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Kleve
"Schänzer" hoffen auf eine kleine Fähre

Kleve: "Schänzer" hoffen auf eine kleine Fähre
Die große Fähre ist stillgelegt. Die Personenfähre (rechts neben der Autofähre) soll künftig vielleicht nicht nur für Notfälle sondern auch touristisch genutzt werden. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Einstimmig war der Rat der Stadt Kleve für den Antrag der SPD-Fraktion, eine künftige touristische Nutzung der Personenfähre nach Schenkenschanz zu prüfen. Der Rat war sich einig, dass die Stadt diesen Betrieb nicht finanziert. Von Matthias Grass

Sekt-Korken werden auf der Schanz nicht knallen, nachdem der Rat einstimmig beschlossen hat, eine touristische Nutzung der Personenfähre zu prüfen. Eher im Gegenteil. So hatte Georg Böhling in der Bürgerversammlung zur Schanz vorgeschlagen, eine Bürgerfähre aufs Wasser zu setzen, die ehrenamtlich betrieben werden könne. Eine schöne Idee. Aber: "Weder von Frau Northing noch von den Fraktionen haben wir Schänzer bis heute eine Rückmeldung bekommen", sagt Böhling. Es werde endlich Zeit, dass die Stadt auf die Schanz zukomme und sich Politik, Stadt und Vereine an einen Tisch setzen, das Problem Fähre und einen möglichen Betrieb auch durch Bürger der Stadt Kleve zu diskutieren.

Es sei auch nicht richtig, sagt der Mann aus Schenkenschanz, mit der Personenfähre zu planen, die zwischen zwei Geländern lediglich Platz für Sitzbänke und Fahrräder habe. Ein Krankenwagen passe aber nicht auf diese Fähre. "Es gibt genug Beispiele für kleine Fähren, die aber genau dies im Notfall gewährleisten", sagt Böhling. Man brauche eine Fähre, die bei Wind und Wetter fahren kann, wenn die Brücke zwischen Griethausen und Salmorth unter Wasser steht und kein Autoverkehr mehr auf die Halbinsel kommt, die dann Insel ist.

Böhling kann sich vorstellen, dass sich ein "Verein" gründet, der aus den Bürgern aller Ortsteilen der Stadt und der Stadt Kleve selbst besteht: "Das muss ein Verein der ganzen Stadt sein". Das Ehrenamt lasse sich über einen 400-Euro-Job für den Fährmann anerkennen. Zumal er damit rechnet, dass ein Teil der Ausgaben für diesen Job über die Einnahmen aus der touristischen Nutzung wieder hereinkommt. Auch würde er es begrüßen, wenn der Erlös aus dem Verkauf der großen Fähre diesem Verein zugute komme - quasi als Grundstock für einen gesicherten Betrieb einer neuen Fähre, die auch einen Krankenwagen transportieren kann.

Carina Giesen, gebürtige Schänzerin und für die Offenen Klever (OK) im Rat, sieht die Situation für die Bewohner der Halbinsel "als sehr belastend". "Die Fähre als tägliches Transportmittel fällt aus, Post und andere Lieferungen werden immer noch per Navi an den Fährpunkt geführt. Wir sind daher der Ansicht, dass eine Verbindung dringend notwendig ist", sagt sie. Es sei wichtig, genaue Überlegungen mit und für die Schanz und ihre Bewohner zu führen. Stattdessen werde eine schnelle, bürgerferne Entscheidung angestrebt. "Wir stellen mit Bedauern fest, dass in dieser Sache schneller gehandelt als gedacht wird", sagt Giesen. Grundsätzlich begrüßt die OK den Prüfauftrag.

Geld für die Fähre soll es nicht geben, so die Ratsmitglieder. Hedwig Meyer-Wilmes, Fraktionschefin der Grünen, räumte bei der Diskussion um den Prüfauftrag für die touristische Nutzung der Fähre ein, dass es seitens der Stadt Zuschüsse für einen möglichen Verein geben könne, der die Fähre betreiben möchte. Allgemeines Nicken im Rund des Saales der Stadthalle, in dem der Rat tagte. Zuvor hatte CDU-Fraktionschef Wolfgang Gebing klar gestellt, dass der touristische Betrieb der Personenfähre nicht Sache der Stadt sei. "Das muss ein Verein stemmen", so Gebing. Den Betrieb werde die Stadt nicht finanzieren. Alexander Bungert (FDP) wollte den Prüfauftrag nicht ins Blaue hinein beschließen. "Zunächst müssen wir doch wissen, ob es überhaupt einen Verein gibt, der die Fähre betreiben will". Letztlich bekam Josef Gietemann (SPD) aber seinen Antrag einstimmig durch: Die Stadt wird bis nach den Sommerferien prüfen, ob und wie ein Verein die kleine Personenfähre touristisch nutzen kann.

Kein Zweifel bestehe daran, dass die Stadt diese kleine Fähre für Notfälle betriebsbereit halten muss, bestätigte Gebing am Rande des Rates. Das werde die Stadt auch tun, wenn ein Verein sie nutze. Klar müsse aber auch sein, dass ein künftiger Nutzer diese Bereitschaft nicht gefährden dürfe, so Gebing.

Quelle: RP
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