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Kranenburg
Runder Tisch für Engagement geehrt

Kranenburg: Runder Tisch für Engagement geehrt
Die Initiative Runder Tisch wurde in Kranenburg ausgezeichnet. FOTO: Klaus-Dieter Stade
Kranenburg. Mehr als 100 Neujahrswanderer erlebten Flüchtlingsschicksale hautnah. Lesezeichen zur 24. Kranenburger Wanderung zeigte eine vom Syrer Ahmad Harba gezeichnete Antilope. Bürgermeister Günter Steins dankt Bürgern für Mithilfe. Von Stephan Derks

Es gehört zur Tradition der Kranenburger Neujahrswanderung mit seinen über 100 Teilnehmern und dem Bürgermeister an der Spitze, dass verdiente Mitbürger oder Vereinigungen für ihr soziales und ehrenamtliches Engagement geehrt werden. In diesem Jahr zeichnete Bürgermeister Günter Steins die über 70 Mitglieder des "Runden Tisches" mit Friedhelm Kahm an der Spitze aus, die den geflohenen Menschen das Ankommen in der Gemeinde erheblich erleichterten.

"Für die Verwaltung ist die Zusammenarbeit mit dem runden Tisch ausgesprochen konstruktiv und entlastend. Wir könnten vieles nicht leisten, wenn es diese Initiative nicht gäbe", würdigte Steins das Engagement. Auch zeigte das traditionelle Lesezeichen zur Neujahrswanderung kein niederrheinisches Motiv, sondern eine vom Syrer Ahmad Harba gezeichnete Antilope, der als Flüchtling nach Kranenburg gekommen war und durch sein Talent bereits den Mühlenturm auf dem Etikett der Flasche "Kranenburger Gold" gezeichnet hat. "Beim Thema Flüchtlinge handelt es sich um Menschen, die ein Gesicht und eine Lebensgeschichte haben. Daher möchte ich Ihnen die Gelegenheit geben, zwei von vielen Flüchtlingsschicksalen kennenzulernen. So habe ich Alfonso Menemou aus Guinea und Areeg Latta aus Syrien, Mutter von vier Kindern gebeten, uns kurz von sich zu erzählen", so Steins weiter. Aufmerksam lauschten die Anwesenden den Schilderungen des 24-jährigen Menemou, der vor vier Jahren unter anderem unter einem Lkw nach Europa geflüchtet war. Der Westafrikaner, der zwischenzeitlich gut deutsch sprach, hatte Arbeiten angenommen, um dem deutschen Staat nicht auf der Tasche zu liegen. Und auch Areeg Latta war mit ihrer Familie vor Terror und Bombenhagel aus der Heimat geflohen und dankte den Kranenburgern für ihre freundliche Aufnahme. "Wenn die Menschen aufeinander zugehen, dann gibt es auch Frieden", so Latta unter lang anhaltendem Beifall.

"Für uns in Kranenburg besteht die Herausforderung darin, 250 uns zugewiesene Flüchtlinge aus 29 Nationen menschenwürdig unterzubringen und deren Integration zu befördern. Nach meiner Erfahrung möchte der weitaus überwiegende Teil dieser Menschen sich in unsere Gesellschaft integrieren. Viele Flüchtlinge sind sehr bemüht, der neuen Umgebung in unserer Gemeinde offen und aufgeschlossen zu begegnen", schob Steins nach, der allen Mitbürgern dankte, die durch Spenden und vor allem durch ihren persönlichen Einsatz zur Bewältigung dieser Aufgabe beitrugen. Die Würde des Menschen sei unantastbar. Sie zu achten und zu schützen sei Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Das gelte, so Steins abschließend, für alle Menschen. Für Flüchtlinge in den Unterkünften, die von Rechtsradikalen angezündet wurden, ebenso, wie für Frauen auf dem Domplatz und vor dem Hauptbahnhof in Köln. Wer die Grundwerte und Normen der Verfassung nicht respektiere, für den sei nach seinen Angaben Deutschland der falsche Aufenthaltsort. Andererseits dürfe man nicht den Fehler begehen, alle Flüchtlinge mit Straftätern gleichzustellen. Das wäre nicht nur ungerecht, sondern würde denen in die Hände spielen, die Angst, Unruhe und Empörung in der Bevölkerung als Terrorwaffe nutzten.

Jedoch solle auch gelten, dass ein rechtskräftig verurteilter Straftäter sein Gastrecht verliere und deshalb unverzüglich ausgewiesen werden müsse.

Im Zuge seiner Neujahrsrede begrüßte Steins die Abschaltung des Kohlkraftwerkes in Nijmegen, an dessen Stelle ein moderner Energiepark zur Stromerzeugung mit regenerativen Energien entstehe. Bezogen auf die Grenzgemeinde dürfe es spannend werden, zu welchem Ergebnis die Umwelt- und Artenschutzgutachten im Hinblick auf den Windpark im Reichswald komme, sowie deren öffentliche Diskussion im weiteren Verfahrensverlauf. Unter Berücksichtigung der aktuellen Erkenntnisse gelte es dann allerdings abzuwägen, Entscheidungen zu treffen und zu begründen.

Quelle: RP
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