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Kleve
Rekord bei Klaviersommer-Finale

Kleve. Mehr als 800 Besucher sahen den niederländischen Pianisten Joop Celis. Von Barbara Mühlenhoff

Das Abschlusskonzert des 29. Klevischen Klaviersommers war ein Rekordkonzert: Über 800 Besucher kamen in den Forstgarten, um den niederländischen Pianisten Joop Celis am Shigeru-Kawai-Flügel zu erleben. Das Wetter war nicht zu heiß, nicht kalt und ideal für Zuhörer und Musiker, die das Konzert sichtlich genossen. Auf den üblichen Holz-Klappstühlen, auf den Park-Bänken, auf Decken und mitgebrachten Sitzmöglichkeiten nahm Jung und Alt Platz, viele Hunde waren dabei und einige Zuhörer verspeisten ihr Picknick in der sommerlichen Atmosphäre.

Mit Franz Schuberts Impromptu op. 90 Nr. 3 Ges-Dur eröffnete Celis das Programm und erntete direkt nach dem Vortrag Applaus. Es folgte Frédéric Chopins Ballade Nr. 4 f-Moll op. 52, lyrisch-nachdenklich und so interpretiert, dass Celis in der Tat - wie es der Titel "Ballade" impliziert - mit seiner poetisch "erzählten" Musik die Zuhörer in seinen Bann zog. Dabei umrahmte die natürliche Geräuschkulisse des Forstgartens die Musik: Kinderlachen vom Spielplatz, der Wind in den Bäumen, das Knirschen der Kiessteine auf den Wegen (und leider auch manchmal hörbar der Verkehrslärm der ungesperrten angrenzenden Straße).

Absolut passend zu Celis' Art, von der Bühne aus Musik zu "erzählen", die folgenden drei Sätze von Claude Debussy Estampes: "Pagodes" (Pagoden), "La soirée dans Grenade" (Ein Abend in Granada) und "Jardins sous la pluie" (Garten im Regen), in denen der Pianist in Bildern eine poetische Welt aus Landschaften und fernen Ländern entstehen ließ.

Impressionistisch eingekleidete auf- und absteigende Melodien ließen die beeindruckenden asiatischen Tempelbauten mit vielen kleinen Türmen und Dächern vor dem inneren Auge sichtbar werden. Zwischen klangstarken Farbtupfern spielten in der Ferne bei Grenada Gitarren, klapperte Kastagnetten und knistert das temperamentvolle Feuer der Habanera. Im dritten Stück kehrte man nach Frankreich zurück. "Jardin de la pluie" malte einen verregneten Sommernachmittag nach, mit perlend tropfendem Regen und leichtem Gewitter.

Nach der Pause verzauberten Enrique Granados drei Sätze aus "Goyescas": "Los Requiebros", "Quejas o la Maya y el Ruisenor" und "El Amor e l Muerte. Balada". Galant und sinnlich, voller Temperament durchzog die Schönheit der Musik den Forstgarten. Celis beschwor darin die zwischen Bitterkeit und Anmut schwankende, leidenschaftlich-melancholische Gefühlswelt des alten Madrid, die sich in den (vom Maler Goya verehrten) Volkscharakteren des Majo und der Maja und deren wechselvoller Liebe widerspiegelte.

Die Zuhörer zeigten sich begeistert von der Traumreise ins alte Spanien der Leidenschaften und starken Gefühle, in die Joop Celis' grandioses Spiel entführte. Nach zwei Zugaben und minutenlangem Applaus entließen sie den sympathischen niederländischen Pianisten, der sich danach gerne auf ein Gespräch einließ.

Quelle: RP
 
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