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