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Kreis Kleve
Rouenhoff kämpft ums Direktmandat

Kreis Kleve: Rouenhoff kämpft ums Direktmandat
Stefan Rouenhoff (CDU) FOTO: Evers Gottfried
Kreis Kleve. Christoph Gerwers (Rees), Matthias Reintjes (Emmerich) und Tammo Eilers (Issum) hat er hinter sich gelassen. Nun will der Gocher alle im Kreis Kleve überzeugen, ihn in den Bundestag zu wählen. Erfahrungen in Berlin und Brüssel. Von Anja Settnik

Bis 22.20 Uhr mussten die Bewerber und die CDU-Mitglieder am Mittwochabend warten, bis Kreisvorsitzender Dr. Günther Bergmann das Ergebnis verkünden konnte: Stefan Rouenhoff (37) aus Goch ist der Bundestagskandidat der Kreis Klever CDU. Er hatte sich gegen drei Mitbewerber durchgesetzt - allerdings knapp und erst nach einer Stichwahl.

Der 38-jährige Rouenhoff, seit Mai Vorsitzender der Gocher CDU, könnte damit die Nachfolge von Ronald Pofalla antreten, der den Kreis fast 25 Jahre lang in Berlin und zuvor schon in Bonn vertrat. Stefan Rouenhoff wird dafür allerdings - anders als Pofalla, der 1990 als Landesvorsitzender der Jungen Union (JU) über die NRW-Landesliste in den Bundestag einzog - den Wahlkreis direkt gewinnen müssen. Dafür will er gemeinsam mit der gesamten Partei nun kämpfen.

Bis der Gocher gegen 22.30 Uhr Barbara Hendricks (SPD) ins Visier nahm, standen noch drei andere "Gegner" im Wege: Christoph Gerwers (53), Bürgermeister aus Rees, Matthias Reintjes, 27-jähriger CDU-Fraktionschef in Emmerich, und Tammo Eilers (47) aus Issum, der sich erst kurz vor Bewerbungsschluss ins Spiel brachte. Erfolglos, wie sich zeigte - er musste sich mit nur 2,1 Prozent geschlagen geben.

Die neue Messehalle des Kalkarer "Wunderlandes" stellte sich als perfekter Tagungsort heraus. Völlig zutreffend hatten die Organisatoren damit gerechnet, dass sehr viele Mitglieder zur Aufstellungsversammlung kommen würden. In der Tat näherten sich die Busse am frühen Abend in Kolonne: 570 stimmberechtigte Mitglieder erlebten eine interessante Vorstellungsrunde. Sechsminütigen Bewerbervorträgen folgten Fragerunden, in denen Bergmann die Kandidaten auf verschiedenste Themen und ihre persönlichen Vorstellungen ansprach.

Bei der Eigenpräsentation machte Eilers, Diplomingenieur im Agrobusiness, den Anfang, stellte Arbeitnehmerthemen wie Rente und Krankenversicherung in den Vordergrund, bedauerte das "eingeschränkte" Angebot des Flughafens Weeze und nannte "Kontaktfreudigkeit" als seine Stärke. Reintjes beeindruckte mit einer frei vorgetragenen Rede, nannte sich im guten Sinne einen gut vernetzten "Parteisoldaten" und warb als langjähriger JU-Aktiver mit seinen Wahlkampf-Erfahrungen. Der 27-Jährige mahnte die Parteifreunde, die bundespolitisch sehr erfahrene Barbara Hendricks nicht zu unterschätzen.

Christoph Gerwers, von vielen als Favorit gehandelt, setzte auf seinen Bekanntheitsgrad im Kreis und in überregionalen Gremien. "Mein Netzwerk wartet nur darauf, mich mit Informationen zu füttern. Ich muss mir Kontakte nicht mehr aufbauen." Infrastruktur, Verkehrspolitik, Integration und alle kommunalen Themen wolle er in Berlin vorantreiben.

Dann Rouenhoff: Handelsattaché der Bundesregierung in Brüssel, er vertrete die außenpolitischen Interessen der Union. Sieben Jahre im Umfeld der Bundesregierung hätten ihn gut auf die Aufgaben eines Bundestagsabgeordneten vorbereitet. Obwohl erst 37 Jahre alt, ist Rouenhoff schon fast 20 Jahre CDU-Mitglied, gehörte der Gocher CDU-Fraktion an, hat im JU-Vorstand bis zur Landesebene viele Erfahrungen gesammelt. Studium und Beruf führten ihn aus seiner Heimatstadt weg - nun ist er allerdings zurück und von seiner Partei "wiederentdeckt" worden: Seit 23. Mai ist Rouenhoff der neue Vorsitzende. Die Förderung der Klever Hochschule, Wirtschaftsförderung, die Unterstützung der Landwirtschaft und soziale Themen nannte er als wichtige Arbeitsfelder. "Ich möchte, dass die CDU Volkspartei bleibt. Der gesellschaftliche Pluralismus mus sich in unserer Partei widerspiegeln."

Nachdem im ersten Wahlgang der Gocher (37,7 Prozent) und Reintjes (36,1 Prozent) die Stichwahl erreichten - Gerwers mit 24 Prozent und Eilers schieden aus - wurde die Geduld aller lange strapaziert. Es mussten erst neue Wahlzettel mit den beiden übrig gebliebenen Namen gedruckt werden. 546 gültige Stimmen wurden abgegeben, davon fielen 280 (51,3 Prozent) auf Rouenhoff und 266 (48,7 Prozent) auf Reintjes. Der Unterlegene umarmte den Gocher als erster, ihm folgte eine lange Reihe Parteifreunde aus allen Generationen.

Überwältigt von der "enormen Präsenz" im Saal dankte Rouenhoff und kündigte an, mit aller Kraft für das Direktmandat zu kämpfen. "Ich möchte mit euch an einem Strang ziehen und glaube, dass wir erfolgreich sein werden." Der RP gegenüber kündigte er an, das Vertrauen des gesamten Kreises gewinnen zu wollen; er setze auf mehr als die nötigen knapp 51 Prozent für den Einzug in den Bundestag. Die Gocher hätten ihn toll unterstützt, aber auch in den anderen Ortsverbänden habe er offenbar viele von sich überzeugt. "Aber man muss auch sagen, das wir vier gute Bewerber hatten und uns in diesem Team wirklich gut verstanden haben."

Quelle: RP
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