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Niederrhein
Sammlerin der einfachen Dinge

Niederrhein: Sammlerin der einfachen Dinge
"Es muss schön sein, eine eindeutige Form und eine klare Aussage haben", sagt Helga Hanisch zu den Fundstücken, aus denen sie ihre Kunst schafft. Sie möchte die "Seele der Dinge" aufspüren und die Sinnlichkeit des Einfachen für den Betrachter erlebbar machen. FOTO: markus van offern
Niederrhein. Helga Hanisch wirkte in Ringenberg und Dingden, hat heute Ateliers in Emmerich und Fürfeld. Sie sieht sich selbst als "Materialpoetin" und setzt stummen Zeugnissen vergangener Zeiten ein Denkmal. Von Cornelia Krsak

Die Schönheit des Alltäglichen – dem nüchternen Blick bleibt sie meist verborgen. Erst die Kunst vermag Gegenstände aus ihrem profanen Zusammenhang zu lösen und ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu stellen. Helga Hanisch bezeichnet sich selbst als "Materialpoetin". Die Künstlerin möchte die "Seele der Dinge" aufspüren und die Sinnlichkeit des Einfachen für den Betrachter erlebbar machen. "Ich war schon immer eine Sammlerin. Im Urlaub ist es das Schönste", sagt Hanisch.

Häufig ist die 1954 in Eilsleben bei Magdeburg geborene Künstlerin am Rhein oder auf Schrottplätzen anzutreffen. "Auch auf der Straße findet man allerhand", sagt Hanisch. Die Fundstücke sammelt sie in unzähligen Kästen und Kartons in ihrem Emmericher Atelier "Artpraxis". Beim Durchsehen ihres "Schatzes" findet sich immer ein interessantes Objekt, aus dem sich etwas machen lässt. "Es muss schön sein, eine eindeutige Form und eine klare Aussage haben", erklärt sie. Die Fundstücke belässt sie im ursprünglichen Zustand. "Mir geht es um Authentizität. Ich möchte das zeigen, was wirklich ist. Oft sind es Dinge, die andere Menschen gar nicht wahrnehmen", so die Künstlerin. Mal ist es ein verlorener Ohrring, der ihr Interesse weckt, und mal der rostige Kronkorken einer Bierflasche.

Diesen stummen Zeugnissen vergangener Zeiten setzt Hanisch ein Denkmal, indem sie diese durch monochrome plastische Papiergründe und Wachsschichten hervorhebt. Die Papiermaché-Masse rührt sie nach eigenem Geheimrezept an und lässt diese in der Form aushärten. Danach werden die Papier-Objekte patiniert, wodurch die malerische Illusion von natürlichen Materialien wie Gestein, Erde oder Metall erzeugt wird. Diese wiederum treten in einen spannenden Kontrast mit dem weichen, transparenten Material Wachs.

Die Wachsoberflächen bearbeitet sie so lange vorsichtig mit dem Föhn, bis die verborgenen Fundstücke geheimnisvoll hindurchschimmern. "Eine Idee zu finden, ist die schwierigste, aber auch die schönste Arbeit", sagt Hanisch. Der schöpferische Prozess gestaltet sich als intensive Wechselbeziehung zwischen kreativen und handwerklichen Anteilen. Beide haben gleichermaßen ihre Berechtigung. Die Formate reichen von großen Wandbildern bis zu winzigen Objekten, die teils zu mehreren in Materialcollagen integriert werden. Zudem schafft Hanisch Skulpturen aus Draht und Papiermaché.

Zu ihren stärksten Arbeiten zählen die "Lichtbilder", eine 1998 entstandene Serie zum Thema Lebensreise und Tod. Hanisch studierte von 1973 bis 1977 an der Folkwangschule Essen. Von ihrem Atelier im Schloss Ringenberg (ab 1977) zog sie 1979 in den Bahnhof Dingden. Seit 1995 ist sie in Ateliers in Emmerich und Fürfeld (Bad Kreuznach) tätig. 1978 erhielt Hanisch den Förderpreis der Stadt Gelsenkirchen, 1997 ein Stipendium des Künstlerbahnhofs Ebernburg. 2013 plant sie eine Ausstellung im Weseler Preußen-Museum. Mit der Künstlergruppe Marienthal stellte Hanisch 2012 zum elften Mal im Karmeliterkloster aus.

(RP/rl)
 
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