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Kleve
Schmachtende Melodie für Clara

Kleve. Das siebte Reihenkonzert in der Stadthalle stand ganz unter dem Titel "In Freundschaft": denn als Freunde musizieren seit 25 Jahren Eckart Heiligers (Klavier), Ulf Schneider (Violine) und Martin Löhr (Violoncello) als Trio Jean Paul. Als gebürtigen Kleve verbindet Heiligers auch eine Art Freundschaft mit der Schwanenstadt und den Zuhörern, die zahlreich erschienen. Und nicht zuletzt war das Programm mit Wolfgang Rihm (*1952), Johannes Brahms und Robert Schumann entsprechend gewählt: ersterer als moderner Beobachter der "Freunde" Brahms, Schumann und dessen Frau Clara, ebenfalls ein spezielles "Trio" als Grundkonstellation. Von Barbara Mühlenhoff

So entführte der Brückenschlag zunächst in eine fremde Klang-Welt mit Rihms "Fremde Szene III": ein Spiel von Elementen, die dieser aus der Inspiration von Schumanns "Kinderszenen" entwickelte. Das psychologische Nachspüren der Grundlage ging mit eruptiven Ausbrüchen, fast aggressiven Abhandlungen, rhythmischem Poltern bis hin zum schwebenden Flageolett einher, was verstörend und dissoziativ wirken konnte, aber auf höchstem Niveau gespielt wurde.

Mit dem Streichsextett Nr. 2 G-Dur op. 36 von Brahms in der Kirchner-Bearbeitung für Trio erklang eine vertraute Hör-Welt. Schon im 1. Allegro-Satz wurde die Autonomie der Stimmen ebenso wie ihr gekonntes Verschmelzen deutlich - Kirchner schuf keine pure Umschreibung der Stimmen, sondern eine perfekte Umarbeitung des Brahm'schen Idioms. Das Trio setzte diese hervorragend um: Die aufwühlenden Anfangstakte gestalteten es mit wohldosierter Leidenschaftlichkeit und vorwärtsdrängender Dichte. Emotional und mitreißend musizierten die Künstler, ebenso ergreifend im Scherzo die perlenden Läufe, die zwischen den Dreien weitergegeben wurden. Wie Heiligers vor dem Konzert hinwies, versteckte Brahms in diesem Werk viele "Geheimnisse", z.B. eine schmachtende Melodie, die er Clara 1855 in einem Brief gesandt hatte.

Der starke orchestrale Charakter des Werks kam auch mit drei Instrumenten in ganzer Fülle zur Geltung und die Musiker begeisterten mit brillantem Spiel. Auch im zweiten Teil mit Schumanns Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 63 entsprach das Trio Jean Paul den deutschen Bezeichnungen der Sätze voll: "Mit Energie und Leidenschaften" im 1. Satz und von der ersten Sekunde an, "Langsam, mit inniger Empfindung" im 3. Satz. Die Übergänge von Dunkel zu Hell gelangen fein, das Klangbild war transparent genug, um die einzelnen Stimmen, aber auch ihre Homogenität wahrzunehmen.

Die Energie des Trios zog die Zuhörer in den Bann und ein spontaner Bravo-Ruf nach dem Absetzen des letzten Bogenstrichs erklang zu Recht. Danach war es vom Trio Jean Paul genau richtig ausgelotet, die Bühne unter donnerndem Applaus ohne Zugabe zu verlassen und die Musik einfach wirken zu lassen.

Quelle: RP
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